Wirtschaft

Kleine Braustätten boomen Brauer sehen "Renaissance des Bieres"

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2017 trank jeder Deutsche rein rechnerisch 101 Liter Bier - 1997 waren es noch mehr als 131 Liter.

(Foto: picture alliance / Jan Woitas/dp)

Trotz des rückläufigen Bierdurstes der vergangenen Jahre steigt die Zahl der deutschen Brauereien. Der Begriff "Brauereiensterben" sei ausgestorben, sagt der Deutsche Brauer-Bund. Während die Auswahl an Sorten wächst, gibt es Kritik von Verbraucherschützern.

Ob Craftbier, regionale Spezialitäten oder alte Rezepturen: Trotz des im vergangenen Jahr rückläufigen Bierdursts erlebt Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Brauer-Bunds (DBB) "eine Renaissance des Biers und des Brauens". Die Zahl der Brauereien werde wohl noch in diesem Frühling die Marke von 1500 überschreiten, erklärt der DBB zum Tag des deutsche Biers an diesem 23. April. Doch Herausforderungen für die Branche bleiben.

Am 23. April 1516 wird im bayerischen Ingolstadt verfügt, dass zum Brauen nur Wasser, Malz, Hopfen und Hefe verwendet werden dürfen. Auch wenn es damals noch nicht so heißt, ist damit das deutsche Reinheitsgebot geboren - die älteste noch immer bestehende Lebensmittelvorschrift der Welt.

Dabei soll das Gebot damals vor allem vor Vergiftungen durch Bierbeigaben wie Stechapfel, Ruß oder Holzspäne schützen - heute dient es den Brauern noch immer als werbewirksames Aushängeschild: "Das Reinheitsgebot steht für die Bewahrung einer althergebrachten Handwerkstechnik", rühmt es der DBB. Daraus habe sich eine "weltweit beachtete Braukunst entwickelt".

Tatsächlich erlebt die Braubranche derzeit einen Boom: Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2017 mit 1492 Braustätten rund 150 Betriebe mehr registriert als noch vier Jahre zuvor. "Der Begriff 'Brauereisterben' ist mittlerweile ausgestorben", betont der DBB. Während viele kleine Handwerksbetriebe wie Bäckereien oder Fleischereien aufgeben müssten, werde die Zahl der Brauereien "auch in den kommenden Jahren weiter wachsen".

Deutsche trinken trotzdem weniger Bier

Besonders dynamisch entwickelten sich dabei die kleinsten Braustätten - 2017 stellten sie mit 824 Brauereien bereits mehr als die Hälfte aller Brauereien in Deutschland. Laut DBB wächst auch die Zahl der Heim- und Hobbybrauer sowie speziell ausgebildeter Biersommeliers.

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Dennoch war der Bierkonsum pro Kopf in den vergangenen Jahren rückläufig. 2017 trank jeder Deutsche rein rechnerisch 101 Liter Bier - 2016 waren es noch 104 Liter gewesen, 1997 mehr als 131 Liter. Einen Strich durch die Rechnung machte den Brauern 2017 dabei auch der verregnete Sommer, durch den viele Biergartenbesuche ins Wasser fielen. In diesem Jahr hofft der DBB nun auf Impulse für die Branche durch die Fußballweltmeisterschaft.

Die beliebteste Biersorte der Deutschen bleibt nach wie vor das Pils mit einem Marktanteil von über 50 Prozent vor Weizen und Export mit jeweils rund sieben Prozent. Dahinter folgt das vor allem im Süden Deutschlands verbreitete Helle, dessen Absatz zuletzt deutlich zulegte. Gleichzeitig nimmt die Vielzahl an Bieren deutlich zu: Zum einen werden alkoholfreie Biere immer beliebter. Zugleich sind Craftbiere, bei denen beispielsweise neue Hopfensorten zum Einsatz kommen, auf dem Vormarsch.

Verbraucherschützer kritisieren Pestizidrückstände

Im Trend liegen auch regionale Spezialitäten wie Landbiere, Kellerbiere oder Zwickl. Zum Teil beruhen diese Biere dabei laut DBB auf alten oder neu interpretierten Rezepturen - wie etwa das Sauerbier Berliner Weisse, das bereits von Napoleons Truppen als "Champagner des Nordens" bewundert worden sei.

Doch dass beim Bier nicht alles Gold ist, was glänzt, monierte schon zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebots im Jahr 2016 die Verbraucherorganisation Foodwatch. Biertrinkern würden Pestizidrückstände bei Hopfen und Malz untergejubelt, und von den verschiedenen technischen Hilfsstoffen während des Produktionsprozesses erführen sie nichts, kritisierten die Verbraucherschützer.

Zudem sei die Kennzeichnung 'alkoholfrei' irreführend: Viele Bundesbürger gingen davon aus, dass diese Biere keinerlei Alkohol enthielten, obwohl bis zu einem halben Volumenprozent üblich und auch zulässig seien. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät, täglich nicht mehr als ein Standardglas Alkohol zu trinken und an zwei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol zu verzichten.

Quelle: ntv.de, Jan Müller, AFP

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