Wirtschaft
Mit Vergabe der 5G-Lizenzen sollen auch einige Funklöcher gestopft werden.
Mit Vergabe der 5G-Lizenzen sollen auch einige Funklöcher gestopft werden.(Foto: imago/Westend61)
Dienstag, 06. November 2018

Datenschnellstraßen auf dem Land: Bund bringt 5G-Handynetz auf den Weg

Ende November werden die Rechte für die neue Funkfrequenz 5G vergeben. Die Bundesnetzagentur stellt Bedingungen an die Bewerber. Nicht nur in Ballungsräumen sollen Menschen vom Highspeed-Datennetz profitieren, sondern auch auf dem Land.

Eigentlich geht es nur um ein paar Funkfrequenzen, doch über deren Vergabe ist ein riesiger Streit zwischen Politik und Unternehmen entbrannt. Denn wer die Funkfrequenzen kontrolliert, kontrolliert auch den Zugang zur digitalen Gesellschaft der Zukunft. Ende November stellt die Bundesnetzagentur wichtige Weichen für die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G. Der Bund will Netzbetreiber bei Lizenzen für das ultraschnelle Mobilfunk-Internet stärker in die Pflicht nehmen als bisher geplant. Nicht nur an Bundesstraßen, sondern auch an Landstraßen sollen die Betreiber künftig das schnelle Internet ermöglichen.

Was ist 5G?

Der neue Mobilfunkstandard soll deutlich schneller sein als die vorhergehenden, sowohl was Datenübertragungsrate als auch Verzögerung angeht. Zudem soll die Technologie weniger Strom verbrauchen und mehr Geräte gleichzeitig bedienen können. 5G-Nutzer sollen Daten garantiert mit einer Geschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde (MBit/s) herunterladen können. Später sollen Gigabit-Verbindungen zum Standard werden.

5G verspricht beispielsweise hochauflösende Videoübertragung in Echtzeit. 5G bringt aber auch die Voraussetzungen für ein Internet der Dinge, in dem beispielsweise selbstfahrende Autos direkt miteinander kommunizieren können.

Wie will die Netzagentur 5G fördern?

Die Netzagentur will jeden Lizenznehmer verpflichten, bis Ende 2022 je 500 5G-Basisstationen in Betrieb zu nehmen. Zusätzlich soll jeder Netzbetreiber 500 Basisstationen mit 100 Mbit/s in noch zu definierenden "weißen Flecken" betreiben. "Nicht nur die Metropolen sollen von der Digitalisierung profitieren, sondern gerade auch die ländlichen Regionen", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer. Nur so erreiche man gleichwertige Lebensverhältnisse.

Zudem will die Bundesnetzagentur Frequenzen der Bereiche 3700 bis 3800 Megahertz und 26 Gigahertz nicht versteigern, sondern auf Antrag flexibel regional zuteilen. Dafür interessieren sich vor allem Industriebetriebe oder auch Festivalveranstalter, die auf kleinen Flächen viele Geräte mit Internetzugang bedienen müssen.

Wird sich der Markt der Netzanbieter umkrempeln?

Verbraucherschützer kritisieren, dass es auf dem deutschen Markt zu wenig Konkurrenz gibt. An den Versteigerungen können nach Einschätzung von Experten aber nur die drei großen Mobilfunkanbieter Telekom, Vodafone und Telefónica (mit den Marken O2 und E-Plus) teilnehmen, weil sie auf ihren bestehenden Netzen aufbauen können. Somit wird sich an der allgemeinen Lage wohl wenig ändern.

Die Bundesnetzagentur kann die Großen rechtlich auch nicht verpflichten, ihre Netze zu einem festgeschriebenen Preis mit Konkurrenten zu teilen, was zu mehr Wettbewerb führen könnte. Es sei aber "wünschenswert", wenn verschiedene Betreiber beim Netzausbau in ländlichen Gebieten kooperieren, erklärt die Behörde.

Wann wird 5G eingeführt?

Bis die meisten Handybesitzer 5G nutzen können, wird es noch Jahre dauern. Erst einmal will die Bundesnetzagentur im kommenden Frühjahr Frequenzen in den Bereichen 2 Gigahertz und 3,4 bis 3,7 Gigahertz für den neuen Standard versteigern. Dabei geht es aber nicht gleich um einen flächendeckenden Ausbau - dafür haben die angebotenen Frequenzen eine zu kurze Reichweite, und auch der benötigte Glasfaseranschluss steht nicht überall zur Verfügung.

Laut dem Entwurf für die Vergabebedingungen der Bundesnetzagentur sollen alle Käufer verpflichtet werden, bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte sowie Autobahnen und Bundesstraßen mit 100 MBit/s Downloadgeschwindigkeit zu versorgen. Für fahrgaststarke Bahnstrecken sollen sie 50 MBit/s bereitstellen. Diese Geschwindigkeiten wären technisch aber auch schon mit dem älteren Standard 4G möglich.

Quelle: n-tv.de