Puffer für mehrere TageBund plant Gasreserve - Finanzierung über neue Verbraucherabgabe

Um Ausfälle und Katastrophen zu überbrücken, will die Koalition eine staatliche Gasreserve einrichten. Diese soll zehn Prozent der Speicherkapazitäten umfassen. Die Kosten von bis zu 1,5 Milliarden Euro sollen die Kunden stemmen.
Die Bundesregierung plant eine nationale Gasreserve zur staatlichen Krisenvorsorge. Damit wolle man die Gasversorgung in außergewöhnlichen Krisensituationen absichern, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Als Beispiel nannte sie plötzliche Importausfälle, etwa durch Angriffe auf Pipelines. In einem solchen Fall schaffe eine Gasreserve wertvolle Zeit, um alternative Importe zu organisieren oder technische Störungen zu beheben. Die erste Befüllung ist für den Sommer 2027 geplant.
Die Gasreserve soll den Angaben zufolge einen Umfang von 24 Milliarden Kilowattstunden haben, die aber in einem Zeitraum von mehreren Jahren beschafft werden. Das geplante Gasvolumen entspricht etwa zehn Prozent der deutschen Speicherkapazität. Zur Finanzierung ist eine Umlage für Verbraucher vorgesehen, die mit 29 bis 36 Cent je Megawattstunde allerdings deutlich geringer ausfallen soll als die mittlerweile abgeschaffte Gasspeicherumlage. Nach Reuters-Informationen von einem Insider werden die Kosten für Aufbau und Gaseinkauf auf bis zu 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kämen laufende Kosten von 150 Millionen bis 180 Millionen Euro jährlich.
Die Ministeriumssprecherin betonte, dass dieses Vorhaben unabhängig von der regulären Wintervorsorge sei. Diese bleibe im Gegensatz zur staatlichen Gasreserve weiterhin eine Aufgabe der Marktakteure. Dem Insider zufolge soll die Reserve etwa einen 30-tägigen Ausfall der größten Importinfrastruktur, des Anlandepunktes Dornum für norwegisches Gas, absichern können. Alternativ ließen sich damit rund 40 Tage Ausfall von LNG-Importen oder die Versorgung von Haushalten und Gewerbe für zehn Tage in einem Extremwinter überbrücken.
Die SPD begrüßte den Plan, kritisierte aber die Finanzierungspläne. "Bei der genauen Ausgestaltung müssen wir aber dringend darauf achten, die Mehrbelastungen für Verbraucher und Wirtschaft zu minimieren", sagte SPD-Fraktionsvize Armand Zorn. "Eine Gasumlage wieder einzuführen, wenn wir erst kürzlich die Gasumlage aus der Krise 2022 wieder abgeschafft haben, wäre schwer zu vermitteln."
Nach früheren Angaben eines Insiders strebt die Regierung einen Kabinettsbeschluss Mitte August an. Der Bundestag könnte sich Ende September erstmals mit dem Vorhaben befassen, das zum 1. Januar 2027 in Kraft treten könnte.