Wirtschaft

"In hohem Maße besorgniserregend" Bundesbank warnt Athen

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Verträge müssen eingehalten werden: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht keine Alternative zum Sparen in Griechenland.

(Foto: AP)

Die Bundesbank setzt Griechenland die Pistole auf die Brust: Ohne Sparkurs kein weiteres Geld. Weil die Hoffnung in Europa jedoch schwindet, dass die künftige Regierung in Athen sich davon beeindrucken lässt, bereiten sich Regierungen, Zentralbanken und Unternehmen zunehmend auf einen Euro-Austritt Griechenlands vor. Nach Einschätzung der Bundesbanker wäre der für Deutschland verkraftbar.

Deutlicher kann die Deutsche Bundesbank Griechenland nicht vor einer Abkehr vom vereinbarten Sparkurs warnen: "Die aktuelle Entwicklung in Griechenland ist in hohem Maße besorgniserregend", schreibt die Notenbank in ihrem jüngsten Monatsbericht. Vor den Neuwahlen in Hellas drohe die Gefahr, dass die vereinbarten Reform- und Konsolidierungsmaßnahmen nicht umgesetzt werden - doch die sind eine Voraussetzung für umfangreiche Hilfen: "Hiermit wird die Fortführung der Hilfen aufs Spiel gesetzt. Griechenland hätte die damit verbundenen Folgen zu tragen."

Sollte die Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank die Hilfen stoppen, erwartet die Bundesbank zwar auch erhebliche Auswirkungen für den Euro-Raum und Deutschland. Die Folgen wären "bei vorsichtigem Krisenmanagement" aber beherrschbar, betonen die Währungshüter. Ein viel größeres Risiko sehen die Bundesbanker vielmehr für den anderen Fall: Sollte trotz Sparblockade weiter Geld nach Griechenland fließen, sehen sie einen schleichenden Vertrauensverlust in die Bindung von Verträgen und Absprachen in der Eurozone.

Asmussen sitzt am Drücker

Um auf eine mögliche Eskalation in Griechenland vorbereitet zu sein, hat die EZB nach Informationen der "Zeit" zufolge eigens für dieses Thema einen Krisenstab eingerichtet. Geleitet werde sie vom deutschen Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Auch bei der Deutschen Bundesbank befasse sich eine entsprechende Arbeitsgruppe mit dem Thema. Die beiden Notenbanken wollten den Bericht nicht kommentieren. Zuletzt hatte die EZB aber klargestellt, dass die EZB weiter nach "Plan A" arbeite, wonach die Griechen in der Eurozone bleiben.

Euro / US-Dollar
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An den Finanzmärkten fallen solche Aussagen nicht mehr auf fruchtbaren Boden. Die Angst der Investoren vor unkontrollierbaren Folgen eines Griechenland-Austritts drückte den Euro auf den tiefsten Stand seit Sommer 2010. Dafür flüchteten die Anleger in deutsche Staatsanleihen, die als ausfallsicher gelten. "Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist in aller Munde", begründete ein Händler das Verhalten der Anleger.

Dafür sorgte auch der frühere Ministerpräsident Lucas Papademos, der bis Anfang Mai die Athener Regierung führte. Papademos hält einen Austritt seines Landes aus der Eurozone für möglich. Griechenland habe keine andere Wahl als entweder an den schmerzhaften Sparprogramm festzuhalten oder sich für einen schädlichen Austritt aus der Eurozone zu entscheiden - ein Risiko, das zwar unwahrscheinlich sei, aber dennoch real, sagte Papademos.

Nationale Notfallpläne

Eine Arbeitsgruppe der Eurostaaten forderte unterdessen die Regierungen der Mitgliedsstaaten auf, eigene nationale Notfallpläne auszuarbeiten. Dies sei Anfang der Woche während einer Telefonkonferenz der Arbeitsgruppe verabredet worden, sagten drei Vertreter der Währungsunion. "Bislang wurde noch nichts vorbereitet auf Ebene der Eurozone, aus Angst, dass dies durchsickern könnte", sagte ein Vertreter.

Offener zeigt sich da der Handelskonzern Metro: Das Unternehmen spielt ein Scheitern der Gemeinschaftswährung bereits durch. Metro habe Szenarien entwickelt, die einen Euro-Ausfall oder auch das Ausscheiden einzelner Länder abbildeten, sagte Finanzchef Mark Frese bei der Hauptversammlung des Konzerns. Details nannte er aber nicht.

Deutsche wollen harte Kanzlerin

Bei ihrer Forderung an Athen, den Sparkurs konsequent fortzusetzen, bekommt die Bundesbank Rückendeckung von den Menschen in Deutschland. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag von "Zeit Online" sprach sich eine große Mehrheit dafür aus, dass Griechenland die Sparvorgaben der Troika in jedem Fall einhalten muss. 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in diesem Punkt hart bleiben soll. Gleichzeitig sprach sich eine knappe Mehrheit für den Austritt Griechenlands aus der Eurozone aus.

Nach den jüngsten Wahlen waren in Athen alle Versuche zur Bildung einer Regierung gescheitert. Nun steht Griechenland vor einer weiteren Wahl am 17. Juni. Dann könnten Gegner des Sparprogramms noch mehr Stimmen erhalten als zuletzt.

Die verfahrene Lage in Athen ist auch ein Thema auf dem EU-Sondergipfel in Brüssel, wo Kanzlerin Merkel ihre Ablehnung einer gemeinschaftlichen Verschuldung in der Eurozone verteidigen will.

Quelle: n-tv.de, nne/dpa/rts

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