Wirtschaft

Aborigine-Stätte gesprengt Chef muss Rio Tinto verlassen

imago0093685178h.jpg

Die Stätte befand sich in der Bergbauregion Hamersley Range in Australiens Nordwesten.

(Foto: imago images/Ardea)

Die Entrüstung ist groß, als der Bergbaukonzern Rio Tinto eine 46.000 Jahre alte heilige Stätte der Aborigenes dem Erdboden gleich macht. Das profitgetriebene Unterfangen zieht nun Konsequenzen nach sich. Drei Top-Manager verlassen das Unternehmen, darunter ist auch der Vorstandsvorsitzende.

Der Vorstandsvorsitzende des Bergbaukonzerns Rio Tinto, Jean-Sébastien Jacques, tritt wegen der Zerstörung eines heiligen Gräberfelds der australischen Ureinwohner zurück. Auch zwei andere hochrangige Manager des britisch-australischen Unternehmens würden als Konsequenz aus einer internen Untersuchung abtreten, teilte das Unternehmen mit. Die Vernichtung der 46.000 Jahre alten Stätte der Aborigenes hatte einen Sturm der öffentlichen Entrüstung ausgelöst.

Rio Tinto
Rio Tinto 55,20

Die Gräber in der Juukan-Schlucht waren im Mai von dem Konzern gesprengt worden, um den Eisenerzabbau in der Region zu erweitern. Die Stätte gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten des Kontinents. Wegen ihrer Vernichtung waren den zurücktretenden Managern bereits zuvor ihre Boni gekürzt worden. Jacques muss auf umgerechnet drei Millionen Euro verzichten, der für die Abteilung Eisenerz zuständige Manager Chris Salisbury auf rund 670.000 Euro und die Kommunikationschefin Simone Nien auf 582.000 Euro.

Die Sprengung der Stätte sei "falsch" gewesen, erklärte nun Rio-Tinto-Verwaltungsratschef Simon Thompson. Der Konzern wolle verhindern, dass sich die Vernichtung einer Stätte von "derart außergewöhnlicher archäologischer und kultureller Bedeutung" durch seine Operationen jemals wiederhole. Jacques wird den Angaben zufolge noch im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist - oder spätestens bis März. Die beiden anderen Manager werden zum Jahresende den Konzern verlassen, wie Thompson ankündigte.

28.000 Jahre altes Werkzeug aus Knochen gefunden

2020-02-26T063908Z_17316592_RC268F9RZZTM_RTRMADP_3_RIO-TINTO-RESULTS.JPG

Jean-Sébastien Jacques bleibt so lange bis sein Nachfolger feststeht.

(Foto: REUTERS)

Eine interne Untersuchung hatte Ende August ergeben, dass Rio Tinto zwar die nötige Erlaubnis zur Sprengung eingeholt hatte - die Sprengung selbst aber nicht den "Standards und internen Leitlinien" des Konzerns entsprochen habe. Es gebe nicht "die eine Ursache oder den einen Fehler", stattdessen habe "eine Reihe von Entscheidungen, Handlungen und Unterlassungen über einen langen Zeitraum" zu der Sprengung geführt. Thompson erklärte daraufhin, es habe "in fast einem Jahrzehnt zahlreiche verpasste Gelegenheiten" gegeben; der Konzern habe "Gemeinschaften und ihr Erbe" nicht respektiert.

Rio Tinto hatte die Sprengung zunächst verteidigt und argumentiert, sie sei vom zuständigen Bundesstaat genehmigt worden. Aborigene-Vertreter hatten protestiert, sie seien nicht rechtzeitig informiert worden, um die Sprengung noch zu verhindern. Rio Tinto entschuldigte sich.

Bei einer Ausgrabung in Juukan Gorge waren das bislang älteste bekannte Werkzeug aus Knochen in Australien gefunden worden, ein 28.000 Jahre alter Känguru-Knochen, sowie ein aus Haar geflochtener Gürtel. Der Bundesstaat Western Australien überprüft derzeit seine Richtlinien für Bergbau-Vorhaben in der Nähe von Aborigine-Stätten.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP