Wirtschaft

Welt-Handelsindex Chinas Öffnung ist Chance für Welthandel

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picture alliance/dpa

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China bewegt Peking zu einer weiteren Öffnung seines Markt. Zusätzlich soll die heimische Wirtschaft angekurbelt werden. Das könnte sich positiv auf die Weltwirtschaft auswirken.

Im Handelskrieg mit den USA steht China mächtig unter Druck. Das veranlasste den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping jüngst, eine weitere Öffnung des chinesischen Marktes anzukündigen. Außerdem schickte er seinen wichtigsten Unterhändler in Sachen Wirtschaft und Finanzen in die USA, um dort endlich einen Fahrplan vorzubereiten, der Ende November anlässlich des G20 Treffen in Argentinien politisch umgesetzt werden soll.

"China ist sehr ernsthaft an einer Lösung des Handelskriegs mit den USA interessiert. Peking möchte die Einfuhren aus der ganzen Welt strukturell erhöhen, den heimischen Konsum steigern, Importhürden verringern sowie den Marktzugang und den Schutz der Urheberrechte verbessern", fasst Markus C. Zschaber, Chef der V.M.Z. Vermögensverwaltung in Köln die aktuelle Situation zusammen.

Gleichzeitig bemerkt Zschaber, dass vor allem Investitionen in Hochtechnologie noch weiter gefördert werden sollen und der Dienstleistungssektor dominant im Wachstumsmodell der chinesischen Nation positioniert werden soll. "Während Trump die USA zunehmend aus dem multilateralen globalen Handelssystem zurückzieht und bilaterale Vereinbarungen bevorzugt, stößt Xi Jinping in die Lücke vor", ist sich der Experte sicher.

Dr. Markus C. Zschaber

Dr. Markus C. Zschaber

Der chinesische Staat versucht derzeit mit einer Reihe von gesamtwirtschaftlichen Stimulationen das Wachstum positiv zu beeinflussen und die Folgen der US-Zölle auf die Nachfrage nach chinesischen Gütern, Waren und Dienstleistungen auszugleichen. "Das Maßnahmenpaket umfasst rund 300 Mrd. US-Dollar und wird eine ganze Reihe an positiven Akzenten, nicht zuletzt auch für einen Großteil der Weltwirtschaft, bedeuten", sagt Zschaber. Zudem werde sich China strukturell gegenüber der Weltwirtschaft für Investitionen und Kapitalströme weiter öffnen sowie die eigenen Importquoten an Vorleistungsgütern sowie Hochtechnologie und industrienahen Dienstleistungen signifikant erhöhen.

Mit Blick auf das globale Handelsgeflecht lässt sich somit festhalten, dass die globale Handelsdynamik in den vergangenen vier Wochen nochmals leicht abgenommen hat. Allerdings zeigen erste Frühindikatoren wie das Umschlagsvolumen an einzelnen Häfen, Bahnhöfen und Flughäfen sowie an die variablen Lohndynamiken bei LKW-Fahrern in allen relevanten Regionen, dass durchaus mit einem stärkeren Endjahreshandelsvolumen seitens der Industrie zu rechnen ist. Es zeichnet sich zusätzlich eine Stabilisation in der Luftfracht ab. Gleichzeitig kann eine leichte Zunahme bei der Seefracht festgestellt werden, während die Frachtvolumen auf Straße und Schiene nach wie vor sehr robust mit positiver Dynamik ausfallen.

"Mit Blick auf die Details des gesamten globalen Transportvolumens kann aktuell zwar noch nicht von einer rekordverdächtigen Zunahme der Handelsdynamik ausgegangen werden. Allerdings spricht viel für moderat positive Zuwächse in den kommenden drei Monaten, welches wiederum eine positive Induktion für das Wachstum der Weltwirtschaft bedeuten würde", ist sich Zschaber sicher. Vor allem in Deutschland, Frankreich, Schweden, Schweiz, USA, Japan, Südkorea, Indien und Mexiko konnten Zuwächse über alle Transportwege quantifiziert werden.

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Regional schwächere Entwicklungen hinsichtlich der allgemeinen Handelsdynamik konnten im Rahmen des "Welt-Handelsindex" in Italien, Spanien, China, Indonesien, Taiwan, Brasilien und Russland gemessen werden. Ob der Welthandel in den kommenden Wochen auf oder oberhalb seiner Potenzialwachstumskurve tendieren wird, ist entscheidend vom Ausgang des Handelskriegs zwischen den USA und China abhängig. Die Aussagen aus beiden Lagern haben jüngst für mehr Zuversicht gesorgt.

Zusammengefasst:

"Handelsstreit und Zölle haben etwas Sand in das Getriebe der Weltwirtschaft gestreut. Dennoch erwarten wir keine disruptiven Störungen, welche die weltweite Wachstumsprognose entscheidend verändern würden", prognostiziert der Vermögensverwalter. Eine moderate Beschleunigung der Wirtschaftsaktivität in China würde sich als sehr förderlich für die aufstrebenden Märkte erweisen, insbesondere, falls die Rhetorik im Handelsstreit im Jahresverlauf wieder weichere Töne annehmen sollte.

Wachstum und Inflation dürften in den weltweit größten Volkswirtschaften auf dem gegenwärtigen Niveau verharren und damit das positive Geschäftsumfeld für Unternehmen intakt halten. Dadurch ist ein Umfeld für positive Skaleneffekte bei solide positionierten Unternehmen in vielen Sektoren gegeben. Die globale Produktionsgüternachfrage sollte damit den Industriekonjunkturzyklus, der bereits als weit fortgeschritten determiniert werden kann, bis auf weiteres stützen.

Gleichzeitig suggeriert der globale Kreditzyklus eine positive Expansion. "Die Kreditmenge wächst global und sorgt für eine Angebotsausweitung hinsichtlich der Liquiditätsnachfrage bei unternehmerischen Investitionen. Dies sollte den Industriekonjunkturzyklus ebenfalls stabilisieren. Das Risiko einer bedeutenden Ausweitung der Kreditspreads und damit einem abrupten Nachfrageschock halten wir für unwahrscheinlich, wenn Umsätze und Erträge weiterhin mit beachtlichem Tempo wachsen", konstatiert Zschaber.

Der makroökonomische Saldo der globalen Handelsdaten, welche im "Welt-Handelsindex" gewichtet und verdichtet werden, beträgt dementsprechend aktuell 77,5 Prozent. Das bedeutet, dass sich der Welthandel zwar in einem positiven wirtschaftlichen Umfeld befindet, allerdings keine größeren Wachstumseffekte aus dem Welthandel für die Weltwirtschaft ganz aktuell hervorgehen.

Was bedeutet das für den Anleger:

Unser Basisszenario, abgeleitet aus den Daten zum "Welt-Handelsindex", geht von einer kurzfristigen Verbesserung der wichtigsten Handelsdaten aus, was einer höheren Dynamik in den realen Transportvolumina entsprechen sollte. Hintergrund sind zum einen gewisse Lager- und Investitionszyklen im globalen Kontext, welche durch die politischen Risiken und Unsicherheiten in den letzten Monaten verzerrt wurden und jetzt punktuell die Güternachfrage innerhalb des Industriekonjunkturzyklus erhöhen.

"Auf der anderen Seite sollten eine gewisse Entspannung des Handelskrieg zwischen China und den USA auch die größeren makroökonomischen Unsicherheiten reduzieren. Zuversicht ist hier angebracht, auch wenn Vorsicht absolut gerechtfertigt ist", führt der Experte aus. Im Hinblick auf den Portfolioaufbau hält er es für sinnvoll, den Fokus nach wie vor auf defensivere und substanzstarke Renditequellen zu legen, mit weniger zyklischer Abhängigkeit.

"Außerdem macht eine verstärkte Haltung von hochliquiden Instrumenten innerhalb des Portfolios weiterhin Sinn, um flexibel genug zu bleiben und auf positive sowie negative Erschütterungen reagieren zu können. Bis auf Weiteres legen wir Wert auf eine erhöhte Diversifikation über alle Anlageklassen hinweg und innerhalb der einzelnen Anlageklassen", fasst der Vermögensverwalter zusammen.

Da der "Welt-Handelsindex" eine Zusammenfassung des dynamischen Gesamtbilds des Welthandels bietet und detailorientierte Analysen auch hinsichtlich der Konjunkturlage ermöglicht, können schnelle und aktive Reaktionen auch im Welthandelsportfolio erfolgen. Das Musterdepot zum "Welt-Handelsindex" wird innerhalb dieser Berichterstattung vierteljährlich erwähnt, es beinhaltet diverse Anlageklassen, übergewichtet Aktieninvestments oder ETFs auf Märkte und Branchen, die insbesondere an den Welthandelsaktivitäten partizipieren. Informationen hierzu finden Sie auch unter www.kapitalmarktstudie.de

Funktionsweise Welt-Handelsindex:

Der Welt-Handelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl, erfasst damit unter anderem auch die Auswirkungen der Globalisierung und überwindet funktionale und regionale Beschränkungen, der zum Beispiel nur regional ausgerichteten Indikatoren. Weißt der Welt - Handelsindex einen Stand zwischen 85 und 100 Punkten aus, befindet sich der Welthandel im Expansionsmodus. Je höher oder tiefer die Punktezahl ist, umso besser respektive schlechter steht es um den Welthandel. Weißt der Welthandelsindex dagegen einen Stand zwischen 55 und 85 Punkten aus, befindet sich der Welthandel in seinem Trendwachstumskanal. Indexstände zwischen 55 und 0 Punkten bedeuten, dass der Welthandel sich in Kontraktion befindet und schrumpft.

Quelle: Die Vermögensverwaltungsges. Dr. Markus C. Zschaber mbH stellt den Index monatlich exklusiv dem "manager-magazin-online" und dem "Nachrichtensender n-tv" zur Verfügung. Informationen zum Index unter www.zschaber.de oder www.kapitalmarktanalyse.com

Quelle: n-tv.de