Wirtschaft

Wall Street wettet auf NvidiaChipaktien legen Kursrally aufs Parkett

20.05.2026, 22:38 Uhr
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Die Inflation ist vergessen, KI-Fantasien beherrschen die New Yorker Börse. (Foto: AP)

Die schlechte Stimmung zum Wochenstart lassen die US-Anleger souverän hinter sich. Dass die Fed über Zinserhöhungen debattiert, bewegt die Wall Street wenig. Stattdessen ruhen alle Hoffnungen auf dem KI-Gradmesser Nvidia. Der Chipriese öffnet nach Börsenschluss seine Bücher.

Die US-Börsen haben sich zur Wochenmitte von den Verlusten der Vortage eindrucksvoll erholt. Der Markt setze offenbar auf gut ausfallende Nvidia-Geschäftszahlen nach Börsenschluss, hieß es zu den kräftigen Gewinnen im Technologiesektor, insbesondere bei Chipaktien. Dazu sorgten deutlicher fallende Ölpreise für Kaufbereitschaft. Die entscheidende Frage mit Blick auf die Nvidia-Ergebnisse ist, ob der KI-Hype an den Börsen und die massiven KI-Investitionen vieler Unternehmen - überwiegend zulasten der Beschäftigung - berechtigt sind. Nvidia gilt dafür als wichtigster Gradmesser. Laut einer Umfrage von FactSet prognostiziert die Wall Street einen Umsatzanstieg von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 79 Milliarden Dollar.

"Die Nvidia-Zahlen werden die Richtung für einen Aktienmarkt vorgeben, der nach einer unglaublichen Rally seit den Tiefs im März einen neuen Impuls braucht", sagte Marktstratege Paul Stanley von Granite Bay Wealth Management. Die Nvidia-Aktie legte um 1,3 Prozent zu und schloss nur knapp unter ihrem jüngsten Rekordhoch. Der Stimmung zuträglich dürfte auch gewesen sein, dass EU-Unterhändler eine vorläufige Vereinbarung getroffen haben, um einige Einfuhrzölle vor einer von Trump gesetzten Frist abzuschaffen. Trump hatte andernfalls mit höheren Zöllen auf Autoimporte in die USA gedroht.

Der Dow-Jones-Index stieg um 1,3 Prozent, der breite S&P-500-Index um 1,1 Prozent. Die technologielastigen Nasdaq-Indizes verbesserten sich um bis zu 1,7 Prozent. Nach ersten Zählungen gab es an der Nyse 2115 (803) Kursgewinner und 669 (1962) Kursverlierer. Unverändert schlossen 42 (51 ) Titel.

Fed-Zinserhöhungsdebatte schreckt nicht ab

Das während des späten Handels veröffentlichte Protokoll der US-Notenbanksitzung im April bewegte nicht. Es offenbarte wenig überraschend und im Einklang mit dem Zinsterminmarkt, dass sich die Notenbanker inzwischen eher mit Zinserhöhungen beschäftigen als mit Zinssenkungen als Folge der inflationstreibenden Effekte der massiv gestiegenen Ölpreise.

Mit den Marktzinsen ging es angesichts der fallenden Ölpreise kräftig nach unten. Die Renditen waren zuletzt auf Mehrjahreshochs gestiegen in Reaktion auf höher als erwartet ausgefallene Inflationszahlen. Die Zehnjahresrendite sank um 9 Basispunkte auf 4,58 Prozent. Der Dollar fiel mit den sinkenden Zinsen zurück, für einen Euro waren zuletzt 1,1627 Dollar fällig. Gold verteuerte sich um 1,5 Prozent auf 4547 Dollar je Feinunze.

Der Brent-Ölpreis rutschte um über 5 Prozent ab auf 105 Dollar. Zum einen hatte US-Präsident Trump zum wiederholten Male ein baldiges Ende des Iran-Krieges angekündigt. Zum anderen sorgte für Zuversicht auf eine Öffnung der Straße von Hormus, dass zwei chinesische Öltanker die Meerenge passierten, wie aus Daten zu den Schiffsbewegungen hervorging.

Nvidia-Umfeld profitiert

Chipaktien waren mit der Spekulation auf starke Nvidia-Zahlen gesucht. Daneben stützte anfangs auch, dass beim südkoreanischen Chipriesen Samsung Electronics ein Streik drohte. Dieser scheint inzwischen aber abgewendet. Micron Technology verteuerten sich um 4,8 Prozent, AMD um 8,1 und Intel um 7,4 Prozent. Der Baumarktbetreiber Lowe's meldete für das erste Quartal einen bereinigten Gewinn über der Marktschätzung, der Umsatz verfehlte diese allerdings. Der Kurs stieg um 1,2 Prozent.

Target verloren 3,9 Prozent, obwohl der Einzelhändler das stärkste Quartalsumsatzwachstum seit Anfang 2022 verzeichnete und der Gewinn die Analystenerwartung übertraf. Target schlug für den Rest des Jahres jedoch einen vorsichtigen Ton an. Der Kurs des Wettbewerbers TJX schnellte dagegen um 5,7 Prozent nach oben. Dass der Billiganbieter trotz starker Quartalszahlen mit dem Ausblick unter den Erwartungen des Marktes blieb, belastete nicht. Der Markt honoriere das offenbar besonders widerstandsfähige Geschäftsmodell, mithin, dass TJX ohne aggressive Kostensenkungen auskomme, hieß es.

AMC Entertainment machten einen Satz um 11,8 Prozent mit der Nachricht, dass der AMC-Chef 250.000 Aktien des eigenen Unternehmens gekauft hat. Analog Devices büßten knapp 4,0 Prozent ein. Das Unternehmen hatte zwar einen besser als erwarteten Gewinn mitgeteilt, auf den Kurs drückte aber die gleichzeitige Bekanntgabe der Übernahme des Stromchip-Herstellers Empower Semiconductor für 1,5 Milliarden Dollar.

Cava Group legten um 3,1 Prozent zu. Die Restaurantkette hatte die Erwartungen der Analysten für den Gewinn und Umsatz im ersten Quartal übertroffen. Toll Brothers zogen um 9,8 Prozent an, nachdem der Luxushausbauer die Gewinnerwartungen im Auftaktquartal übertroffen hatte. Immunovant haussierten um 35 Prozent nach starken Ergebnissen eines Medikamentenkandidaten.

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Quelle: ntv.de, mau/DJ

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