Wirtschaft

Mehr als 500 Punkte im Minus Coronavirus-Panik lässt Dax einbrechen

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Nach Allzeithochs vergangene Woche geht es für den Dax wieder nach unten.

(Foto: imago images / Rainer Unkel)

Die Angst vor dem Coronavirus setzt dem Dax stark zu. Der Frankfurter Leitindex verliert fast vier Prozent. Damit droht er wieder unter die 13.000-Punkte-Marke zu fallen. Auch in Italien geht es rasant nach unten mit den Kursen - dort werden immer neue Infizierte gezählt.

Die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie hat am deutschen Aktienmarkt am Montag zu einem Ausverkauf geführt. Der Dax sackt zwischenzeitlich über 4 Prozent auf unter 13.000 Punkte nach unten - ein Minus von mehr als 500 Punkten. Zuletzt erholte sich der deutsche Leitindex wieder etwas. Der Dax fiel damit deutlich unter die 50-Tage-Linie, die den mittelfristigen Trend beschreibt.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Börsenwerte knickte um ebenfalls rund 4 Prozent auf 27.814 Punkte ein. Der Euro-Stoxx-50 als Leitbarometer der Eurozone büßte 3,7 Prozent ein. Auch diese beiden Indizes erholten sich zuletzt wieder leicht.

Auch die Börse in Mailand litt unter Kurseinbrüchen. Der FTSE-MIB fiel zuletzt um 4,7 Prozent auf 23.712 Punkte. In Italien stieg die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten weiter an. Das Land hatte am Wochenende aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus die Isolation von etwa einem Dutzend Städte angekündigt. In den als Epidemie-Zentren geltenden Gebieten werde den Bewohnern weder die Einreise noch die Ausreise gestattet, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte.

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Die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist insgesamt spürbar gestiegen. Auch der Goldpreis zog an und die Ölpreise gerieten unter Druck. Der als "sicherer Hafen" geltende Schweizer Franken ist ebenfalls gefragt und steigt zur Hauptexportwährung Euro auf den höchsten Stand seit mehr als viereinhalb Jahren. Die Gemeinschaftswährung kostete mit 1,0604 Franken so wenig wie zuletzt im Juli 2015.

In Asien ging es zum Wochenstart insbesondere an Südkoreas Börsen deutlich nach unten, wenngleich sich die Kursverluste in Festlandchina in Grenzen hielten. In China stieg die Zahl der Toten durch das Virus sprunghaft an und auch Südkorea ist zunehmend betroffen.

"Investoren ziehen die Notbremse"

"Die Hoffnung und Euphorie für die konjunkturelle Entwicklung in Europa scheinen die Kurse doch zu weit nach oben getrieben zu haben. Die Investoren ziehen vorerst die Notbremse und trennen sich wieder von Aktienbeständen in deutschen Standardwerten", kommentierte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank. Jetzt müsse sich zeigen, ob die konjunkturelle Situation tatsächlich so robust ist, wie viele Investoren angenommen haben - ansonsten werde es für den Dax in den kommenden Handelstagen noch sehr ungemütlich.

Hierzulande gerieten vor allem Aktien konjunktursensibler Sektoren unter Druck. So brachen die Papiere der Fluggesellschaft Lufthansa am Dax-Ende um mehr als 7 Prozent ein. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank und des Autozulieferers Continental büßten mehr als 5 beziehungsweise knapp 6 Prozent ein. Autowerte insgesamt sackten ab.

Auch die Aktien des Tickethändlers und Veranstalters CTS Eventim geraten wegen des Coronavirus stark unter Druck. Mit einem Rückgang um fast 9 Prozent fielen die Papiere des im MDax notierten Unternehmens auf rund 54 Euro und damit auf das tiefste Niveau seit Dezember. Sportveranstaltungen und auch der Karneval von Venedig wurden abgesagt. CTS ist bereits direkt betroffen, weil dem Unternehmen der italienische Konzert- und Show-Veranstalter Vivo Concerti gehört.

Starker Ifo-Index nur Blick nach hinten?

Allerdings sorgte der Ifo-Index für eine positive Überraschung: Die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar trotz der Coronavirus-Epidemie leicht aufgehellt. Das Barometer für das Ifo-Geschäftsklima stieg überraschend auf 96,1 Punkte von 96,0 Zählern im Januar, wie das Münchner Institut zu seiner Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte. Volkswirte hatten hingegen mit einem Rückgang auf 95,3 Punkte gerechnet.

Die NordLB geht jedoch davon aus, dass die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie in den Ifo-Daten noch nicht voll erfasst sind. Daher sei es viel zu früh zum Durchatmen. Das Thema Coronavirus sei nämlich dabei, nicht "nur" ein Problem für China und Asien zu werden, es "klopfe" bereits deutlich an der Tür zu Europa, schrieb Analyst Bernd Krampen mit Blick auf den Ausbruch der Krankheit in Italien. "Die Ifo-Umfrageergebnisse scheinen diese Skepsis kaum zu reflektieren, was sie - bereits jetzt schon - als etwas veraltet erscheinen lassen", fügte der Experte hinzu.

Quelle: ntv.de, kst/AFP/dpa/rts/DJ