Nutzfahrzeuge in der SchuldenkriseDaimler Trucks fährt auf Sicht

Die wirtschaftliche Lage in Europa trübt die Perspektiven am Markt für Nutzfahrzeuge immer weiter ein. Doch Daimler Trucks, Weltmarktmarktführer für schwere Laster, sieht die Entwicklung zunächst noch gelassen. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz stützt sich die Lkw-Sparte von Daimler auf wachstumsstarke Weltregionen.
Der deutsche Automobilkonzern Daimler rollt bei den weltweiten Lkw-Verkäufen auf eine schwierige Wegstrecke zu. "Die Märkte werden volatil bleiben", sagte Lkw-Vorstand Andreas
Renschler der "Financial Times Deutschland". In einigen Märkten im Westen und Süden Europas waren die Absatzzahlen einzelner Autobauer in den vergangenen Monaten weiter eingebrochen. Für die Sparte Daimler Trucks
gebe es derzeit dennoch keine Alarmsignale, sagte Renschler. "Mit unserem Auftragseingang in
Westeuropa sind wir zufrieden, aber es könnte natürlich besser sein."
Der Manager rechnet damit, dass der europäische Gesamtmarkt in
diesem Jahr um bis zu zehn Prozent rückläufig sein könnte. Anders als etwa die Konkurrenz
im Nutzfahrzeuge-Markt wie MAN oder Iveco ist Daimler aber nicht so abhängig vom europäischen Lkw-Markt - wichtiger
sind Asien und Nordamerika.
Mit schwankenden Märkten könne die Sparte umgehen, sagte Renschler.
Kurzarbeit sei kein Thema. "Niemand weiß, wie sich die konjunkturelle Lage
in Europa weiter entwickeln wird", sagte er mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise.
Auch aus diesem Grund sei es schwierig, die Marktentwicklung für 2013 vorherzusagen.
Die skeptischen Einschätzungen des Daimler-Vorstands erreichen die Fachöffentlichkeit kurz
vor einem wichtigen Branchenereignis: Ende des Monats trifft sich die Lkw-Welt
zu ihrer Leitmesse Nutzfahrzeug-IAA in Hannover. Die Leistungsschau wechselt sich
im Zweijahresrhythmus ab mit der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt
am Main.
Kommunen sparen am Fuhrpark
Daimler gilt als Weltmarktführer für Laster jenseits der sechs
Tonnen. Der Konzern hat leichte, mittelschwere und schwere Lkw für den Fernverkehr,
den regionalen Verteilerverkehr und die Arbeit rund um Baustellen im Programm. Zudem
baut Daimler Spezialfahrzeuge für den Einsatz im kommunalen Bereich - etwa der Abfallwirtschaft
- und bei der Feuerwehr.
In einem engen Produktionsverbund führt der deutsche Dax-Konzern die Lkw-Marken
Mercedes-Benz, Freightliner, Western Star, Fuso, BharatBenz sowie Motorenbereich-Teile
unter dem Namen Detroit. Wegen der engen Verzahnung zählen auch die Omnibusse der
Marken Thomas Built Buses und Fuso zum Produktangebot von Daimler Trucks.
Daimlers wichtigste Lkw-Absatzmärkte
waren 2011 Asien mit einem Anteil von 32 Prozent vor Nordamerika mit 27 Prozent und Europa (22 Prozent).
Bislang lief das Jahr für Lastwagen-Chef Renschler erfreulich: Von Januar bis Juli
verkaufte der Konzern 268.344 Lastwagen, 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Ein hoher Zuwachs aus den USA und Asien konnte die Schwäche in Europa sowie Lateinamerika
ausgleichen.