Wirtschaft

Weiße Berge, grüner Anstrich Davos gibt sich vegetarisch

e7d4934b714b57f77f314c9b1d77b09b.jpg

Das Weltwirtschaftsforum in Davos feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag.

(Foto: REUTERS)

Zum 50. Geburtstag mutiert der Davoser Gipfel zum Weltklimaforum. "Ach was", sagen Wirtschaftsführer hinter vorgehaltener Hand. Und dealen in Hinterzimmern, was das Zeug hält.

Greta Thunberg hat es geschafft. Beim 50. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) bestimmt die junge Schwedin die Agenda. Umweltschutz und Ressourcenschonung sind die wichtigsten Themen, die Davos in diesen Tagen dominieren. Sogar die offizielle Speisekarte des WEF wurde an den bevorstehenden Besuch Thunbergs angepasst. Der Mittwoch wird vegetarisch - auf dem Speiseplan im Kongresszentrum steht weder Fisch noch Fleisch.

So ähnlich ist auch die Stimmung. Weder Fisch noch Fleisch. Vielmehr prallen in Davos diesmal alte und neue Welt aufeinander. Viele Unternehmen bemühen sich um ein grünes Image, weil das in Zeiten von Fridays for Future en vogue ist. Plastikbecher weichen Porzellantassen. Im offiziellen VIP-Shuttle-Service finden sich 20 Elektroautos. Die übrigen 60 Luxuslimousinen fahren mit Sprit - damit die Entscheider, die sich zu ihren Terminen kutschieren lassen, nicht wegen leerer Akkus zu spät kommen. Zeit ist Geld.

Davos ringt mit sich. Die Umweltthemen sind den Organisatoren um WEF-Gründer Klaus Schwab wichtig. Sie sind relevant für die wirtschaftliche Entwicklung, die so lange so gut lief. Wie jedes Jahr hat das Forum vor dem Treffen Teilnehmer nach ihren Sorgen befragt. Umweltthemen landeten ganz vorne. Zudem bleiben aber bekannte Herausforderungen: die wirtschaftliche Ungleichheit auf der Welt, die Zukunft der Arbeit, technologische Revolutionen und geopolitische Konflikte. So versucht das diesjährige Motto des Davoser Gipfels den Brückenschlag: "Stakeholder für eine zusammenhaltende und nachhaltige Welt".

Trump fliegt zurück, Merkel kommt

Man darf gespannt sein, welches Thema letztlich die Diskussionen der rund 3000 Teilnehmer beherrscht. Alternativen gibt es viele: Der Trumpsche Egoismus, der Brexit, die Iran-Krise. US-Präsident Donald Trump jedenfalls wird ein Gegengewicht zu Thunbergs Klimadiskussion setzen. Er hat gute Chancen, dass er den Kampf und die größtmögliche öffentliche Aufmerksam gewinnt. Bis Mittwoch ist Trump gemeinsam mit seiner Tochter Invanka und Schwiegersohn Jared Kushner vor Ort, inklusive vier Ministern und einem Stab aus beinahe 2000 Mitarbeitern. Vielleicht kann da Bundeskanzlerin Angela Merkel im Nachhinein noch ausgleichend wirken. Sie kommt am Donnerstag nach Davos. Trump ist dann schon wieder auf dem Heimweg.

Bild_Reitz-1.jpg

Ulrich Reitz leitet die Wirtschaftsredaktion von ntv.

Viele der anwesenden Wirtschaftsführer aus aller Welt haben ihre eigene Agenda im Gepäck. Sie treffen sich in den Suiten der Luxushotels und den zu Firmenrepräsentanzen umgebauten Geschäften entlang der Promenade, der Davoser Einkaufsmeile, um Geschäfte zu machen. Im Halbstundentakt. 

Bleibt zu hoffen, dass Davos in diesem Jahr ein Brückenschlag zwischen alter und neuer Welt gelingt. Ein Brückenschlag, der erste Antworten liefert auf eine zentrale Frage: Welche Konzepte aus der Wirtschaft gibt es, die Lösungen für ein nachhaltig klimafreundliches Leben auf der Erde bieten?

Quelle: ntv.de