Wirtschaft
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Freitag, 05. Januar 2018

40 Stunden statt ein ganzes Jahr: Dax-Chefs haben schon Durchschnittsgehalt

Mit dem "Tag der fetten Katze" machen Kritiker auf die Einkommenskluft zwischen Managern und Arbeitnehmern aufmerksam. Deutsche Konzernchefs müssen gut drei Tage für ein mittleres Jahreseinkommen arbeiten. Britische Bosse sind schneller.

Am Vormittag am 5. Januar war es dieses Jahr so weit: Die Bosse der Dax-Konzerne haben nach nicht mal dreieinhalb Arbeitstagen bereits so viel verdient, wie ein Arbeitnehmer mit einem durchschnittlichen Gehalt im ganzen Jahr bekommen wird. "Fat Cat Day" - Tag der fetten Katze - nennt der britische Thinktank High Pay Center diesen Zeitpunkt, an dem die Konzernchefs rechnerisch ein Durchschnittseinkommen in der Tasche haben. In Großbritannien ist das sogar schon am 4. Januar der Fall, wie das High Pay Center und das Chartered Institute of Personnel and Development (CIPD), ein Zusammenschluss von Personalmanagern, berechnet haben.

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Für Deutschland hat die Zeitung "Die Welt" analog zum britischen Fat Cat Day folgende Rechnung aufgestellt: Die Chefs der im Dax und MDax notierten Konzerne verdienten 2016 - das letzte Jahr für das es vergleichbare Zahlen gibt - im Mittel 3,18 Millionen Euro. Das durchschnittliche Bruttoeinkommen eines deutschen Arbeitnehmers betrug 33.396 Euro. High Pay Center und CIPD gehen davon aus, dass ein Konzernchef etwa zwölf Stunden täglich und auch an den meisten Wochenenden arbeitet und so auf knapp 3850 Arbeitsstunden im Jahr mit einem Stundenlohn von knapp 830 Euro kommt. Das heißt, ein Vorstandschef in Deutschland benötigt gut 40 Stunden oder etwas mehr als drei - wenn auch lange - Arbeitstage, um ein Durchschnittseinkommen zu verdienen.

Je nachdem, welche Zahlen zugrunde gelegt werden, ergeben die Berechnungen für den "Fat Cat Day" etwas unterschiedliche Daten. In jedem Fall aber fällt der Tag schon in die erste Januarwoche. Für den Chef des High Pay Centres, Stefan Stern, zeigt das die "krasse und nicht zu rechtfertige Kluft" zwischen den Einkommen der Wirtschaftsbosse und ihrer Angestellten.

Nicht alle sind jedoch davon schockiert, wie früh im Jahr die Chefs den "Fat Cat Day" feiern können. Im Gegenteil, argumentierte etwa Sam Dumitriu vom liberalen britischen Adam Smith Institute: "Es wäre schockierend, wenn sie nicht extrem gut bezahlt wären", sagte er der BBC. Es sei falsch, hohe Bezahlung an der Spitze mit schlechter Bezahlung am unteren Ende gleichzusetzen. Vielmehr seien gute, hochbezahlte Unternehmenschef auch gut für die Arbeitnehmer.

Immerhin zeigt ein Vergleich mit den vergangenen Jahren, dass die Schere zwischen Vorstands- und Durchschnittsgehältern zuletzt nicht weiter auseinander gegangen ist. Der "Fat Cat Day" fällt dieses Jahr in Deutschland etwa auf denselben Zeitpunkt wie 2017. In Großbritannien mussten die Bosse sogar ein kleinwenig länger arbeiten: 32 statt 28 Stunden im Vorjahr.

Quelle: n-tv.de