Wirtschaft

Eurozone in Sorge Der Schuldenberg Italiens

Das hoch verschuldete Italien spürt an den Kapitalmärkten heftigen Gegenwind. Investoren befürchten wegen des Streits über den Sparkurs in Rom, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone in den Strudel der Euro-Schuldenkrise geraten könnte.

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(Foto: dpa)

Mit bangem Blick verfolgt Italien die steigende Nervosität an den Märkten, denn mit höheren Risikoaufschlägen für seine Anleihen steigen auch die Refinanzierungskosten. Hier ein kurzer Überblick über den Schuldenberg Italiens und wie das Land an frisches Geld kommt:

In "schlechter Gesellschaft"

Ende 2010 erreichte der Schuldenstand des Staates bereits 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und wird wohl dieses Jahr 120 Prozent übersteigen. Damit wäre die Quote doppelt so hoch wie im Maastrichter EU-Vertrag erlaubt.

Italiens Schuldenberg reicht aber noch nicht an die gigantische Quote des von EU und IWF vor der Pleite bewahrten EU-Partners Griechenland (2010: 142,8 Prozent) heran. Auch Irland (EU-Prognose für 2011: 112,0 Prozent) und Portugal (101,7 Prozent) werden voraussichtlich Ende dieses Jahres mehr Schulden angehäuft haben, als sie an Wirtschaftsleistung auf die Waage bringen.

Inländische Gläubiger stützen

83 Prozent der Schuldensumme Italiens von 1,843 Billionen Euro wurden 2010 nach Informationen des Wirtschafts- und Finanzministeriums über Staatstitel abgedeckt. Den Großteil davon halten Gläubiger im Inland. Damit konnte sich das Land bislang sozusagen am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf ziehen. Doch das Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP) verweist darauf, dass das Land schon seit zwei Jahren mehr Kapital im Ausland leiht als es für Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten ausgibt. "Wenn sich in Italien nicht schnell etwas tut, gleitet das Land bereits 2011 in die unterste Risikokategorie ab, in der sich Griechenland, Portugal, Zypern und Malta befinden", warnte CEP-Vorstandschef Lüder Gerken im "Handelsblatt".

Anstehende Emissionen

Paolo Bonaiuti, der Berater des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, beziffert die Gesamtsumme an Emissionen "in den kommenden Monaten" auf 120 bis 130 Mrd. Euro. Von Juli bis September sollen allein mit der Ausgabe neuer Anleihen insgesamt 40 Mrd. Euro in die Staatskasse wandern. Zudem behält sich die Regierung vor, weitere Neuemissionen aufzulegen. Außerdem will der Staat durch die Aufstockung laufender Anleihen zusätzlich frisches Geld bei Investoren einsammeln.

Quelle: n-tv.de, rts