Dietrich VoigtländerDer neue Chef der WestLB
Mit Fusionen kennt sich der neue WestLB-Chef Dietrich Voigtländer aus. In seiner bisherigen Karriere hat er bereits 17 Fusionen von Gesellschaften im Finanzverbund der Volks- und Raiffeisenbanken mitgestaltet oder hautnah erlebt.
Mit Fusionen kennt sich der neue WestLB-Chef Dietrich Voigtländer aus. In seiner bisherigen Karriere hat er bereits 17 Fusionen von Gesellschaften im Finanzverbund der Volks- und Raiffeisenbanken mitgestaltet oder hautnah erlebt. Mit dem Zusammenschluss der genossenschaftlichen Zentralbanken GZ Bank und DG Bank zur DZ Bank im Jahr 2001 ist darunter auch eine große Bankenehe. Wilde Geschichten kann Voigtländer darüber erzählen, wie Bankenehen eingefädelt werden. Manchmal auch mit unauffälligen Leihwagen und Verhandlungen im ganz kleinen Kreis auf halber Autobahnstrecke.
An der Spitze der drittgrößten deutschen Landesbank hat der 50-jährige Manager eine besonders knifflige Aufgabe zu lösen: Die WestLB muss wegen Auflagen der EU-Wettbewerbshüter um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen. Erste große Bewährungsprobe auf diesem Weg ist die komplizierte Auslagerung von Aktivitäten im Umfang von rund 80 Mrd. Euro. Dazu laufen bereits intensive Gespräche mit dem Bankenrettungsfonds Soffin. Der von Ballast befreite, profitable Kern der WestLB soll dann möglichst mit einer anderen Landesbank in Deutschland zusammengelegt werden.
"Eltern, die das wollen"
"Wenn man heiraten will, dann braucht man einen heiratswilligen Partner oder Eltern, die das wollen", räumte Voigtländer in dieser Woche ein. Beides sei derzeit noch nicht gegeben. "Aber ich bin mir sicher: Das wird sich ändern." Voigtländer wird nicht müde, für eine Landesbankenfusion zu werben, aber viel Zeit bleibt ihm dafür nicht. Die WestLB-Eigentümer - das Land NRW sowie Sparkassen und Kommunen - dringen auf eine zügige Lösung. Im Rahmen eines Bieterverfahren könnten auch private Investoren Gelegenheit bekommen, die Mehrheit an der WestLB zu erwerben, die Zentralbank für die NRW-Sparkassen ist.
Verkleinern, Fusion oder Verkauf: Eine Aufgabe, die aus Sicht von manch anderem als die eines Abwicklers gesehen wird. Zweifellos muss Voigtländer eine Verkaufsliste abarbeiten und eine Reihe von Büros schließen. Er betont, dass es beim Umbau darum gehe, Kompetenzen der WestLB wie das Auslandsgeschäft zu erhalten.
Sortierer mit der kalten Hand
"Unter welchem Trikot wir spielen, ist egal." Wichtig sei der Erhalt von Arbeitsplätzen. Ähnlich hatte es sein Amtsvorgänger Heinz Hilgert formuliert. Beide kennen sich aus einer über zehnjährigen gemeinsame Vorstandstätigkeit hauptsächlich bei der genossenschaftlichen DZ und deren Vorläufern.
Bei der WestLB arbeiteten sie fast ein Jahr zusammen - Hilgert als Vorstandschef und Voigtländer als dessen Stellvertreter. Mitte Mai trennten sich ihre Wege. Hilgert trat zurück und warf den Sparkassen eine unzureichende Unterstützung beim Bankumbau vor. Voigtländer übernahm kommissarisch die Führung. Dem Diplom-Wirtschaftsingenieur liegen nach eigenem Bekunden komplexe Sachverhalte. Privat ist der gebürtige Hildesheimer seit mehr als einem Jahr im Rheinland zu Hause. Seine drei Kinder gehen in einem Düsseldorfer Vorort zur Schule und wundern sich zuweilen über die vielen WestLB-Schlagzeilen.