Wirtschaft

Jack Ma verlässt Alibaba-Spitze Der reichste Chinese geht in Deckung

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Multimilliardär und Mitglied der Kommunistischen Partei: Jack Ma.

(Foto: REUTERS)

Die Bewerbung bei einer Fastfood-Kette scheitert, das erste Internet-Projekt geht in die Binsen. Doch dann baut Jack Ma mit der Online-Handelsplattform Alibaba ein Milliarden-Imperium auf und wird zum reichsten Mann Chinas. Jetzt zieht er sich zurück.

Jack Ma, seines Zeichens reichster Mann der Volksrepublik China, zieht sich von der Spitze des von ihm gegründeten Online-Riesen Alibaba zurück. Überraschend kommt die Ankündigung zwar nicht, schließlich hatte Ma den Schritt bereits vor einem Jahr angekündigt. Dennoch ist es eine Zäsur: Ma hat mit Alibaba den E-Commerce nach China gebracht und einen Konzern mit einem Börsenwert von knapp 460 Milliarden Dollar aufgebaut. Dem Magazin "Forbes" zufolge ist Ma 38,6 Milliarden Dollar schwer und liegt damit im Ranking der reichsten Menschen auf Platz 19.

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Nun kündigte Ma an seinem 55. Geburtstag an, als Vorsitzender von Alibaba zurückzutreten. Sein Nachfolger wird Daniel Zhang, den er selbst ausgewählt hatte. Völlig wird Ma das Unternehmen allerdings nicht verlassen: Er bleibt lebenslang Mitglied der sogenannten Alibaba Partnership. Das ist eine 36-köpfige Gruppe, die eine Mehrheit der Verwaltungsatsmitglieder ernennt. Außerdem ist Ma mit einem Anteil von etwas mehr als sechs Prozent Großaktionär von Alibaba.

Dass Ma einmal das größte börsennotierte Unternehmen Chinas gründen würde, war vor zwei Jahrzehnten nicht einmal zu erahnen. Nicht nur, dass Ma mit einer Bewerbung als Verkäufer bei der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken scheiterte. Er brauchte auch mehrere Anläufe für die Uni-Aufnahmeprüfungen, bis es endlich mit dem Englisch-Studium in seiner Heimatstadt Hangzhou klappte. Erst 1995, als ihn ein Job als Übersetzer erstmals in die USA führte, lernte er das Internet kennen.

Ein halbes Jahr später war seine erste Webseite in China online. Das Verzeichnis, in dem sich chinesische Unternehmen suchen lassen konnten, wurde allerdings ein Flop. Erst seine zweite Idee zündete: Ausgestattet mit umgerechnet 60.000 Dollar von Freunden gründete Ma 1999 Alibaba - in seinem Wohnzimmer. Das Unternehmen ist eine Online-Handelsplattform, das die vergleichbaren Angebote vom Amazon und Ebay vereint. Es betreibt allerdings keine eigenen Warenlager wie Amazon. Derzeit hat Alibaba mehr als 650 Millionen aktive Nutzer.

Ikone oder Ikarus?

Ma will sich künftig der Philanthropie widmen. 2014 hatte der ehemalige Englischlehrer eine Stiftung gegründet, er nennt hier Bill und Melinda Gates als seine Vorbilder. Ma will sich vor allem für Bildungsprojekte einsetzen. Dabei geht es ihm darum, dass Menschen auch künftig gegen Maschinen bestehen können. Kinder sollten deshalb nicht nur pures Wissen anhäufen, sagte Ma im vergangenen Jahr auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Entscheidend sei, dass sie Fähigkeiten wie unabhängiges Denken und Teamwork erlernen.

Bei der Ankündigung seiner Entscheidung hatte Ma gesagt, sie erfolge nicht auf Druck der chinesischen Regierung. Präsident Xi Jinping hat den Einfluss der Kommunistischen Partei auf Unternehmen erhöht, zuletzt standen auch Internet-Konzerne im Visier des Staatschefs.

Deshalb wird von vielen Beobachtern vermutet, Ma wolle sich rechtzeitig zurückziehen, um einen Konflikt mit Xi zu vermeiden. Dazu passt, dass Ma im vergangenen November von der Regierung als einer der 100 Menschen ausgezeichnet wurde, die in den vergangenen vier Jahrzehnten "außergewöhnlich" zu Chinas wirtschaftlicher Entwicklung beigetragen haben. In dem entsprechenden Bericht der Staatszeitung "Peoples Daily" wurde zugleich bekannt gegeben, dass Ma Mitglied der Kommunistischen Partei sei.

Nach Einschätzung seines Biografen Duncan Clark hat sich der Multimilliardär der Sonne gefährlich genähert - das letzte Kapitel des Buches über den Alibaba-Gründer heißt deshalb "Ikone oder Ikarus". "Um nicht das Schicksal von Ikarus zu erleiden, darf man der Sonne nicht zu nahe kommen. Man muss allerdings auch vermeiden, in die Wellen abzustürzen", sagte Clark in einem Interview mit CNN. "Man muss weiterhin ehrgeizig bleiben. Mit [seinem Engagement für] Philanthropie, Bildung, Umweltschutz hat Ma viel Raum, zu fliegen", so Clark. Denn das sei im Sinne der chinesischen Regierung.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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