Wirtschaft

Brutale Fitnesskur Deutsche Bank legt die Axt an

Mit einem radikalen Kurswechsel soll Deutschlands größtes Geldhaus fit fürs nächste Jahrzehnt gemacht werden - und das ist gut so.

In wenigen Monaten, im März 2020, feiert die Deutsche Bank ihren 150. Geburtstag. Es wird dann an glanzvollere Zeiten erinnert als die heutigen. Über viele Jahre zählte die Deutsche Bank zu den weltweit führenden Geldinstituten. Sie wuchs und wuchs, verbuchte Milliardengewinne - vor allem im Kapitalmarktgeschäft, dem Investmentbanking. Doch auf eine lang anhaltende Party folgte im 21. Jahrhundert ein Kater nach dem anderen.

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An der Börse wird die früher nach Börsenwert teuerste Bank der Welt inzwischen nur noch mit rund 15 Milliarden Euro bewertet. Zur Einordnung: Goldman Sachs ist rund 68 Milliarden Euro schwer. Der Aktienkurs der Deutschen Bank dümpelt um die 7-Euro-Marke. Früher kostete eine Aktie mehr als 100 Euro. Im internationalen Vergleich ist die Gegenwart weniger als Mittelmaß.

Ein Grund: Über Jahrzehnte ließen die Vorgänger von Vorstandschef Christian Sewing den Investmentbankern freie Hand. Die Herrschaften in den Handelssälen verdienten mit Fusionen und Übernahmen Milliarden. Doch dann erodierten die Gewinne: Die Goldgräberstimmung der 1990er Jahre und die Fusionswellen ebbten nach zwei Finanzkrisen ab, auch parallel fallende Zinsen ließen solide Ertragsquellen austrocknen.

Die Kosten blieben. Seit dem Jahr 2010 überwies die Bank ihren früheren Heilsbringern mehr als 23 Milliarden Euro an Boni, um sie zu halten, falls die Geschäfte mal wieder brummen sollten. Doch daraus wurde nichts. Und es sieht nicht danach aus, dass sich das bald ändert.

Schlimmer noch: Immer neue Exzesse im Investmentbanking und damit verbundene Strafen und Vergleiche rund um den Globus kosteten die Bank viel Renommee und rund 20 Milliarden Euro. Das Geld fehlte, um in neue Geschäftsbereiche, vor allem digitale, zu investieren.

Lieber ein starker Zwerg als ein schwacher Riese

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Ulrich Reitz leitet die n-tv Wirtschaftsredaktion.

Bankchef Sewing beweist Mut und vollzieht endlich die Wende. Das Investmentbanking, das so lange ein von außen nicht nachvollziehbares Eigenleben führte, wird ausgedünnt und filetiert. Das Geschäft mit Firmenkunden wird in einer neuen Sparte gebündelt. Der bisherige Investmentbankingchef Garth Ritchie muss gehen, andere Top-Manager ebenso.

Für viele Deutsche-Bank-Mitarbeiter ist der Schrumpfkurs bitter. Rund ein Fünftel der mehr als 90.000 Jobs gehen verloren. Doch Größe allein ist eben kein Garant für höhere Gewinne - und damit mehr Arbeitsplatzsicherheit. Das zeigt das Beispiel der Commerzbank, die 2008 die Dresdner Bank übernommen hatte.

Für die Deutsche Bank, ihre Aktionäre und Unternehmenskunden ist die brutale Kehrtwende allerdings ein Segen. Das Geldhaus kann sich wieder stabilisieren und fit machen, beispielsweise in ihrer einstigen Kernkompetenz, deutsche Unternehmen bei ihrer internationalen Expansion zu unterstützen.

Das ist für die Bank überlebenswichtig - und eine große Chance. Denn Geldgeschäfte sind und bleiben Vertrauenssache. Heimische Firmen sind auf Experten angewiesen, denen sie ver- und zutrauen können, sie erfolgreich bei ihren weltweiten Geschäften zu begleiten. Ein solches Vertrauen haben in Zeiten von immer intensiver werdendem Protektionismus und Handelskriegen manche internationale Großbanken eingebüßt, unter denen chinesische und US-amerikanische Institute dominieren.

Deutschlands Geldinstitute sind international eher Zwerge. Die Deutsche Bank rangiert nur auf Platz 15 im Ranking um die größte Bilanzsumme. Doch für Kunden - Unternehmen wie Privatleute - ist das unwichtig. Deshalb gilt: Lieber ein starker Zwerg als ein schwacher Riese.

Es wird die Deutsche Bank noch viel Kraft kosten, sich dauerhaft auf dem internationalen Finanzmarkt zu behaupten. Aber eine Fitnesskur ist allemal lohnend, ob weiter als Einzelkämpfer oder als ein künftiger attraktiver Fusionspartner.

Quelle: n-tv.de