Wirtschaft

Reaktion auf Handelskrieg Deutsche Firmen heiß auf "Anti-Zoll-Pille"

Container sind auf dem Gelände des Logistikunternehmens Eurokombi im Hafen von Hamburg zu sehen. Foto: Christian Charisius/Archiv

Vor allem das Exportgeschäft deutscher Unternehmen leidet laut DIHK unter dem Handelskrieg.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Der Handelskrieg zwischen den USA und China zieht auch die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft, klagt der DIHK. Einheimische Firmen versuchen, sich den Strafzöllen zu entziehen - und greifen immer öfter zur "Anti-Zoll-Pille".

Angesichts des US-chinesischen Handelskrieges besorgen sich deutsche Firmen in Rekordhöhe sogenannte Ursprungszeugnisse für ihre Waren. Damit können Unternehmen belegen, dass die von ihnen von Deutschland in die USA gelieferten Waren "ihren Ursprung hierzulande oder in einem anderen Drittland haben - und nicht etwa in China", wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erläutert.

Die Zahl dieser "Geburtsurkunden" stieg 2018 auf 1,43 Millionen, wie die Zeitung "Die Welt" unter Berufung auf den DIHK-Außenwirtschaftsreport 2019 berichtet. Die in Rekordhöhe nachgefragten Ursprungszeugnisse sollen laut DIHK-Präsident Eric Schweitzer "wie eine Art Anti-Zoll-Pille wirken und vor potenziellen Strafzöllen schützen können". Ausgestellt werden die Zeugnisse unter anderem von den Industrie- und Handelskammern.

Der Trend des vergangenen Jahres hält nach DIHK-Angaben auch 2019 an. Die Papiere würden auch bei Lieferungen aus Deutschland nach China genutzt. "Hier kann ein IHK-Ursprungszeugnis den Nachweis liefern, dass die Waren nicht in den USA, sondern in Deutschland oder einem anderen Land hergestellt wurden."

Handelskrieg trifft deutsche Firmen hart

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China trifft die deutsche Wirtschaft nach Einschätzung des DIHK hart. Für Firmen entstehe ein "beispielloser finanzieller und bürokratischer Aufwand, der das globale Geschäft für deutsche Unternehmen immer schwieriger" mache, so Schweitzer.

Vor allem das Exportgeschäft deutscher Unternehmen leide unter dem Handelskrieg. "Im laufenden Jahr werden wir kaum noch über die Nulllinie beim Exportwachstum kommen, sodass wir gegenüber dem ohnehin schon schwachen Vorjahr für mehr als 30 Milliarden Euro weniger Exportwachstum haben", sagte Schweitzer.

Gleichzeitig bereitet der nahende EU-Austritt Großbritanniens deutschen Unternehmen immer stärkere Sorgen. Würde der Brexit ohne einen geordneten Übergang abgewickelt, "könnte über Nacht ein zollrechtliches Verhältnis zum Vereinigten Königreich entstehen wie zu Kambodscha oder der Mongolei", warnte Schweitzer.

In der Rangfolge der wichtigsten Handelspartner ist das Vereinigte Königreich den Angaben zufolge im ersten Halbjahr 2019 mit einem Volumen von 59 Milliarden Euro auf Platz sieben hinter Polen zurückgefallen. Während die deutschen Ausfuhren nach Großbritannien im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch um sechs Prozent stiegen, folgte im zweiten Quartal ein Einbruch um 15 Prozent.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/AFP

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