Wirtschaft

Aufträge gehen zurück Deutsche Industrie erhält Dämpfer

Negative Überraschung für Deutschlands Industrie: Im Juli verzeichnet sie deutlich weniger Aufträge als prognostiziert. Das Bundeswirtschaftsministerium ist aber nicht sonderlich beunruhigt.

Die deutsche Industrie ist mit einem überraschenden Auftragsminus ins Sommerquartal gestartet. Die Unternehmen sammelten im Juli 0,7 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Ökonomen hingegen hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet, nachdem es im Juni einen Anstieg von 0,9 Prozent gegeben hatte.

2ee3843aa1faba67a99898b90f69f96b.jpg

Mitarbeiter der Siemens Turbomachinery Equipment GmbH in Leipzig arbeiten in der Endmontage an einem Verdichter.

(Foto: dpa)

Das Niveau des Vorjahresmonats überstiegen die Auftragseingänge im Juli arbeitstäglich bereinigt um 5,0 (Juni: 5,1) Prozent. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen stiegen die Auftragseingänge gegenüber dem Vormonat um 0,6 Prozent.

Die Inlandsbestellungen sanken um 1,6 (plus 4,8) Prozent, während die Auslandsbestellungen stagnierten (minus 1,9 Prozent), wobei aus dem Euroraum 1,0 (minus 2,7) Prozent weniger Aufträge kamen. Die Nachfrage nach Investitionsgütern sank um 0,7 (minus 0,2) Prozent, die Auftragseingänge für Vorleistungsgüter sanken um 0,4 (minus 0,2) Prozent, die für Konsumgüter um 3,0 (plus 1,7) Prozent.

Das Bundeswirtschaftsministerium bewertete die Zahlen so: "Die Bestelltätigkeit befindet sich auf einem sehr hohen Niveau. In den letzten drei Monaten haben die deutschen Unternehmen fast so viele Aufträge eingesammelt wie zuletzt vor Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008."

Die Umsätze in der Industrie und die Stimmungsindikatoren bestätigten dieses positive Bild. Den Indikatoren zufolge halte daher der solide Aufschwung im verarbeitenden Gewerbe an.

Reaktionen von Analysten

Thomas Gitzel, VP Bank Liechentenstein: "Die Auftragseingänge sind volatil und überraschen häufig - und zwar sowohl nach oben als auch nach unten. Viel wichtiger ist es, den Blick auf den bisherigen Jahresverlauf zu lenken. Und hierbei gilt: Die Zuwachsraten der Neubestellungen lassen sich im laufenden Jahr sehen. Die besser laufende Weltwirtschaft macht sich in der exportstarken deutschen Industrie bislang positiv bemerkbar. Vor allem von der breiten wirtschaftlichen Erholung in der Euro-Zone kann die deutsche Wirtschaft profitieren. Die Notkredite an die schuldengeplagten EU-Südländer und die Krisenpolitik der EZB zahlen sich aus. Interessant wird in den kommenden Monaten allerdings sein, inwiefern sich die Euro-Aufwertungen auf den Auftragseingang niederschlagen werden. Die kräftigen Zuwächse des Euro haben durchaus das Potenzial im einen oder anderen Industriezweig Bremsspuren zu hinterlassen.

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe: "Der Konjunkturhype wird durch den Auftragseingang nicht befeuert. Einmal mehr bestätigt sich, dass die realen Daten mit der überaus guten Stimmung nicht mithalten. Der rückläufige Auftragseingang im Juli dürfte allerdings nur eine Verschnaufpause sein. Nordkorea ausgeblendet befinden sich moderate Impulse für die Produktion weiter in der Pipeline."

Stefan Kipar, BayernLB: "Die Juli-Daten haben zwar die Erwartungen enttäuscht, dies lag jedoch erneut an unterdurchschnittlichen Großaufträgen, die üblicherweise nur einen sehr indirekten Einfluss auf die Produktion haben. Eine deutlich ansteigende Dynamik ist im Auftragseingang nicht zu erkennen, die Vorgaben für die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte bleiben allerdings insgesamt ordentlich. Positiv ist auch zu vermerken, dass die Neubestellungen aus dem Nicht-Euro-Ausland im Juli trotz des jüngst stärkeren Euro-Außenwertes nicht gelitten haben."

Quelle: n-tv.de, wne/rts/DJ

Mehr zum Thema