Wirtschaft

Negative Überraschung Deutsche Produktion schrumpft stark

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"Die Industrieproduktion hat an Schwung verloren."

(Foto: dpa)

Es ist das größte Minus seit August 2015: Die deutschen Unternehmen fahren im Februar ihre Produktion überraschend zurück - und das sogar deutlich. Im Wirtschaftsministerium geht man von einer schwächeren Wachstumsdynamik für das laufende Jahr aus.

Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Februar so stark gedrosselt wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Industrie, Bau und Versorger stellten zusammen 1,6 Prozent weniger her als im Januar, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Das größte Minus seit August 2015 kommt überraschend: Ökonomen hatten ein Wachstum von 0,3 Prozent vorhergesagt, nachdem es zum Jahresauftakt ein Mini-Plus von 0,1 Prozent gegeben hatte.

"Die Industrieproduktion hat an Schwung verloren", erklärte das Wirtschaftsministerium. "Die gute Auftragslage und die positive Stimmung bei den Unternehmen sprechen aber dafür, dass die Industriekonjunktur weiter aufwärtsgerichtet bleibt." Die Wachstumsdynamik dürfte jedoch schwächer als im zurückliegenden Jahr ausfallen.

Die Industrieproduktion nahm im Februar um 2,0 Prozent ab. Die Baubranche meldete ein Minus von 2,2 Prozent. Die Energieerzeuger kamen dagegen auf ein Plus von 4,0 Prozent.

Stimmen von Analysten

Ralph Solveen, Commerzbank: "Damit zeichnet sich für das erste Quartal allenfalls ein leichtes Plus bei der Produktion ab, nach mehreren Quartalen mit sehr deutlichen Zuwächsen. Folglich dürfte auch die Gesamtwirtschaft weniger zugelegt haben als im Verlauf von 2017. Die zuletzt schwächeren Auftragseingänge und fallenden Frühindikatoren lassen erwarten, dass auch für die kommenden Quartale eher mit einer geringeren Dynamik zu rechnen ist. Ein Ende des Aufschwungs ist dies allerdings wohl kaum. Denn die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank schiebt die Wirtschaft weiter an."

Sophia Krietenbrink, DIHK: "Die Produktion schwächelt. Sowohl in der Industrie als auch im Baugewerbe kann das hohe Niveau der letzten Monate nicht gehalten werden. Die derzeit geringere Dynamik dürfte dabei auch Folge zunehmender Engpässe sein - etwa mit Blick auf die Fachkräftesituation oder Transportkapazitäten. Nachfrageseitig stellt sich vor allem die Frage, wie der aktuelle Handelskonflikt sich entwickelt. Werden durch die Zölle weltweite Wertschöpfungsketten gekappt oder behindert, könnte sich das mittelfristig auch auf die Absatzmöglichkeiten deutscher Unternehmen auswirken."

Andreas Rees, Unicredit: "Über alle wichtigen Industriebranchen hinweg gab es einen Rückgang. Das könnte etwas mit der Grippewelle zu tun haben, die zu Arbeitsausfällen führte. Ein gewisser Teil des Rückgangs dürfte aber auch auf übliche monatliche Schwankungen zurückzuführen sein. So schrumpfte die Autoproduktion sehr deutlich, nachdem sie im Januar noch kräftig zugelegt hatte. Mit dem möglichen Handelskrieg zwischen den USA und China hat das nichts zu. Das Risiko ist aber relativ groß, dass das auf die Stimmung der Unternehmen durchschlägt. Eine ruckartige Verschlechterung der Fundamentaldaten wie Produktion und Aufträge ist dagegen nicht zu erwarten."

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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