Wirtschaft

Pistolen, Kanonen, Speziallaser Deutsche Waffen boomen in USA

RTR1GIVS.jpg

Auch US-Grenzpatrouillen an der Grenze zu Mexiko trainieren mit Waffen von Heckler & Koch.

(Foto: REUTERS)

In den USA genießen sie Kultstatus: die Waffen von Heckler & Koch. Die deutsche Rüstungsindustrie nistet sich mit ihrem speziellen Know-how in Nischen des US-Markts ein. Auch deutsche Kanonenrohre und Laser sind heißt begehrt, nur bei den ganz großen Projekten hakt es.

In internationalen Kriegseinsätzen sind die Deutschen den USA oft zu zaghaft, doch eine deutsche Waffe genießt bei US-amerikanischen Soldaten Kultstatus: Elite-Einheiten von Armee und Polizei nutzen Maschinenpistolen von . Die Navy Seals sollen die modernste Variante sogar beim Einsatz gegen Al-Kaida-Chef Osama bin Laden dabeigehabt haben. Auch in vielen US-amerikanischen Filmen, Serien und Computerspielen wird mit deutschen Maschinenpistolen für Recht und Ordnung gesorgt.

hk.jpg

Ein Bundeswehrsoldat mit seiner Waffe von Heckler & Koch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Im eher abgeschotteten US-Rüstungsmarkt hält die Waffe damit das Image deutscher Rüstungsschmieden hoch - ebenso wie Kanonen von Rheinmetall und Speziallaser von Carl Zeiss, die in den Kampfpanzer M1 Abrams eingebaut sind, und die knapp 350 Mehrzweck-Hubschrauber, die die US-Armee bei Eurocopter bestellt hat.

Die transatlantische Kooperation bei der Entwicklung neuer Waffensysteme dagegen stirbt gerade aus: Die milliardenschwere gemeinsame Raketenabwehr Meads, die das alte System Patriot ablösen sollte und an der auch Italien und Deutschland beteiligt sind, war das letzte große Projekt. Mit dem Ausstieg der US-Amerikaner scheiterte das Vorhaben. Nun sollen die Entwicklungsergebnisse gesichert und eventuell in Teilen weiterverwendet werden.

Auch das lange geplante luftgestützte Aufklärungssystem der Nato namens AGS wackelt: Zum Aufbau des Systems mit einem gemeinsamen Hauptquartier, Bodenstationen und mindestens fünf Global-Hawk-Drohnen haben sich zwar alle 13 Partner bereit erklärt, darunter Deutschland mit 400 Millionen Euro. Die Beteiligung Spaniens am Betrieb des Systems steht jedoch unter einem Haushaltsvorbehalt. Sollte das von der Finanzkrise gebeutelte Land einen Rückzieher machen, steht das gesamte Projekt auf der Kippe.      

Was bleibt, sind die gegenseitigen in einem Markt, der auf beiden Seiten des Atlantiks protektionistische Züge trägt. So scheiterte EADS im Ringen um den 30 Milliarden Dollar teuren Tanker-Auftrag in den USA nach Einschätzung von Experten auch deshalb am US-Konkurrenten Boeing, weil eine solch große Order im eigenen Land bleiben und nicht an ein europäisches Unternehmen gehen sollte.         

In Nischen hat sich die deutsche Rüstungsindustrie jedoch mit ihrem speziellen Know-how im US-Markt eingenistet: Nur wenn die USA über eine Technologie nicht verfügen, beschaffen sie eben auch deutsche Kanonenrohre und Laser für Panzer und deutsche Maschinenpistolen für ihre Soldaten, nicht aber bei den ganz großen Projekten. "Wenn die USA etwas kaufen und nicht selbst machen, dann muss es schon etwas Besonderes sein", sagt ein Experte.     

US-Drohne für die Bundeswehr?

Andersherum gilt das Gleiche: Die Bundeswehr kauft Präzisionsbomben für die Kampfjets Tornado und Eurofighter in den USA. Und es gibt auch Teillösungen: So beschafft Deutschland fünf Aufklärungsdrohnen des Typs Euro Hawk in den USA. Dabei kommt die Drohne an sich vom US-Hersteller Northrop Grumman, der sie normalerweise unter dem Namen Global Hawk vermarktet. Das Innenleben des Euro Hawk jedoch, also die gesamte Elektronik, die Radarstellungen erkennen und den Funkverkehr belauschen kann, stammt von EADS. Zur Erweiterung des Nato-Systems AGS peilt Deutschland die Beschaffung von vier weiteren Drohnen an. Der Kauf ist jedoch noch nicht beschlossen.      

Außerdem könnte Deutschland eine weitere Drohne in den USA bestellen: die Reaper, das Nachfolgemodell der Predator-Drohne, die unter anderem in Afghanistan und Pakistan zum Einsatz kommt. Die Bundeswehr nutzt am Hindukusch bisher israelische Heron-Drohnen und hat den Leasingvertrag dafür zuletzt bis 2014 verlängert. Was danach kommt, ist unklar. Die Truppe könnte entweder die Heron-Nachfolgerin Heron TP erhalten oder die Reaper. Eine europäische Drohne ist bis dahin noch nicht in Sicht: Selbst wenn mehrere europäische Staaten in die Finanzierung der Entwicklung der EADS-Drohne Talarion einsteigen sollten, soll diese frühestens 2018 einsatzbereit sein.    

Quelle: n-tv.de, Sabine Siebold, rts