ZEW-Index bricht ein"Deutsche Wirtschaft ist statt Hoffnungsfall wieder Sorgenkind"

Der Krieg in Nahost lastet schwer auf der wirtschaftlichen Erholung in Deutschland. Finanzprofis sorgen sich um die Preise und senken den Daumen. Sie erwarten kein schnelles Ende des Konflikts.
Der Iran-Krieg hat den Konjunkturerwartungen für Deutschland den stärksten Dämpfer seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine vor vier Jahren versetzt. "Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise massiv nach oben und sorgt für steigenden Inflationsdruck", erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach die Umfrageergebnisse. "Für die deutsche Wirtschaft wächst damit das Risiko, dass der begonnene Erholungstrend der Konjunktur ausgebremst wird." Wie stark die Effekte ausfallen, hänge von Dauer und Intensität des Konflikts ab.
Das Barometer für die Aussichten in den kommenden sechs Monaten brach im März um 58,8 Punkte auf minus 0,5 Zähler ein, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner monatlichen Umfrage unter 178 Investoren und Analysten mitteilte. Der größte Rückgang seit Februar 2022 ließ das an den Finanzmärkten stark beachtete Barometer auf den schlechtesten Wert seit fast einem Jahr sinken. Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 39,0 Punkte erwartet.
Die Finanzmarktexperten sind skeptisch, dass es zu einem schnellen Ende des Konflikts kommt. "Es ist die dritte Woche des Kriegs im Nahen Osten und ein Ende ist noch nicht absehbar", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Trotz der starken Bombardements behaupte sich das Regime in Teheran und schaffe es sogar, in der Straße von Hormus eine akute Bedrohungslage zu erzeugen. "Die Sorgen über eine längere Phase hoher Energiepreise nehmen zu", sagte Scheuerle. Deutschland als Nettoenergieimporteur gehe es deutlich mehr an den Kragen, fügte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank hinzu: "Stand jetzt ist die deutsche Wirtschaft vom Hoffnungsfall wieder zum Sorgenkind mutiert."
Die aktuelle Lage schätzten die Börsianer im März etwas besser ein: Dieses Barometer stieg um drei Punkte, verharrte mit minus 62,9 Zählern allerdings tief im negativen Bereich. Ökonomen hatten hier mit minus 67,3 Punkten gerechnet. "Das Rüstungs- und Infrastrukturprogramm wirkt jetzt stabilisierend, zielt es doch auf binnenwirtschaftliche Impulse ab", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Umso wichtiger sei es aber, dass die Mittel aus dem Infrastrukturprogramm zielgerichtet für neue Investitionen eingesetzt werden. "Nur so kann eine Kompensation konjunkturdämpfender Effekte bedingt durch höhere Ölpreise gelingen", betonte Gitzel.
"Wir haben unsere Wachstumsprognose für 2026 auf 1 Prozent abgesenkt. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft vollständig zum Erliegen kommt." Vor allem angesichts der staatlichen Impulse mit den Milliardenausgaben für Verteidigung und Infrastruktur halte man an der Wachstumsprognose für 2027 von 1,5 Prozent fest.
Der Krieg im Nahen Osten bremst auch nach Einschätzung der Bundesregierung die konjunkturelle Erholung in Deutschland. Die damit verbundenen drastischen Preissteigerungen bei Rohöl und Erdgas belasteten die Entwicklung, heißt es aktuellen Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums. "Der Erholungsprozess bleibt angesichts der externen Risiken fragil." Es bestehe das Risiko für einen Rückschlag bei der erwarteten Konjunkturerholung. Dies sei abhängig von der Dauer des Konflikts beziehungsweise "der faktischen Sperrung der Straße von Hormus sowie möglichen längerfristigen Beeinträchtigungen der dortigen Produktionskapazitäten bei Öl und Gas", erklärte das Ministerium. Die Wirtschaft habe bereits Anfang 2026 an Dynamik verloren, nachdem sie sich Ende 2025 noch belebt hatte.