Wirtschaft

"Legitime Gründe" Deutsche bunkern Bargeld

Viele Eurobanknoten liegen in einem Briefumschlag auf einem Tisch. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Im Schnitt haben Deutsche 1364 Euro Bargeld zu Hause oder im Schließfach.

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Mehr als 1000 Euro Bargeld bewahren die Menschen in Deutschland im Durchschnitt zu Hause oder im Bankschließfach auf. Was steckt dahinter?

Hierzulande hängen die Menschen trotz digitaler Bezahlsysteme an Scheinen und Münzen. Einer Umfrage der Bundesbank zufolge haben sie im Schnitt 107 Euro im Portemonnaie und horten zugleich 1364 Euro Bargeld zu Hause oder in Bankschließfächern. "Die Mehrheit der Bevölkerung bewahrt Bargeld aus legitimen Gründen auf, nicht zur Steuervermeidung", so Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann.

Ob sich das Verhalten der Menschen in der Corona-Krise geändert hat, geht aus der Umfrage unter 2000 Personen aus dem Jahr 2018, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden, nicht hervor. Eine Nachbefragung gab es nicht.

Bargeld gilt derweil als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Vor allem zu Beginn der Krise in Deutschland im März war nach Daten der Notenbank die Nachfrage nach Scheinen und Münzen deutlich gestiegen. Auch in den folgenden Monaten gab es demnach leichte Zuwächse bei den Nettoemissionen von Bargeld. Über die Gründe dafür sagen die Daten allerdings nichts aus.

Nach der im aktuellen Bundesbank-Monatsbericht veröffentlichten Studie war das gehortete Bargeld sehr ungleich in der Bevölkerung verteilt. Manche bewahrten kein Cash auf, andere sehr viel. "Ältere, Besserverdienende und Selbstständige hielten im Mittel die höchsten Beträge", heißt es in der Studie. Beermann vermutet, dass Jüngere weniger Bargeld hielten, weil sie weniger Geld haben.

Furcht vor Hackerattacken

Aus Sicht vieler Befragter sind die Niedrigzinsen (58 Prozent) ein Grund, warum sie Scheine und Münzen im größeren Stil aufbewahren. Bargeld ist zudem ein gängiges Zahlungsmittel (55 Prozent). Auf Rang drei folgt mangelndes Vertrauen in die Sicherheit und Belastbarkeit der technischen Infrastruktur, zum Beispiel Angst vor Hackerangriffen. Als weitere mögliche Motive gaben die Befragten, die Bargeld horten, "keine Gebühren" und "Anonymität" an.

Darüber hinaus nannten 12 Prozent als möglichen Grund "Vermögen vor dem Staat verstecken". Mehrfachnennungen waren möglich. "Aus der Befragung konnten keine konkreten Hinweise auf Steuerhinterziehung als Motiv der Bargeldaufbewahrung abgeleitet werden", heißt es in dem Monatsbericht.

Die Experten weisen darauf hin, dass die Befragten über aufbewahrte Beträge freiwillig Auskunft gaben und es in den Daten keine Korrelation zwischen der Höhe der Beträge und der Steuermoral gegeben habe. "Argumentationen, wonach die bisher unerklärten Bargeldhorte in Deutschland als Maß für den Umfang von Steuerhinterziehung und Kriminalität dienen könnten, sind deshalb kritisch zu sehen." Als Hortung definiert die Bundesbank eine Aufbewahrung von Bargeld über einen Zeitraum von zwei Wochen und mehr.

Quelle: ntv.de, jga/dpa