Wirtschaft

Teurer Wohnraum für Einheimische Deutschen Inseln droht der "Ausverkauf"

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Kann ein teurer Spaß werden: Wohnen auf der ostfriesischen Insel Langeoog.

(Foto: picture alliance/dpa)

Egal ob Sylt, Amrum oder Spiekeroog: Die Immobilienpreise auf deutschen Inseln steigen. Vor allem die Einheimischen leiden darunter und fürchten, verdrängt zu werden. Gegen einen drohenden "Ausverkauf" tun sich Politiker und Experten jetzt zusammen.

Bezahlbarer Wohnraum ist ein großes Thema in deutschen Städten, aber auch auf den Inseln werden Häuser und Wohnungen immer teurer. Wohnen gehört deshalb zu den Themen, die mehr als 100 Politiker, Tourismusmanager und Experten bis Freitag auf der ersten Deutschen Inselkonferenz auf Helgoland besprechen.

Die steigenden Preise für Immobilien betreffen dabei nicht nur für die Luxusinsel Sylt, wie der Ende 2018 vorgestellte Immobilienatlas der LBS Bausparkasse zeigte. Dort stiegen die Quadratmeterpreise für Häuser um 7,7 Prozent auf durchschnittlich gut 10.600 Euro, für Wohnungen um 3,5 Prozent auf 7.150 Euro. Spitzenreiter beim Quadratmeterpreis war Kampen mit fast 22.000 beziehungsweise 15.000 Euro. Amrum rangierte bei 5.300 Euro je Quadratmeter für Häuser und bei gut 4.900 für Wohnungen; auf Föhr war der Quadratmeter 400 bis 500 Euro billiger. Für Einheimische sind solche Preise meist unbezahlbar und viele Inselbewohner plagt die Sorge, wie lange sie sich das Leben auf der Insel noch leisten können.

Planungshoheit für Insel-Verantwortliche

"Es geht darum, wie wir dem Ausverkauf der Inseln entgegenwirken können", sagt Helgolands Bürgermeister Jörg Singer. Der Entwurf der Resolution beinhaltet die Forderung nach Regelungen, "die einen Immobilienabverkauf auf Inseln verhindern". Die Verantwortlichen der Inseln fordern komplette Planungshoheit "zur Verhinderung der weiteren gesellschaftlichen Erosion".

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Häuser wie hier in Rantum auf Sylt werden immer teurer. Einheimische haben Angst, von Investoren vertrieben zu werden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Inseln hätten eins gemein, sagte Spiekeroogs Bürgermeister Matthias Piszczan: Sie alle lebten fast nur vom Tourismus. Die besondere Lage im Meer und im Wattenmeer machten diese Destinationen so einzigartig und beliebt. "Was nutzt uns aber diese Einzigartigkeit, wenn es weiter so vorangeht, dass finanzkräftige Investoren von außerhalb alles an sich reißen", fragte er. Die Investoren würden sich letztlich überhaupt nicht um die Inseln und Orte kümmern oder darum, wie dort die Infrastruktur aufrechterhalten werden könne. Piszczan fordert deshalb weitergehende rechtliche Möglichkeiten für die Inseln, die über das Zweckentfremdungsverbot hinausgehen, "um diverse Strömungen zu stoppen".

Inseln auch von Klimawandel betroffen

Neben bezahlbarem Wohnen ist der Klimawandel das größte Thema der Helgoländer Konferenz. Die Vertreter der Inseln und Halligen fordern Unterstützung vom Bundestag und von der EU, um ihre Standortnachteile zumindest teilweise auszugleichen.

Eine der Forderungen an den Bund sei die Befreiung von der EEG-Umlage für den Stromimport, sagte Singer. 100-prozentige Klimaneutralität ist auch für die Inseln eine große Herausforderung. "In der Sektorenkopplung für die Nutzung regenerativer Energien und Wandlung in Wärme, Mobilität und lokale Versorgung (unter anderem für Häfen) sehen die Inseln einen ganz wichtigen Erfolgsfaktor auf dem Weg zur Nullemissionsinsel", heißt es in der Resolution.

Bei dem zweitägigen Treffen wollen die 17 vertretenen Inseln und Halligen auch voneinander lernen. Während der Konferenz wird der erste deutsche Umweltpreis der Inseln vergeben. Gesucht wird das beste Konzept zur Vermeidung von Plastikmüll. Besprochen wird auf der Konferenz auch Telemedizin und die bürokratischen Hürden bei der Entwicklung der Inseln. Von den Ostseeinseln ist auf Helgoland nur Hiddensee vertreten.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa