Wirtschaft

Startplatz in der Nordsee? Deutsches Mini-SpaceX startet Raketenbau

Zu Mond und Mars soll es zwar vorerst nicht gehen - aber die Raketen des bayerischen Startups Isar Aerospace sollen schon 2021 den Weltraum erreichen. Die Produktion der fast 30 Meter langen Flugkörper läuft bereits. Wenn es nach der deutschen Industrie geht, könnte bald die Nordsee eine Rolle spielen.

Nicht nur in den USA können private Unternehmen Raketen ins All schießen - auch in Deutschland. Jedenfalls plant das bayrische Start-up Isar Aerospace bereits im kommenden Jahr den ersten Flug in den Erdorbit, wie Mitgründer und Unternehmenschef Daniel Metzler bestätigte. Nun beginnt die Produktion der Raketen in den Hallen in Ottobrunn. Die Flugkörper sollen 27 Meter lang werden. Damit sind sie allerdings nicht mal halb so groß wie etwa die "Falcon 9" der US-Unternehmens SpaceX.

Allerdings soll die Rakete namens "Spectrum" auch nur bis zu 1200 Kilogramm Nutzlast in niedrige Erdorbits bringen, etwa Satelliten. Damit habe man allerdings die leistungsfähigste privat finanzierte Rakete Europas, sagte Metzler. Den Vorteil seines Unternehmens gegenüber großen etablierten Anbietern sieht er vor allem in Flexibilität und niedrigen Kosten. Man könne binnen Wochen oder Monaten Raketenstarts anbieten, sagte er. Dabei helfe auch, dass die verhältnismäßig kleine Rakete relativ unkompliziert per Lastwagen transportiert werden könne.

Das Start-up mit inzwischen 100 Mitarbeitern ist privat finanziert. In der letzten Finanzierungsrunde im Dezember 2019 sammelte es nach eigenen Angaben 15 Millionen Euro ein. Eine weitere Runde steht noch in diesem Jahr auf dem Plan. Zu den Investoren gehört auch Bulent Altan, ehemaliger Vice President des US-Weltraum-Unternehmens SpaceX von Elon Musk.

Die Raketen sollen in Europa starten. Wo genau, ist noch ist nicht klar. Man sei mit einem halben Dutzend möglichen Startplätzen in Kontakt, sagte Metzler. Geht es nach dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), könnte mittelfristig eine weitere Option in Europa hinzukommen: Das Wirtschaftsministerium prüft ein entsprechendes Konzept des Verbandes, wie es bestätigte. Das Konzept des BDI sieht einen Startplatz für Kleinraketen in der Nordsee vor - eine mobile Startplattform in Form eines privatwirtschaftlichen Betreibermodells mit staatlicher Unterstützung. "Eine deutsche Startplattform ist technisch machbar, strategisch und wirtschaftlich sinnvoll", heißt es in einem Strategiepapier.

In zwei Jahren erster Nordsee-Start?

Nach Ansicht des Verbandes könnte das Konzept binnen zwei Jahren umgesetzt werden. Die Realisierung sei eine politische Entscheidung und keine technische Frage. Vom Bund sei dafür ein Zuschuss für die Initialkosten in der Anfangsphase nötig. Ein deutscher Startplatz sollte allen europäischen und internationalen Partnern zur Nutzung offenstehen. Raumfahrt sei für die gesamte deutsche Industrie von zentraler Bedeutung, heißt es in dem Papier. Im digitalen Zeitalter sei sie Schlüssel für Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren und Industrie 4.0. Dank Miniaturisierung würden Satelliten immer kleiner, diese Entwicklung verändere auch den Bedarf an Trägerraketen. "Zukünftig wird es eine Mischung aus großen, mittleren und kleinen Raketen geben."

Dem Papier zufolge gibt es drei private Hersteller von sogenannten Microlaunchern in Deutschland, die 2021/22 auf den Markt kommen sollen. Einer davon ist Isar Aerospace. Keines der drei Unternehmen verfüge aber über einen vertraglichen Startplatz in Europa, heißt es. Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU hatte sich bereits im vergangenen Jahr aufgeschlossen für die Errichtung eines deutschen Weltraumbahnhofs gezeigt.

Quelle: kst/dpa