Wirtschaft

Billiges Öl setzt Branche zu Dunkle Wolken am Solarhimmel

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(Foto: REUTERS)

Die Solarindustrie wächst im laufenden Jahr rasant. 2016 soll sich das Wachstum allerdings deutlich abschwächen. Damit stehen auch die deutschen Unternehmen SMA Solar und Solarworld vor einer großen Herausforderung.

Der vielumjubelte Klimaschutzvertrag von Paris, der die Treibhausgase und die globale Erderwärmung stärker begrenzen soll, hat Solarwerte nur kurzfristig zum Erstrahlen gebracht. Die Kurse haben sich nach einem kurzen Anstieg wieder beruhigt, doch Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien wie die Solar- und Windkrafthersteller stehen im Fokus der Anleger.

So wie beim chinesischen Branchenriesen Trina Solar: Der Chef und Gründer Jifan Gao will gemeinsam mit einem Bieterkonsortium die restlichen Anteile an Trina Solar, die er noch nicht besitzt, aufkaufen, um die Firma anschließend von der Börse zu nehmen. Das lässt er sich einen Kursaufschlag von mehr als 20 Prozent auf den Kurs von vor der Bekanntgabe des Übernahmeangebotes kosten. Anleger sollten gut darüber nachdenken, die Offerte anzunehmen, denn das Umfeld in der Branche könnte im nächsten Jahr deutlich schwieriger werden.

Billiges Öl verdirbt die Stimmung

Die Analysten der Researchfirma IHS prognostizieren für 2015 zwar ein Wachstum der Solarindustrie um ein Drittel auf 58,7 Gigawatt (GW). Im nächsten Jahr soll sich das Plus aber deutlich verlangsamen auf nur mehr zwölf Prozent. Die Experten gehen dabei von Rekordwerten für das erste Halbjahr und schwierigen Zeiten in der zweiten Hälfte aus. Im ersten Halbjahr würden in den USA viele Solaranlagen auf Freiflächen in Betrieb genommen werden, während in China viele zusätzliche Anlagen bis Juni 2016 installiert würden, um die steuerliche Förderung für 2015 noch in Anspruch nehmen zu können. Im zweiten Halbjahr würden die Durchschnittspreise für Solarmodule dann aber branchenweit merklich fallen. "Es wird einen gewissen Lageraufbau geben und der Preisrückgang bei den Modulen wird deutlich stärker sein als im Jahr 2015 oder in der ersten Hälfte 2016", schreiben die Analysten von IHS.

Die Prognose, die die Experten am 9. November abgegeben haben, dürfte angesichts des dramatischen Preisverfalls bei Öl noch längst nicht pessimistisch genug sein. Damals lag der Ölpreis noch bei 44 Dollar je Barrel der US-Sorte WTI, während es aktuell nur mehr 36 Dollar sind. Und ein Boden ist bei der Notierung des Rohstoffs nicht in Sicht. Je tiefer aber der Ölpreis fällt, umso weniger rechnet sich die Installation von Solaranlagen. Zwar werden die weltweiten Versorger wegen der staatlichen Vorgaben relativ unabhängig von der Entwicklung des Ölpreises weiterhin kräftig in Solaranlagen investieren. Hingegen dürften sich private Haushalte und Unternehmen mit Ausgaben in dem Bereich zurückhalten. Das dämpft die Nachfrage in der Solarindustrie.

Angesichts der sich zunehmend eintrübenden Perspektiven sind die Aktien etlicher Hersteller von Solaranlagen deutlich unter Druck. Zuletzt brach das Papier von Jinkosolar nach der Vorlage der Quartalszahlen ein. Dabei hatte der chinesische Konzern die Prognose für das Gesamtjahr leicht angehoben. Das "Problem" war aber, dass die Zahlen für das dritte Quartal deutlich über den Schätzungen der Analysten lagen. So lag der Umsatz mit umgerechnet 637,6 Millionen Dollar deutlich über den Erwartungen von 561,3 Millionen Dollar. Das bedeutet aber, dass die Ergebnisse für das vierte Quartal deutlich unter den vorherigen Schätzungen der Analysten liegen werden. Entsprechend bekam die Aktie einen Tiefschlag.

Das Papier des Konkurrenten Yingli Green Energy ist schon länger auf Talfahrt. Der chinesische Konzern leidet unter einem Schuldenberg von zwei Mrd. Dollar und schreibt seit 17 Quartalen rote Zahlen. Entsprechend fällt Yingli beim Produktionsvolumen immer weiter gegenüber JinkoSolar oder dem Konkurrenten Canadian Solar zurück. Deutlich besser geht es hingegen dem US-Konzern First Solar, denn die USA schützen die dortigen Hersteller durch Antidumping- und Antisubventionszölle gegen Solarzellenimporte aus China. Entsprechend hat die First Solar-Aktie in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt.

Deutsche Konzerne mit Ergebnisverbesserung

Die Aktien des deutschen Herstellers von Solarwechselrichtern SMA Solar hat sich gegenüber dem Januartief sogar mehr als vervierfacht. Anleger honorieren, dass der Konzern in den vergangenen Quartalen die Profitabilität deutlich verbessert und in diesem Jahr bereits dreimal die Prognose angehoben hat. Stark ist vor allem die Nachfrage nach Wechselrichtern für Großkraftwerke, also von Versorgern. Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon stellt für das Gesamtjahr einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit)von zehn bis 30 Millionen Euro in Aussicht. In der Mitte der Spanne entspricht das zwar einer operativen Marge von lediglich zwei Prozent. Nach etlichen schlechten Jahren sind Anleger dennoch euphorisch - der Aktienkurs ist entsprechend gestiegen.

Während SMA Solar in diesem Jahr die Rückkehr in die schwarzen Zahlen schaffen will, hat Solarworld einen operativen Verlust angekündigt. Allerdings soll er deutlich unter dem bereinigten Vorjahreswert liegen. Zugute kommt dem Konzern das florierende US-Geschäft, das rund die Hälfte der Konzernerlöse ausmacht. Vorstandschef Frank Asbeck will im vierten Quartal auf Konzernebene einen operativen Gewinn erwirtschaften. Für Verunsicherung bei Anlegern sorgte zuletzt aber die Meldung über den Prozessverlauf im millionenschweren Rechtsstreit mit dem US-Siliziumlieferanten Hemlock. Obwohl Solarworld betont hat, dass es sich nicht um ein Urteil handele und "keine höhere Risikoeinschätzung" gesehen werde, liegt die Aktie immer noch um ein Drittel unter dem Stand von vor der Meldung über den Rechtsstreit. Angesichts dessen und vor dem Hintergrund der gegenüber SMA Solar deutlich niedrigeren Profitabilität ist Solarworld ein viel riskantes Papier als das von SMA.

Wegen des Ölpreisverfalls trüben sich die Geschäftsperspektiven der weltweiten Solarfirmen deutlich ein. Dabei könnten vor allem die Aktien der chinesischen Anbieter zusehends unter Druck kommen. Die hiesigen Anleger dürften weiterhin SMA Solar den Vorzug vor Solarworld geben.

Quelle: ntv.de

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