Wirtschaft
Zu hoch geflogen?
Zu hoch geflogen?(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 04. Oktober 2011

Insolvenzgerüchte um Großkunden: EADS-Anleger vorsichtig

Dank American Airlines und deren Riesenorder von 260 neuen Flugzeugen schwebt Airbus mitsamt der Mutter EADS auf dem US-Markt über den Wolken. Der Abstand zum Konkurrenten Boeing wächst. Nun könnte allerdings der Absturz folgen, denn es gibt Spekulationen um eine drohende Insolvenz des AMR-Konzerns.

Die drittgrößte US-Fluggesellschaft American Airlines ist einer der besten Kunden des europäischen Flugzeugbauers Airbus. Die EADS-Tochter erhielt erst im Juli den Auftrag zum Bau von 260 Fliegern. 365 weitere könnten noch hinzukommen. Doch nun steht das Ganze in den Sternen, denn um die Mutter der US-Airline, AMR, gibt es Insolvenzgerüchte. Der Kurs von EADS geht deshalb auf Tauchstation. EADS fielen um rund 7 Prozent - der MDax selbst büßte in einem äußerst schwachen Marktumfeld selbst rund 5 Prozent ein.

Händler verwiesen auf den Kurseinbruch von AMR am Vortag an der Wall Street. Spekulationen über eine Insolvenz des Unternehmens hatten die Aktien um - im Vergleich zu EADS  noch weitaus drastischere - 33,1 Prozent fallen lassen.

Auslöser waren Meldungen über einen Anstieg der Zahl von in den Ruhestand wechselnden Piloten: In den vergangenen zwei Monaten haben sich mehr als 200 Flugzeugführer von American Airlines in den Ruhestand verabschiedet. Üblich sind ein Dutzend im Monat. Analysten sehen die Verrentungswelle als Zeichen dafür, dass die Piloten ihre Pensionen in Sicherheit bringen wollen, bevor eine mögliche Insolvenz den Kurs noch weiter nach unten treibt. Flugkapitäne, die in der vergangenen Woche in Rente gegangen sind, konnten ihre Aktienoptionen noch zum Kurs von 1. August einlösen. Dieser lag 28 PRozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Die zuständige Pilotengewerkschaft wies Gerüchte über die Nutzung von Insiderwissen ihrer Mitglieder zurück.

Durchbruch mit Nachwirkungen?

Erst im Sommer dieses Jahres orderte AMR bei EADS 260 Airbus-Maschinen. Seinerzeit sprachen Analysten von einem Durchbruch des europäischen Flugzeugherstellers auf dem vom Wettbewerber Boeing dominierten US-Markt. "Das lastet auf der Stimmung, denn damit wurde AMR zu einem der größten und attraktivsten Kunden von EADS", sagt BHF-Bank-Analyst Nils Machemehl.

Unmittelbare Auswirkungen auf die Produktion sieht er allerdings nicht, da die ersten Maschinen erst 2013 hätten ausgeliefert werden sollen. Machemehl stuft die Aktien von EADS derzeit mit "Übergewichten" ein, als Kursziel sieht er 27,00 Euro.

AA verliert an Höhe

Vor acht Jahren hatte American Airlines eine drohende Insolvenz noch abgewendet, was sich heute zunehmend als Fehler herausstellt. Denn während Konkurrenten gestärkt aus ihren Insolvenzverfahren hervorgingen, war American Airlines seinerzeit nicht in der Lage, Ballast über Bord zu werfen, Verträge neu zu verhandeln und Kosten signifikant zu senken.

Zudem verlor das Unternehmen seinen Status als größte US-Airline, indem es bei der jüngsten Konsolidierungswelle außen vor blieb. So schlossen sich 2008 Delta Airlines und Northwest Airlines zusammen, 2010 entstand United Continental aus einer Fusion von United Airlines und Continental Airlines.

Der vor zwei Jahren vorgestellte Turnaround-Plan scheint bislang auch nicht zu fruchten. So verliert das Unternehmen Marktanteile gegenüber der Konkurrenz und kann nicht mit Billiganbietern mithalten, die dem Konzern mit wesentlich günstigeren Kostenstrukturen das Wasser abgraben. Die Ratingagentur Moody's senkte im vergangenen Monat den Ausblick für American Airlines auf "negativ" von "stabil".

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Quelle: n-tv.de