Wirtschaft

306 Banken greifen nach KreditenEZB-Geldspritze enttäuscht manche

11.12.2014, 13:24 Uhr
imago63141264h
Vom Geld der EZB (Vordergrund) ist bei den Banken (Hintergrund) nur wenig angekommen. (Foto: imago/Hans-Günther Oed)

Mit ihrer Geldspritze will die EZB den Banken der Euro-Länder zu zusätzlicher Solvenz verhelfen. 130 Milliarden Euro werden von Banken abgerufen - aus EZB-Sicht ein erwartbares Ergebnis, andere betrachten es jedoch als Enttäuschung.

Die Nachfrage der Banken bei der zweiten Geldspritze der EZB lag nach Angaben der Notenbank im Rahmen der Erwartungen von Investoren. 306 Banken aus den Euro-Ländern sicherten sich beim zweiten langfristigen und zielgerichteten Refinanzierungsgeschäft (TLTRO) insgesamt 129,8 Milliarden Euro, wie die EZB mitteilte. Laut einer Umfrage der Agentur Dow Jones jedoch hatten Volkswirte ein Zuteilungsvolumen von rund 150 Milliarden prognostiziert - damit läge die Nachfrage unter den Erwartungen.

Beim ersten TLTRO, an dem 255 Banken teilgenommen hatten, hatte das Volumen sogar nur knapp 83 Milliarden Euro betragen. "Die EZB hat ihr Ziel verfehlt, mit den ersten beiden TLTROs zusätzliche Liquidität von rund 400 Milliarden Euro zu generieren", kommentiert Helaba-Analyst Ralf Umlauf das Gesamtergebnis beider Geldspritzen.

Nach Ansicht des Präsidenten des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB), Gunter Dunkel, schießt die Maßnahme ohnehin am Ziel vorbei: "Das Problem in Europa ist nicht Liquidität, sondern Eigenkapital und Risiko-Appetit." Die Regulierer hätten Eigenkapital teuer gemacht und die Risiko-Unterlegung erhöht. So lange Banken nicht bereit seien, mehr Kredite auf die Bilanz zu nehmen, könnten Maßnahmen wie die der EZB nur begrenzte Wirkung entfalten, sagte Dunkel.

Staatsanleihenankauf im Frühjahr 2015 erwartet

Die meisten Ökonomen gehen nun davon aus, dass die EZB im Januar oder März mit dem Ankauf von Staatsanleihen beginnen wird. Insgesamt will die EZB ihre Bilanzsumme in den nächsten beiden Jahren um rund 1000 Milliarden Euro ausweiten. Der Ankauf von Covered Bonds hat hierzu bisher einen Beitrag von knapp 21 Milliarden Euro geleistet. Zugleich werden aber im Januar und Februar knapp 300 Milliarden Euro aus zwei Dreijahrestendern fällig, was die Bilanz wieder verkleinern wird.

Die Notenbank hatte schon 2011/12 auf dem Höhepunkt der Euro Schuldenkrise rund eine Billion Euro in das Bankensystem gepumpt. Einen Großteil dieses Geldes haben die Institute inzwischen aber an die EZB zurückgezahlt.

An den Finanzmärkten löste das Ergebnis des zweiten TLTRO keine größeren Reaktionen aus. Der Euro sank von 1,2436 auf 1,2417 US-Dollar, der Dax legte leicht zu.

Quelle: ntv.de, bdk/DJ/rts