Wirtschaft

Energiepreise steigenEZB bereitet wegen Trump Zinserhöhungen vor

02.06.2026, 15:48 Uhr
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Tanken ist teurer geworden. (Foto: picture alliance / ABBfoto)

Der Iran-Konflikt heizt die Inflation im Euroraum an. Die höheren Energiepreise sind immer deutlicher zu spüren. Die Europäische Zentralbank wird deshalb wohl in Kürze die Zinsen erhöhen.

Der Ölpreisanstieg wegen des Iran-Kriegs treibt die Inflation im Euroraum weiter nach oben und dürfte so für eine baldige Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank sorgen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Mai um durchschnittlich 3,2 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat mitteilte. Das ist der höchste Stand seit September 2023 und der vierte Monat in Folge, dass die Inflation deutlich über der Zielmarke von 2 Prozent liegt.

Für den Inflationsschub sorgte erneut vor allem Energie, die binnen Jahresfrist 10,9 Prozent mehr kostete. Angesichts der US-israelischen Angriffe hatte der Iran die für die globale Ölversorgung wichtige Straße von Hormus weitgehend blockiert. US-Präsident Donald Trump reagierte mit einer Blockade iranischer Öltransporte durch die Meerenge.

Die Teuerung dürfte noch viele Monate über drei Prozent liegen, sofern die für die Energieversorgung so wichtige Straße von Hormus wider Erwarten nicht schnell wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werde, so Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Für eine anhaltend hohe Inflation spricht auch, dass Umfragen zufolge immer mehr Unternehmen die gestiegenen Energiekosten an ihre Kunden weitergeben." Zudem hätten die langfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher spürbar angezogen. "Der EZB bleibt nichts anderes übrig, als ihre Leitzinsen auf der Sitzung nächste Woche anzuheben", bilanzierte Krämer. "Vermutlich dürfte sie nach der Sommerpause erneut erhöhen."

"Zweitrundeneffekte sind unterwegs"

"Die EZB ist bereits auf dem Sprung, die Leitzinsen in der nächsten Woche anzuheben", sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Die höheren Kosten weiteten sich auf immer mehr Ausgabenkategorien aus. "Zweitrundeneffekte sind also unterwegs, sie steigern die Alarmbereitschaft der EZB."

Die von der EZB aufmerksam beobachtete Verteuerung von Dienstleistungen sprang auf 3,5 Prozent, im April lag sie noch bei 3 Prozent. Dieser Wert, der als Gradmesser für den binnenwirtschaftlichen Preisdruck gilt, liegt seit mehr als drei Jahren über dem mittelfristigen 2-Prozent-Ziel der EZB.

Führende EZB-Zentralbanker - darunter der Chefvolkswirt Philip Lane und Direktorin Isabel Schnabel - haben in den vergangenen Wochen rhetorisch den Weg für eine wahrscheinliche Zinserhöhung in diesem Monat bereitet. Die EZB entscheidet am Donnerstag kommender Woche über die Zinspolitik. "Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig", sagte jüngst Schnabel. Sie fügte hinzu, dass sich die EZB zwar niemals vorab festlege. Der Schock arbeite sich jedoch durch die Wirtschaft, so die Ökonomin.

Der "Financial Times" zufolge rechnet der Finanzmarkt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 95 Prozent, dass die Zinsen dann um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 Prozent angehoben werden. Vor dem Iran-Krieg hatten die Märkte erwartet, dass die EZB die Zinsen senken würde, um die schwächelnde Wirtschaft zu stützen.

Quelle: ntv.de, jga/rts/DJ