Wirtschaft
Donald Trump hat eine "phänomenale" Steuerreform angekündigt.
Donald Trump hat eine "phänomenale" Steuerreform angekündigt.(Foto: AP)
Mittwoch, 15. November 2017

Börsen auf Rekordniveau: Es gibt keinen Trump-Boom

Von Jan Gänger

Sorgt Donald Trump für die steigenden Aktienkurse? Nein. Das hält allerdings weder den US-Präsidenten noch Börsen-Analysten davon ab, das Gegenteil zu behaupten.

Donald Trump ist sich sicher: Seine Präsidentschaft ist eine Erfolgsgeschichte. Trump untermauert diese Einschätzung gerne immer mal wieder mit einem stolzen Blick auf den boomenden US-Aktienmarkt. "Die Börse hat schon wieder einen neuen Allzeit-Rekord erreicht. Es besteht großes Vertrauen in die Schritte meiner Administration", jubelt Trump. "Arbeite sehr hart an Steuersenkungen für die Mittelklasse, für Unternehmen und an Jobs."

Tatsächlich hat der Wall-Street-Leitindex S&P 500 seit der Wahl von Trump vor gut einem Jahr mehr als 20 Prozent zugelegt und erreichte zwischendurch Höchststände. Nicht nur der Präsident und viele seiner Unterstützer, auch viele Börsenbeobachter sind davon überzeugt, dass die steigenden Aktienkurse mit Trump zusammenhängen. Ihre gegenwärtige Argumentation: Die vom Präsidenten angekündigten Steuersenkungen beflügeln die Kurse - in der Hoffnung auf steigende Unternehmensgewinne. Doch das ist ein Irrtum.

Unabhängig davon, was Aktienmärkte tatsächlich über den Erfolg oder den Misserfolg einer Präsidentschaft aussagen und unabhängig davon, welchen Einfluss Präsidenten auf die Kursentwicklung haben: Die gegenwärtige Rally begann unter Trumps Vorgänger Barack Obama. Der S&P 500 legte in dessen Amtszeit mehr als 160 Prozent zu.

Obama wurde Präsident, als die USA inmitten einer Rezession steckten. Die kräftig steigenden Kurse waren vor allem eine Erholung nach den erheblichen Verlusten im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise. Als wesentlichster Grund für die langjährige Rally an den Börsen gilt die ultra-lockere Geldpolitik der Notenbanken wie US-Fed, EZB und Bank of Japan. Sie fluten die Wirtschaft mit Liquidität, in den meisten Industriestaaten sind die Zinsen seit vielen Jahren so niedrig wie nie zuvor.

Trump liegt hinter Bush, Clinton und Obama

Der Aktienmarkt ist völlig ungeeignet, um den ökonomischen Erfolg eines Präsidenten zu messen. Das liegt daran, dass Börsenkurse von vielen Faktoren abhängen und oft wenig mit der Realwirtschaft zu tun haben.

Selbst wenn man trotzdem Trump für die steigenden Aktienkurse verantwortlich machen will: Unter einigen seiner Vorgänger haben sich die Kurse noch besser entwickelt. Spitzenreiter ist Franklin D. Roosevelt. Ein Jahr nach seinen Wahlsiegen im November 1932 und 1944 lag der S&P 500 jeweils mehr als 30 Prozent höher. Das ist auch nach dem Sieg Bill Clintons 1996 passiert. George Bush und John F. Kennedy liegen ebenfalls vor Trump, der den siebten Platz erreicht. Von einem "Bush-Boom" oder "Kennedy-Kursfeuerwerk" war allerdings nie die Rede.

Das ist auch richtig so, denn andernfalls würde wieder eine Verwechslung von Korrelation und Kausalität stattfinden. Anders ausgedrückt: Nur weil zwei Dinge zeitgleich geschehen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch miteinander zusammenhängen.

Dass die steigenden Kurse an den US-Börsen wenig mit Trump und viel mit einem globalen Trend zu tun haben, zeigt auch der Blick auf andere Märkte: Der deutsche Leitindex Dax tendiert rund 22 Prozent höher als vor einem Jahr, der dänische OMX rund 23 Prozent. In Österreich hat die Börse 36 Prozent und in Polen 38 Prozent zugelegt. Der südkoreanische Leitindex hat binnen Jahresfrist mehr als 28 Prozent gewonnen. An Trumps Umgang mit Nordkorea liegt das sicherlich nicht.

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Quelle: n-tv.de