Wirtschaft

Erstmals mit voller SchubkraftEuropäische Rakete bringt 32 Amazon-Satelliten ins All

12.02.2026, 20:23 Uhr
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Bisher startete die Ariane 6 nur mit zwei Boostern (Archivbild). (Foto: picture alliance/dpa/AFP)

Zum ersten Mal entfaltet die neue Ariane-Rakete ihr volles Schubkraft-Potenzial, ganze 32 Satelliten fliegt sie ins All - eine Lieferung für Amazon-Chef Bezos. Dies sei eine Art Training für den Ernstfall, sagt ein französischer Verantwortlicher. Es gehe um Europas Zugang zum Weltraum.

Die europäische Trägerrakete Ariane 6 ist mit 32 Amazon-Satelliten an Bord ins All gestartet. Die Rakete hob vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana ab. Nach fünf Starts mit jeweils zwei Boostern war dies der erste Start mit vier Boostern. Die Rakete kann mit ihnen doppelt so viel Ladung ins All bringen wie zuvor. Sie ist entscheidend für Europas Unabhängigkeit im All. Mit ihr kann Europa eigenständig größere Satelliten im Weltraum platzieren.

Die vier Booster ermöglichen einen Transport von bis zu 11,5 Tonnen Nutzlast in höhere und von bis zu 21,6 Tonnen in niedrigere Umlaufbahnen. Durch die Möglichkeit, die Oberstufe wiederholt zu zünden, kann die Ariane 6 Satelliten in verschiedene Positionen und Umlaufbahnen platzieren.

Der aktuelle ist der erste kommerzielle Flug für das Satellitennetz des Amazon-Konzerns von Jeff Bezos. Die 32 Satelliten sollen in einer niedrigen Erdumlaufbahn in etwa 465 Kilometer Höhe das Satellitennetzwerk Amazon Leo verstärken. Leo steht dabei für niedrige Erdumlaufbahn (low earth orbit). Insgesamt sind 18 Ariane-Flüge für Amazon geplant. Amazon Leo umfasst derzeit etwa 175 Satelliten, deutlich weniger als der Konkurrent Starlink von US-Multimilliardär Elon Musk, der bereits 9400 Satelliten im All hat.

Europa anderthalb Jahre ohne eigenen Weltraumzugang

Nach Angaben des Chefs von Arianespace, David Cavaillolès, sind die Einsätze für das US-Unternehmen eine Art Training für das von der EU geförderte Satellitennetz Iris2, das von 2029 an aufgebaut werden soll. Bei ihren vorherigen Flügen hatte die Ariane 6 Satelliten für Institutionen ins All gebracht, unter anderem für das französische Verteidigungsministerium und das Erdbeobachtungsprogramm Copernicus.

Die Rakete hatte im Juli 2024 ihren Jungfernflug absolviert. Mit dieser Trägerrakete will Europa in der Raumfahrt unabhängiger von den USA und Russland werden. Sie wurde jedoch im Unterschied zur Falcon 9 von Musks Firma SpaceX nicht als wiederverwendbares Modell konzipiert, weil dies ihre Inbetriebnahme noch weiter verzögert hätte. Derzeit wird das lukrative Geschäft mit Trägerraketen von SpaceX dominiert. Europa hatte mehr als anderthalb Jahre keinen eigenen Zugang zum Weltall. Die Vorgängerin der Ariane 6 war von 1996 bis 2023 im Einsatz und laut der europäischen Raumfahrtagentur Esa deutlich teurer als ihre Nachfolgerin.

Am Bau der Ariane 6 waren gut ein Dutzend Länder beteiligt. Die Oberstufe wurde in Bremen montiert, die Tanks der Oberstufe und Teile des Triebwerks kommen aus Augsburg beziehungsweise Ottobrunn. Im baden-württembergischen Lampoldshausen wurde das Vinci-Triebwerk getestet. Nach Frankreich ist Deutschland unter den Esa-Ländern der wichtigste Geldgeber und hat etwa 20 Prozent der Kosten von rund vier Milliarden Euro geschultert.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP/dpa