Wirtschaft

"Achillesferse" des Aufschwungs Finanzkrise nicht ausgestanden

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht das globale Finanzsystem nach wie vor in einer Phase der Unsicherheit. Dem Fonds zufolge kostet die Finanzkrise 2,2 Billionen Dollar. Die Staaten müssten mit strukturellen Reformen mehr für die Finanzstabilität tun. Krisengewinner sind dem IWF zufolge ein Stück weit die Schwellenländer und deren Finanzmärkte.

2t7h0022.jpg1459256481414482026.jpg

Der Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 sorgte für eine dramatische Verschärfung der Finanzkrise.

(Foto: dpa)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist unzufrieden mit dem erreichten Maß an Finanzstabilität in der Welt. Die Schuldenkrise in einigen europäischen Ländern habe sogar eher einen zeitweiligen Rückschritt gebracht, heißt es im neuen IWF-Bericht zur globalen Finanzstabilität. Erforderlich seien weitere regulatorische Reformen und mehr Klarheit über Maßnahmen, die zur Vermeidung künftiger Finanzkrisen nötig sind, mahnte der Fonds.

Den Umfang der durch die Krise bedingten Abschreibungen und Vorsorgemaßnahmen in den Bilanzen der Banken nahm der IWF leicht auf 2,2 Billionen Dollar von 2,3 Billionen Dollar in seinem vorangegangenen Bericht zurück. Davon seien inzwischen über drei Viertel offengelegt, erklärte der Fonds.

"Das globale Finanzsystem befindet sich weiterhin in einer Phase der Unsicherheit und bleibt die Achillesferse des wirtschaftlichen Aufschwungs", lautete das Fazit des Fonds. In seinem Basis-Szenario geht der IWF von einer schrittweisen weiteren Verbesserung der weltweiten Finanzstabilität aus, wobei aber weiterhin hohe Abwärtsrisiken mit dieser Prognose verbunden seien. Ohne weitere Sicherheitspuffer in den Bankenbilanzen bleibe das Bankensystem anfällig für jede Art von Vertrauensschocks.

"Es muss mehr getan werden"

Besonderes Augenmerk richteten die Märkte auch weiterhin auf die Staaten-Risiken, insbesondere die Entwicklung der Staatsschulden und die wirtschaftliche Wachstumsdynamik in den Ländern. Die Turbulenzen an den Märkten angesichts der europäischen Schuldenprobleme in den vergangenen Monaten zeigten, wie sensibel die Märkte dies beobachteten. Immerhin habe die entschiedene Antwort der Europäer auf diese Probleme dazu beigetragen, die Märkte wieder etwas zu stabilisieren.  Neben Europa seien in dieser Frage auch die USA und Japan bedroht.

Dennoch seien die Staaten angehalten, mit strukturellen Reformen mehr für die Finanzstabilität zu tun. Auch in Sachen Regulierung sei man trotz der begrüßenswerten Vorschläge für schärfere Eigenkapitalvorschriften für Banken mit den Basel-III-Verabredungen noch nicht am Ende angekommen. "Es muss mehr getan werden", heißt es in dem IWF-Bericht. Zur Vorsicht rät der Fonds in Hinblick auf den Ausstieg der Länder aus den Sonderprogrammen zur Überwindung der Krise.

Krisengewinner sind dem Fonds zufolge ein Stück weit die Schwellenländer und deren Finanzmärkte. "Die Schwellenländer sind wegen ihrer besseren finanziellen Fundamentalfaktoren, ihrer besseren Wachstumsaussichten und höherer Renditen attraktiver gegenüber den entwickelten Ländern geworden", hieß es in dem IWF-Bericht. Es gebe Anzeichen für Verschiebungen bei internationalen Anlagen in Richtung Schwellenländer.

Quelle: n-tv.de, wne/rts/AFP