Wirtschaft

Verdi ruft zum Streik auf Flughafen-Chaos droht

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(Foto: dapd)

Im Tarifkonflikt im Öffentlichen Dienst will die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag mehrere Flughäfen bestreiken - darunter auch Frankfurt und München. Die Beschäftigten sollen die Arbeit bis etwa 14.00 Uhr niederlegen. Damit stehen Reisende vor einer Geduldsprobe.

In Frankfurt und an anderen deutschen Flughäfen drohen am Donnerstag massive Behinderungen und Flugausfälle. Am größten deutschen Drehkreuz hat die Gewerkschaft Verdi tausende Beschäftigte des Betreibers Fraport AG zu einem elfstündigen Warnstreik zwischen 03.30 und 14.30 Uhr aufgerufen. Auch in München, Köln-Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Stuttgart sollen die öffentlich beschäftigten Flughafenmitarbeiter die Arbeit während der Frühschicht ruhen lassen, wie der Verdi-Bundesvorstand mitteilte.

Lufthansa
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Laut Gewerkschaft sollen in Frankfurt unter anderem die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste, der Frachtabfertigung und der Passagierkontrollen streiken, nicht aber der Flughafenfeuerwehr. Wenn die Feuerwehr nicht zum Dienst antreten würde, könnte aus Sicherheitsgründen überhaupt kein Flugverkehr stattfinden.

Lufthansa streicht Flüge

Der Warnstreik werde erhebliche Auswirkungen auf den Flugplan haben, teilte die Lufthansa mit. "Sollten tatsächlich allein in Frankfurt 6000 Flughafenmitarbeiter in den Ausstand treten, müsste an diesem Tag ein Großteil der Flüge am Heimatflughafen der Lufthansa gestrichen werden", erklärte die größte deutsche Fluggesellschaft.

Zugleich kritisierte der Konzern das Vorgehen der Gewerkschaft, die nun auch den Tarifkonflikt des Öffentlichen Dienstes an die Flughäfen trägt. Die Belastungen des Streiks müssten vor allem die Passagiere der Lufthansa tragen - wie schon beim Warnstreik des privaten Sicherheitspersonals in Frankfurt am 21. Februar dieses Jahres. "Verdi nimmt erneut in Kauf, dass eine dritte Partei, die nicht Teil der Tarifauseinandersetzung ist, durch den Streik geschädigt wird", so das Unternehmen.

Die Fluggesellschaft arbeitet nach Angaben einer Sprecherin intensiv an einem Ersatzflugplan. Für Donnerstag gebuchte Flüge könnten ab sofort kostenlos umgebucht werden. Genauere Einzelheiten zu möglichen Annullierungen, Umbuchungsmöglichkeiten und alternativen Reisemöglichkeiten mit der Bahn sollten spätestens am Mittwochvormittag vorliegen. Die Fluggäste würden auch individuell informiert, sofern sie ihre Kontaktdaten hinterlassen hätten.

Fraport hatte an die Gewerkschaft appelliert, die Warnstreiks mit Augenmaß und mit Rücksicht auf die Passagiere auszuüben. Arbeitsdirektor Michael Müller hatte eine zeitliche Befristung des Warnstreiks auf wenige Stunden verlangt. Zumindest ein begrenzter Flugbetrieb für den internationalen Luftverkehr müsse sichergestellt bleiben.

Die Gewerkschaft will mit den Arbeitsniederlegungen den Druck auf die Arbeitgeber im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes bei den Kommunen und beim Bund erhöhen. Bereits in den vergangenen Tagen hatten vielerorts Beschäftigte unter anderem in Kindertagesstätten, der Müllabfuhr und bei Bussen und Bahnen gestreikt. Verdi fordert für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst eine Erhöhung der Löhne um 100 Euro plus 3,5 Prozent.

Pilotenstreik angekündigt

Neben dem Verdi-Warnstreik drohen in den kommenden Tagen auch Streiks der Lufthansa-Piloten. Deren Gewerkschaft "Vereinigung Cockpit" ist seit der vergangenen Woche nach der Urabstimmung von rund 5400 Lufthansa-Piloten streikbereit, hat aber bisher keinen konkreten Termin für einen ersten Ausstand benannt. Der Streik soll jeweils 48 Stunden vorher bekanntgegeben werden, damit die Passagiere umplanen können.

Erst am 21. Februar hatten die ebenfalls von Verdi vertretenen privaten Sicherheitskräfte Deutschlands größtes Drehkreuz für einen ganzen Tag lahmgelegt, indem die Passagiere an den Eingängen unkontrolliert blieben und so ihre Flüge nicht antreten konnten. Über die Gehälter dieser Berufsgruppe sollte am Mittwoch wieder verhandelt werden.

Quelle: ntv.de, jga/rts/ja