Wirtschaft
Montag, 12. April 2010

Bahn frei für Karstadt-Verkauf: Gläubiger hoffen auf Görg

Etappensieg für Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg: Die Gläubiger der insolventen Warenhauskette Karstadt stimmen seinem Plan zur Rettung des Unternehmens zu. Damit ist der Weg frei für den Verkauf. Mögliche Interessenten sollen ihre Angebote bis zum 23. April vorlegen. Notfalls kann die Frist verlängert werden.

Zugestimmt: Mitglieder des Gläubigerausschusses empfangen vor Beginn der Versammlung letzte Anweisungen.
Zugestimmt: Mitglieder des Gläubigerausschusses empfangen vor Beginn der Versammlung letzte Anweisungen.(Foto: dpa)

Die Gläubiger des Karstadt-Konzerns haben den Insolvenzplan für den Warenhaus-Riesen mit einer wesentlichen Änderung gebilligt. Danach kann die Ende April auslaufende Frist für einen Verkauf der Warenhauskette notfalls verlängert werden, sagte ein Vertreter des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg, Helmut Balthasar. Durch diese Regelung solle für den Fall vorgebeugt werden, dass zwar ein Käufer gefunden sei, aber nicht alle rechtlichen Hürden für einen Verkauf aus dem Weg geräumt seien. Der Verkauf des Konzerns - sollte Görg einen Käufer finden - kann sich damit länger hinziehen, der Insolvenzverwalter hat mehr Spielraum für Verhandlungen.

Eine Zerschlagung des Warenhausreisen, bei der der Konkurrent Metro zum Zuge kommen könnte, könnte mit dem Beschluss zumindest zeitlich weiter in die Ferne rücken.

Auf die Änderung hatte ein Vertreter des Konsortiums Highstreet gedrungen, an dem die Deutsche Bank und Goldman Sachs wesentlich beteiligt sind. Dem Konsortium gehört der Löwenanteil der Karstadt-Immobilien. Einer Verlängerung der Verkaufsfrist muss der Gläubigerausschuss nach dem neuen Beschluss zustimmen.

"Ritt auf der Rasierklinge": Klaus Hubert Görg.
"Ritt auf der Rasierklinge": Klaus Hubert Görg.(Foto: REUTERS)

Görgs Insolvenzplan sieht finanzielle Zugeständnisse von Vermietern, Belegschaft und anderen Gläubigern in dreistelliger Millionenhöhe vor, damit Karstadt als Ganzes erhalten und verkauft werden kann. Damit will er unter anderem Arbeitsplätze bei dem Warenhaus-Riesen retten. Die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Margret Mönig-Raane sagte vor der Veranstaltung, die Belegschaft habe ihren Beitrag zur Sanierung geleistet. Nun sei Görg am Zug.

Mit der Gläubigerversammlung waren die Verhandlungen über den Verkauf der insolventen Warenhausgruppe Karstadt in die entscheidende Phase gekommen. Er verhandele weiter mit Investoren und sehe die Chance, "das Ding über die Kippe zu bekommen", hatte Insolvenzverwalter Görg vor Beginn der Versammlung in Essen gesagt. "In den letzten Wochen wurden aussichtsreiche Gespräche mit verschiedenen Investoren geführt", erklärte Görg. Angebote würden in den nächsten Wochen erwartet. "Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge", betonte er im Vorfeld. Bis Ende des Monats muss er einen Käufer gefunden haben.

Metro im Blick

Der Insolvenzverwalter will Karstadt als Ganzes verkaufen und verhandelt dazu mit Investoren. Konkurrent Metro ist Görg zufolge nicht in die Gespräche eingebunden, weil der Düsseldorfer Konzern nur einzelne Warenhäuser übernehmen und mit seiner Tochter Kaufhof zusammenführen will. Mit Blick auf Metro sagte Görg, man müsse abwarten, was geschehe, wenn Karstadt doch aufgeteilt werden müsse.

Metro liegt derzeit in Lauerstellung. Der Konzern schafft nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Personen mit Banken und juristischen Beratern aktuell die Voraussetzungen, um schnell reagieren zu können, wenn Görg kein Verkauf der gesamten Kette gelingt und ein Verkauf einzelner Karstadt-Filialen ansteht. Im vergangenen Jahr hatten die Deutsche Bank und JP Morgan den Konzern beraten, als bereits schon einmal eine Karstadt-Übernahme erwogen worden war. Diese Banken dürften Metro nun erneut beraten.

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Quelle: n-tv.de