Wirtschaft

Preis sinkt, Nachfrage steigt Gold als Krisenschutz birgt viele Risiken

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Händler kommen kaum hinterher wegen der großen Nachfrage nach Goldmünzen und -barren.

(Foto: picture alliance/dpa)

In der Krise horten die Deutschen nicht nur Toilettenpapier. Auch die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist gestiegen. Die Edelmetallhändler berichten von Lieferschwierigkeiten. Gold gilt zwar traditionell als krisensichere Geldanlage, ist aber keineswegs so sicher, wie manche glauben.

Zu Beginn der Corona-Krise standen die Kunden in langen Schlangen vor den Geschäften der Goldhändler. Diese Schlangen sind nun weg, die Läden geschlossen. Doch warten müssen Goldkäufer immer noch. Das Geschäft mit Goldmünzen und -barren boomt weiterhin. Die Händler bieten das Edelmetall nun ausschließlich online an und die Nachfrage ist so groß, dass etwa Auragentum seine Kunden vor Verzögerungen bei der Auslieferung warnt. Gleichzeitig berichten mehrere Goldhändler von Nachschubproblemen wegen Behinderungen an den Grenzen und Personalproblemen bei den Herstellern der Barren und bei Transportunternehmen.

Die Ursache der ungewöhnlich hohen Nachfrage ist offensichtlich: Viele Menschen glauben, dass sie mit Gold ihr Vermögen gegen die unabsehbaren Folgen der Coronakrise schützen können - vor allem in physischer Form, so dass sie es mit nach Hause nehmen oder im Bankschließfach lagern können. Ob das so gelingt, ist allerdings fraglich. Denn während in Deutschland Privatanleger die Geschäfte der Edelmetall-Händler belagerten, stießen die großen institutionellen Investoren ihr Gold massenweise ab.

Dem Ruf eines krisensicheren Hafens wird Gold derzeit nicht gerecht. Viele Fonds etwa verkaufen ihre Goldbestände ebenso wie als sicher geltende Staatsanleihen, um damit Löcher aufgrund herber Verluste etwa bei ihren Aktieninvestments zu stopfen.

Gegenüber dem langjährigen Hoch bei gut 1700 US-Dollar (1582 Euro) pro Feinunze Anfang März sank der Goldpreis an den Börsen zwischenzeitlich um rund 15 Prozent. Damit ist Gold zwar immerhin stabiler als die meisten Aktienindizes. Aber vor allem bei der Investition in physisches Gold müssen Privatanleger weitere Wertverluste einkalkulieren. Denn Gold wirft nicht nur im Gegensatz zu vielen Aktien keine Dividenden oder Zinsen ab. Die Lagerung in Tresoren oder Schließfächern kostet Geld. Vor allem aber verlangen die Händler für Münzen und Barren beim Verkauf Aufschläge und beim Ankauf Abschläge auf den Börsenpreis. Die Aufschläge beim Verkauf sind aufgrund der großen Nachfrage zuletzt kräftig auf bis zu zehn Prozent gestiegen.

Goldbefürworter weisen darauf hin, dass sich der Goldpreis in vergangenen Krisen nach anfänglichen Einbrüchen schneller erholte als andere Anlageklassen. Ob das auch dieses Mal so sein wird, ist allerdings völlig offen. Unklar ist etwa, ob und wie schnell der weltweit zum Erliegen gekommene Schmuckverkauf wieder auf die Beine kommt. Eine große Rolle spielen zudem die Zentralbanken weltweit. Sie waren in den vergangenen Jahren der wichtigste Treiber des Goldpreises, denn sie haben ihre Reserven massiv ausgebaut und insgesamt Hunderte Tonnen gekauft. Diese Bestände könnten sie in der nun beginnenden Krise verkaufen, um ihre jeweilige Währung zu stützen.

Quelle: ntv.de, mbo