Leichte EintrübungGoldman Sachs meldet Gewinnplus - Anleger finden den Haken

Goldman Sachs eröffnet den Zahlenreigen der US-Banken. Und die Bilanz glänzt längst nicht in jedem Winkel. Zudem habe sich das Umfeld zum Ende des Quartals zunehmend eingetrübt. Wichtig bleibt daher ein "diszipliniertes Risikomanagement".
Die Investmentbank Goldman Sachs zu Jahresbeginn unerwartet viel verdient. Die Bank profitierte von der anhaltend hohen Zahl von Fusionen und Übernahmen, bei denen sie als Berater traditionell stark ist, sowie von starken Schwankungen an den Märkten, die die Kunden im Aktien- und im Derivatehandel aktiver werden lassen. Anleger reagierten aber eher reserviert. Sie schauten vielmehr auf den Rückgang im Geschäft mit festverzinslichen Papieren, Währungen und Rohstoffen (FICC). "Die Maschine feuert immer noch auf allen Zylindern", sagte Axel Rudolph, technischer Chef-Analyst bei der Handelsplattform IG. "Aber das Minus bei FICC erinnert daran, dass das keine Einbahnstraße ist." Die Goldman-Sachs-Aktie gab in New York nach und zog andere Bankenwerte mit nach unten.
Dabei war der Gewinn nach Anteilen Dritter von Januar bis Ende März auf 5,4 Milliarden Dollar nach oben geschnellt. Die Erträge lagen mit 17,2 Milliarden Dollar ebenso über den Erwartungen der Analysten wie der Gewinn je Aktie. Im Laufe des Quartals habe das gesamtwirtschaftliche Umfeld aber auf die Stimmung gedrückt, räumte Vorstandschef David Solomon. Vor allem das Umfeld für Börsengänge und für Finanzinvestoren habe sich eingetrübt. Das werde sich aber bei einer Stabilisierung der Lage wieder erholen. Dagegen sei das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen weiterhin "unglaublich robust" sagte Solomon. "Die geopolitische Landschaft bleibt sehr komplex - ein diszipliniertes Risikomanagement bleibt deshalb für uns der Kern dessen, wie wir arbeiten."
Die Erträge im Aktienhandel und in der Finanzierung sprangen bei Goldman Sachs im ersten Quartal um 27 Prozent auf den Rekordwert von 5,3 Milliarden Dollar, während das FICC-Geschäft um zehn Prozent nachgab. In Zeiten großer Schwankungen an den Märkten müssen sich mehr Kunden dagegen mit Hedging absichern oder bauen ihre Portfolien um. Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen wird bisher vom Krieg im Iran nicht gebremst - auch weil die Regierung von US-Präsident Donald Trump die Regulierung hier lockerer sieht als seine Vorgänger. Das schlägt sich auch beim globalen Marktführer Goldman Sachs nieder, wo die Erträge im Investmentbanking um 48 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar stiegen.
Goldman-Sachs-Banker hatten zuletzt bei einigen der größten Übernahmen beraten, etwa beim 65 Milliarden Dollar schweren Verkauf der Lebensmittel-Sparte von Unilever an den US-Rivalen McCormick. Die großen Börsengänge von Firmen wie SpaceX, OpenAI und Anthropic, die noch in diesem Jahr erwartet werden, könnten das Transaktionsgeschäft weiter beflügeln.
Goldman Sachs eröffnet die Berichtssaison nicht nur für die Banken, sondern für alle großen Unternehmen in den USA. Am morgigen Dienstag wollen JP Morgan, Citigroup und Wells Fargo Quartalszahlen vorlegen.