Wirtschaft

Finanzlage immer dramatischer Griechenland geht das Geld aus

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Giorgos Papandreou steht einer sich zuspitzenden Lage in seinem Land gegenüber.

(Foto: dapd)

Noch immer ist die nächste Tranche von EU und IWF für das vor der Pleite stehende Griechenland nicht bewilligt. Die Regierung in Athen gerät immer mehr unter Druck, denn das Geld wird langsam knapp. Sie setzt bereits Zahlungen aus. Geld für Staatsbedienstete und Rentner ist nur noch für Oktober vorhanden. Eilig sollen nun Mittel für November zusammengekratzt werden.

Griechenland gerät immer mehr in Bedrängnis. Nach übereinstimmenden Medienberichten wird das Geld langsam knapp. Weil die sechste Tranche der Hilfe der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) möglicherweise nicht rechtzeitig komme, habe die Regierung in Athen bereits viele Zahlungen ausgesetzt. Darunter seien etwa die Rückerstattung der Mehrwertsteuer an Exportunternehmen und die Zahlungen an einige Pharmaunternehmen. Eine Bestätigung seitens des griechischen Finanzministeriums gab es zunächst nicht.

Wie die Athener Zeitung "To Vima" berichtete, hat Athen noch Geld um die Löhne und Gehälter der Staatsbediensteten und die Renten und Pensionen bis inklusive Oktober auszuzahlen. Mit der Aussetzung der Zahlungen an viele Bereiche versuche Athen jetzt etwa 1,7 Milliarden Euro zu finden, damit auch die Löhne und Renten im November bezahlt werden können, berichtete die "To Vima".

Die Experten von EU, IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) – der sogenannten Troika -  fordern von der sozialistischen Regierung unter  Ministerpräsident Giorgos Papandreou Beweise und Versicherungen, dass ein neues hartes Sparprogramm wirklich in die Tat umgesetzt wird, damit Griechenland weitere sieben Milliarden Euro spart. Anderenfalls sind die Geldgeber nicht bereit Griechenland mit Finanzspritzen unter die Arme zu greifen.

Während Papandreou in Berlin um weitere Hilfen und Investitionen für sein Land wirbt, herrschte in Athen abermals ein Verkehrschaos. Die meisten U-Bahnen und die Busse der Vier-Millionen-Metropole wurden bestreikt. Am Mittwoch und Donnerstag wollten auch die Taxifahrer streiken. Auf den Straßen Athens entstanden wie in den vergangenen Tagen lange Staus, weil viele Beschäftigte mit dem eigenen Wagen zur Arbeit fuhren.

Experten fordern großen Schnitt

Führende deutsche und französische Ökonomen haben sich für einen massiven Schuldenschnitt für Griechenland ausgesprochen. "Die Gläubiger sollten auf ungefähr die Hälfte des Nominalwerts ihrer ausstehenden griechischen Staatsanleihen verzichten", fordern sie in der "Financial Times Deutschland". Um dies zu ermöglichen, sollte der EU-Rettungsschirm EFSF eigene Anleihen ausgeben: griechische Staatsanleihen im Wert von 100 Euro sollen dann gegen EFSF-Anleihen zu 50 Euro getauscht werden können.

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In welche Richtung geht Griechenland?

(Foto: dpa)

Außerdem solle der EFSF ermächtigt werden, jene Banken zu stützen, die durch die Umschuldung am stärksten gefährdet wären. Erst durch solch eine Maßnahme sei Griechenland wieder selbst in der Lage, die eigene Schuldenlast zu senken, schreiben die Ökonomen.

Die Volkswirte rechnen zwar mit erheblichen Folgen für andere Schuldenstaaten in der Eurozone. Dies sei aber zu verkraften: Portugal und Irland würden vollständig durch den EFSF und durch den Weltwährungsfonds abgesichert, Italien und Spanien strukturell weniger gefährdet. Die Umschuldung sei daher zwar "kurzfristig sehr schmerzhaft", ebne aber den Weg zu langfristiger Stabilität der Euro-Zone, da der "Teufelskreis aus Banken- und Schuldenkrise" durchbrochen werde. Zu den Unterzeichnern des Gastbeitrags gehören die fünf deutschen sogenannten Wirtschaftsweisen sowie Berater der französischen Regierung, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB).

Japan steht bereit

Die japanische Regierung ist unter Umständen dazu bereit, einen Teil der Lasten aus einem Rettungsplan für Griechenland zu übernehmen. Voraussetzung dafür sei allerdings ein Rettungsmodell der Europäer, das die Märkte beruhige und eine zumutbare Summe mit sich bringe, sagte Finanzminister Jun Azumi. Unter diesen Voraussetzungen würde er die Möglichkeit nicht ausschließen, dass Japan einen Teil der Lasten übernehme.        

Am Rande des G20-Treffens in Washington hatte Azumi den EU-Ländern bereits Hilfe im Kampf gegen die Schuldenkrise zugesagt. Dazu gehöre auch der Kauf von Anleihen des Rettungsmechanismus EFSF durch Japan.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa/DJ/rts

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