Bayern will Branche entfesselnHäppchen und Schnäppchen - Grüne Woche in Berlin beginnt

Die Agrarbranche lädt nach Berlin. MV-Regierungschefin Schwesig wünscht sich zum Auftakt der Grünen Woche einen stärkeren Fokus auf die Versorgungssicherheit. Auf Hunderttausende warten derweil Angebote von 1.600 Ausstellern aus 50 Ländern.
Pistazien-Croissants, Preiselbeer-Schorle oder Kartoffelwaffeln - und Kälber in der Tierhalle: Bei der Ernährungsmesse Grüne Woche in Berlin können Besucherinnen und Besucher bis 25. Januar Spezialitäten kosten und sich über Lebensmittel und Landwirtschaft informieren. Bundesagrarminister Alois Rainer sagte beim traditionellen Rundgang, die Messe sei "ein Erfolgsrezept" als Leistungsschau der Branche. Es gehe auch darum zu zeigen, dass es keinen Widerspruch zwischen ländlichen und urbanen Regionen gebe.
Bei der 90. Ausgabe der Grünen Woche präsentieren sich rund 1.600 Aussteller aus 50 Ländern in den Hallen unter dem Funkturm. Die Veranstalter erwarten 325.000 Besucherinnen und Besucher. Nachdem wegen des Auftretens der Maul- und Klauenseuche in Deutschland im vergangenen Jahr in der Tierhalle nur Attrappen standen, sind Kühe, Pferde und Schafe nun wieder da. Die Messe feiert ihr 100-jähriges Bestehen.
Themen sind in diesem Jahr unter anderem die Preise für Lebensmittel und die Ernährungssicherung in Zeiten internationaler Spannungen. Rainer sagte, es gelte, die Ernährungssicherung zukunftsfähig und resilient zu gestalten. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sagte, eine gute und gesunde Ernährung spiele eine große Rolle auch in der Großstadt und ganz Deutschland.
Der Eröffnungsrundgang startete in der Halle Mecklenburg-Vorpommerns, das Partnerland der diesjährigen Grünen Woche ist. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte: "Wir reden viel über Sicherheit, äußere Sicherheit und innere Sicherheit, aber die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln ist genauso wichtig." Die Ernährungs- und Landwirtschaft in Deutschland stehe für 250.000 Betriebe, 1,6 Millionen Beschäftigte und 500 Milliarden Euro Jahresumsatz.
Die Vorsitzende der Länder-Agrarministerinnen und -minister, Bayerns Ressortchefin Michaela Kaniber, forderte angesichts schwieriger Bedingungen der Bauern Entlastungen für die Branche. Es gelte, die Landwirte zu "entfesseln". Ernährungssouveränität sei "oberstes Gebot der Stunde", mahnte die CSU-Politikerin mit Blick auf Handelskonflikte und fragile Lieferketten.
Am morgigen Samstag wollen anlässlich der Messe wieder mehrere Tausend Menschen in Berlin für eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft auf die Straße gehen. Zu der Demonstration unter dem Motto "Wir haben es satt!" hat ein Bündnis aus rund 60 Initiativen aufgerufen. Sie werfen der schwarz-roten Bundesregierung Rückschritte in der Agrarpolitik vor. Unter der Überschrift "Bürokratieabbau" werde die Axt an Umwelt und Tierschutz gelegt. Bei einer internationalen Agrarministerkonferenz werden am Rande der Messe Regierungsvertreter aus rund 60 Ländern erwartet, Gastgeber ist Minister Rainer. Zentrales Thema ist der weltweite Zugang zu sauberem Wasser.