Wirtschaft

36 Anzeigen in 18 Monaten Hat Wirecard Geld gewaschen?

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Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bislang war nur bekannt, dass die Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls knapp 100 Fälle prüft, die vielleicht in Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die Chefetage von Wirecard stehen könnten. Jetzt kommt ans Licht, wie viele Anzeigen die Spezialeinheit tatsächlich gegen die Führungsriege erhalten hat.

Der Anti-Geldwäsche-Einheit des Zolls, die sogenannte Financial Intelligence Unit (Fiu), liegen nach Recherchen des "Handelsblatts" Dutzende Verdachtsmeldungen gegen Vorstände und Aufsichtsräte des Zahlungsdienstleisters Wirecard vor. Demnach hat die Aufsichtsbehörde allein in den vergangenen eineinhalb Jahren 36 Geldwäsche-Anzeigen gegen die Führungsriege erhalten, wie aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Danyal Bayaz hervorgeht. Bislang war lediglich bekannt, dass die Fiu 97 Fälle identifiziert hat, die möglicherweise in Zusammenhang mit den erhobenen Vorwürfen gegen Wirecard Mitarbeiter stehen könnten.

Die Fiu prüft bei Verdacht auf Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung und leitet Fälle gegebenenfalls an die Strafverfolgungsbehörden weiter. Zur Meldung an die Fiu sind zum Beispiel Banken verpflichtet, wenn sie Hinweise auf solche illegalen Geschäfte haben. Die Weitergabe der Geldwäsche-Anzeigen an die zuständigen Behörden verlief dabei nicht unmittelbar. Laut "Handelsblatt" wurde eine Meldung, die am 7. Februar 2019 bei der Fiu einging, erst zwei Wochen später weitergegeben. Eine andere soll sogar mehr als einen Monat nicht übermittelt worden sein.

Entweder sei die Fiu überfordert, oder sie haben den Ernst der Lage nicht erkannt, sagte Bayaz der Zeitung. "Auch die betreffenden Anzeigen der Vorstände oder Aufsichtsratsmitglieder der Wirecard AG stellen dabei keine Ausnahme dar", so die Grünen-Finanzexpertin. Das bayerische Landeskriminalamt hat sich bislang nicht dazu geäußert, wie viele Hinweise es erhalten hat. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München sagte hingegen kürzlich, es seien vor dem Juni 2020 nur zwei Anzeigen der Fiu eingegangen.

Der inzwischen insolvente Zahlungsdienstleister hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Der Skandal hatte auch die Bundesregierung in Erklärungsnot gebracht. Zentrale Fragen sind, wann genau die Regierung von Unregelmäßigkeiten wusste und ob sie zu wenig dagegen unternommen hat. Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat als Konsequenz aus dem Skandal einen Aktionsplan vorgelegt, der unter anderem eine stärkere Rolle der Finanzaufsicht Bafin vorsieht. Die Fiu ermittelt inzwischen in einer gemeinsamen Taskforce mit der Bafin zum Verdacht der Geldwäsche bei Wirecard.

Quelle: ntv.de, jki