Wirtschaft

"War zu 95 Prozent kein Unfall" Hatte Haub Kontakt zum russischen Geheimdienst?

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Karl-Erivan Haub.

(Foto: imago images/teutopress)

Vor knapp drei Jahren verschwindet Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub spurlos bei einem Ski-Ausflug in Zermatt. Alles deutet auf einen tragischen Bergunfall hin. Doch inzwischen glaubt in der Familie fast niemand mehr an einen Unfall.

Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bleibt verschollen. Seit Wochen recherchiert ein Team rund um ntv Reporterin Liv von Boetticher im Rahmen einer TVNOW-Dokumentation. Die Investigativ-Journalisten haben haben Zugang zu geheimen Akten bekommen. Streng vertrauliche Dokumente weisen auf eine jahrzehntelange Verbindung Haubs zum russischen Geheimdienst hin.

Was ist im April 2018 wirklich passiert? ntv liegt das umfangreiche Material mit Quellen aus Geheimdienstkreisen vor.

Der 7. April 2018 versprach schon in den frühen Morgenstunden ein schöner Tag in Zermatt zu werden: wolkenloser blauer Himmel über dem Matterhorn. Von den Tagen zuvor gibt es wenige Zentimeter Neuschnee. Optimale Bedingungen für einen Tag am Berg. Am Abend zuvor war Karl-Erivan Haub, genannt "Charlie", mit einem Privatjet der Firma Jet Aviation von Köln nach Sion geflogen, Ankunft in Zermatt gegen 17 Uhr. Die letzten Stunden vor seinem Verschwinden haben die örtlichen Behörden gemeinsam mit einem Ermittlerteam minutiös rekonstruiert.

Die Ermittler haben alle Kameras in Zermatt gesichtet und mit jedem gesprochen, der mit Haub in Kontakt stand. Obwohl der Milliardär am nächsten Tag früh zu einer Skitour aufbrechen wollte, führte er an jenem Abend noch mehrere Telefonate. Darunter eines um 20.52 Uhr für 60 Minuten zu einer russischen Nummer und ein weiteres um 21.54 Uhr zu einer weiteren russischen Nummer. Dieses Mal für 48 Minuten. Am nächsten Morgen verließ er das Hotel The Omnia, ein feines Boutique-Hotel mit Blick über Zermatt, bereits um 7.30 Uhr und nimmt die erste Gondel hinauf auf den Berg.

Normalerweise dürfen bei dieser frühen Fahrt nur die Mitarbeiter der Berggasthöfe mitfahren. Für den regulären Betrieb ist sie noch nicht offen. Die letzte registrierte Einwahl von Haubs Telefon in das Schweizer Handynetz findet um 8.33 Uhr statt. Wurde es danach ausgeschaltet oder ist es kaputtgegangen? Unklar. Das iPhone 6S 128 GB ist nahezu vollständig geladen. Um 09.09 Uhr gibt es den letzten "Point of Contact": Eine Kamera am Skilift der Bergstation "Klein Matterhorn" zeichnet "Charlie" ein letztes Mal auf. Seit diesem Moment fehlt von einem der reichsten Menschen Deutschlands, dem bis in die höchsten politischen Kreise in Deutschland und den USA vernetzten Karl-Erivan Haub, jede Spur.

Wer ist Veronika E.?

Was nun beginnt, ist eine beispiellose Suchaktion. Sie wird im Laufe der folgenden Jahre nahezu unfassbare Hinweise zutage fördern. Bisher wurden für die Suche rund 1,5 Millionen Euro aus privaten Mitteln ausgegeben. "Es war zu 95 Prozent kein Unfall", so eine anonyme Quelle gegenüber ntv.

Einen ersten Hinweis, dass Haub womöglich keinen Unfall hatte, gibt es schon unmittelbar nach dem Start der Suchaktion: Ein "auffallend unauffälliges" Pärchen mietet sich ebenfalls ins Hotel The Omnia ein, wo die Suchmaßnahmen in einem Raum im Erdgeschoss koordiniert werden. Eine spätere Überprüfung der Pässe ergibt, dass es sich um Personen handelt, die laut Geheimdienstkreisen aus dem Umfeld des russischen Nachrichtendienstes stammen. Ein Team von ntv konnte diese Hinweise mit eigenen Quellen in Teilen verifizieren.

Des Weiteren ergibt eine Überprüfung der letzten Telefonkontakte einen engen Kontakt zu einer Russin namens Veronika E., ihr sind laut den geheimen Akten auch beide zuletzt angerufenen Handynummern zuzuordnen. Das ntv-Team konnte sowohl die Rufnummern als auch die Zugehörigkeit zu Veronika E. verifizieren. Die Russin ist Mitinhaberin einer Eventagentur aus St. Petersburg, welche allem Anschein nach nicht in erster Linie Events organisiert. Aus den streng vertraulichen Akten geht hervor, dass es sich vielmehr um eine vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB geführte Agentur handelt, um mit Ausländern in Kontakt zu treten.

Veronika E. ist laut Quellen aus Geheimdienstkreisen eine aktive Agentin und soll einen Hubschrauber-Führerschein besitzen. Mit der Sache betraute Personen sind von dieser Darstellung überzeugt. Ob Karl-Erivan Haub mit der 41-Jährigen in einer privaten oder beruflichen Beziehung steht oder gestanden hat, ist den als streng vertraulich eingestuften Dokumenten nicht zu entnehmen und gibt auch den Ermittlern Rätsel auf. Als gesichert gilt, dass sich "Charlie" und Veronika E. seit mindestens 2002 kennen und die junge Frau auch auf Einladung der Familie in die USA gereist ist.

Quelle: ntv.de

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