Wirtschaft

Mehr Geld für Wall-Street-BankerHöhere Boni in schlechten Zeiten

05.11.2012, 16:57 Uhr
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Eingang zu Goldman Sachs in New York. (Foto: Reuters)

Nach vergleichwswiese mageren Boni im Vorjahr, dürfen sich einige Wall-Street-Banker wieder über steigende Zahlungen freuen. Während die einen auf bessere Zeiten hoffen, verlieren andere allerdings ihren Job.

Einige Wall-Street-Banker können sich trotz aller weltwirtschaftlichen Unsicherheiten auf eine Gehaltssteigerung einstellen. Nach einem Rückgang im Jahr 2011 dürften die Boni für 2012 um bis zu 10 Prozent steigen, kalkuliert die auf Gehälter spezialisierte New Yorker Unternehmensberatung Johnson Associates. Die Studie wird in der Finanzwelt jedes Jahr mit viel Interesse verfolgt. Top-Banker wie Goldman-Sachs-Chef Lloys Blankenfein bekommen demzufolge Boni in etwa der Höhe des Vorjahres.

Aber längst nicht alle Banker werden in den Genuss eines höheren Gehaltsschecks kommen: Je nach Spezialisierung werden sie sich mit stagnierenden Boni zufriedengeben müssen; oder die Banken zahlen die Barkomponente mit Verzögerung aus, um ihre Geldreserven zu schonen.

Vor allem aber haben die Banken zwischenzeitlich Zehntausende Jobs gestrichen. "Es ist eine langsame Erholung, genauso wie in der Gesamtwirtschaft", sagte der Geschäftsführer von Johnson Associates, Alan Johnson, der "New York Times". Bemerkenswert sei, dass viele Firmen die Boni stabil halten oder sogar erhöhen könnten. Schließlich seien sie im vergangenen Jahr bis zu 30 Prozent gesunken.

Entlassungen an der Tagesordnung

Ein Investmentbanker des US-Branchenprimus JPMorgan Chase hatte für 2011 im Schnitt ein Gesamtgehalt von rund 342.000 Dollar kassiert, bei der Investmentbank Goldman Sachs waren es 367.000 Dollar. Um die Enttäuschung zu verstehen, muss man sich aber die Bezahlung vor der Finanzkrise anschauen: Für das Jahr 2006 hatte ein Goldman-Banker beispielsweise noch annähernd 622.000 Dollar eingestrichen.

Nun herrscht in den Augen der Finanzgemeinde "Saure-Gurken-Zeit" an der Wall Street: Neue gesetzliche Regelungen begrenzen die geschäftlichen Möglichkeiten. So wird den Banken in den USA absehbar das Spekulieren auf eigene Rechnung verboten oder zumindest stark eingeschränkt. Hinzu kommen höhere Anforderungen an das Eigenkapital. Die Banken reagieren mit Entlassungen. Erst vor wenigen Tagen hat die Schweizer UBS angekündigt, bis zu 10.000 Stellen zu streichen, vor allem in den Finanzmetropolen New York und London.

Die Mitarbeiter sind der größte Kostenblock an der Wall Street. Etwa die Hälfte der Einnahmen gehen dafür drauf. Das Grundgehalt ist dabei der kleinere Teil, die Boni machen den dicksten Batzen aus. Die Finanzfachleute bekommen neben Barem auch Aktien und Aktienoptionen, die typischerweise erst in einigen Jahren eingelöst werden dürfen. Das soll verhindern, dass Banker zu hohe Risiken eingehen, um kurzfristige Gewinne einzufahren.

Goldman spart

Ein Schlaglicht auf den Zustand der Branche wirft eine Nachricht aus dem Hause Goldman Sachs: Bei der US-Investmentbank sinkt im Zuge der Sparmaßnahmen auch die Zahl der hochrangigen Führungskräfte. 407 Partner arbeiten für die Bank, 31 weniger als im Februar, wie aus einer offiziellen Mitteilung an die US-Finanzaufsicht SEC hervorgeht.

Der begehrte Titel "Partner" ist nicht nur prestigeträchtig, sondern auch mit einem lukrativen Salär verbunden. In Deutschland tragen ihn acht Manager, darunter der Deutschland-Chef Alexander Dibelius, sein Stellvertreter Philip Holzer sowie die Investmentbanker Dorothee Blessing, Wolfgang Fink und Christoph Stanger.

Insgesamt hat Goldman Sachs derzeit 3100 Mitarbeiter weniger als noch 2010, ein Rückgang um neun Prozent. Seither haben auch Dutzende Partner die Bank verlassen, und in diesem Jahr wurden weniger neue Partner ernannt als in vergangenen Jahren. Nach Angaben von Goldman-Sachs-Finanzchef David Viniar gehen alle zwei Jahre im Schnitt 15 bis 20 Prozent der Partner. Der Titel wird nur alle zwei Jahre vergeben. Goldman Sachs steht eigenen Angaben zufolge kurz vor dem Abschluss eines 1,9 Mrd. Dollar schweren Kostensenkungsprogramms.

Quelle: ntv.de

Alexander Dibelius