Hört die Signale Hohe Energiepreise? Sehr gut!
Ein Kommentar von Jan Gänger
Die Energiekrise trifft Deutschland. Doch es wäre ein Fehler, jetzt mit Subventionen gegenzusteuern. Denn die hohen Preise haben uns etwas zu sagen.
Die Preise für Öl, Gas und Benzin sind in die Höhe geschossen. Und selbst wenn US-Präsident Donald Trump in Kürze den Krieg gegen den Iran für beendet erklären sollte, bedeutet das noch lange nicht, dass sie schnell und dauerhaft sinken.
Die Politik muss deshalb sowohl den Wählern als auch den Unternehmen eine unerfreuliche Botschaft vermitteln: Energie ist knapp, der Verbrauch muss eingeschränkt werden.
Die steigenden Preise sind nicht die Ursache der Energiekrise. Sie sind die Folge. Sie sind außerdem ein wichtiges Signal, dass etwas schiefläuft und das korrigiert werden muss. Wird dieses Signal wegsubventioniert, dann wird es nicht zu den dringend nötigen Änderungen kommen.
Die wichtigste Botschaft: Vor den US-israelischen Angriffen auf den Iran stand global eine große Menge an Öl und Gas zur Verfügung. Nachdem der Iran die Straße von Hormus blockiert hat, gibt es weniger davon. Das heißt: Der Verbrauch muss sinken.
Starker Anreiz
Die rasant gestiegenen Öl- und Gaspreise machen zahllose Dinge teurer - von Lebensmitteln über Heizkosten bis zum Transport. Das trifft vor allem ärmere Länder hart. Umso wichtiger ist es, dass wohlhabende Länder wie Deutschland ihren Verbrauch reduzieren, statt durch Subventionen die globale Knappheit zu verschärfen.
Es ergibt Sinn, Haushalte und Unternehmen zu entlasten. Es wäre aber ein Fehler, Wählern Geld hinterherzuwerfen, damit sie ihre Gewohnheiten nicht ändern müssen. Steigende Energiepreise sind ein starker Anreiz, dass diejenigen den Energieverbrauch senken, die das können. Einfache Maßnahmen wären beispielsweise Tempolimits, Fahrgemeinschaften und mehr Homeoffice. Ein "Weiter so" wird langfristig noch teurer.
Das heißt nicht, Menschen frieren zu lassen. Einige brauchen finanzielle Unterstützung. Ihnen muss die Politik zielgerichtet helfen, aber nicht der Allgemeinheit durch die finanzielle Gießkanne.
Unternehmen werden durch höhere Energiepreise motiviert, nach Möglichkeiten zu suchen, in ihren Produktionsprozessen Energie zu sparen. Maßnahmen, die bisher zu aufwendig erschienen, könnten sich nun vielleicht doch lohnen.
Ein weiteres Signal der hohen Öl- und Gaspreise: Es bietet sich an, weniger auf fossile Energie zu setzen. Die Blockade der Straße von Hormus ist ein starkes Argument für grüne Energie und möglicherweise langfristig auch für Atomkraft.
Die hohen Preise für Öl und Gas sind kein Unheil, das mit allen Mitteln bekämpft werden muss. Sie zwingen uns, Dinge zu ändern.