Hormus-Blockade hat ihren PreisSo will der Iran dem US-Druck standhalten
Von Jan Gänger 
Die USA wollen die iranischen Öl-Exporte lahmlegen. Teheran stemmt sich dagegen und versucht, Zeit zu gewinnen. Doch die Uhr tickt.
Die Blockade iranischer Häfen durch die US-Marine erhöht den Druck auf das Regime in Teheran. Der Iran wird bald beginnen müssen, seine Ölproduktion erheblich herunterzufahren. Doch das sanktionserprobte Land versucht, das so weit wie möglich hinauszuzögern.
Das Kalkül der USA: Der Iran hat nun einen Anreiz, die Meerenge wieder freizugeben. Nach Beginn der US-israelischen Angriffe hatte Teheran die 55 Kilometer breite Meerenge durch Drohungen und Beschuss von Tankern und Frachtern faktisch für die Verschiffung von Öl und Gas aus den Golfstaaten gesperrt.
Das ließ die weltweiten Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen. Denn die Straße von Hormus ist die einzige Wasserstraße, die aus dem Persischen Golf führt. Durch sie werden in Friedenszeiten 20 Prozent der weltweiten Öl- und Gasvorräte transportiert.
Sollte die Gegenblockade der US-Marine funktionieren, könnte sie den gesamten Seehandel des Iran lahmlegen und dem Regime die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle nehmen. Das Land verschifft durch die Meerenge Schätzungen zufolge rund 80 Prozent seiner Exporte. Die wichtigsten Abnehmer für Öl aus dem Iran sind China, Indien, Südkorea, Malaysia und Singapur.
Die Exporte hatten nach Kriegsbeginn sogar zugenommen, weil die US-Regierung Öl-Sanktionen gegen den Iran vorübergehend gelockert hatte, um die globalen Märkte zu beruhigen. Die Ausnahmeregelung der USA für iranisches Öl läuft am Wochenende aus.
Erst eskalieren, dann verhandeln
Im April habe der Iran vor der US-Blockade im Schnitt 1,7 Millionen Barrel Öl täglich verschifft, und im März insgesamt 1,8 Millionen, berichtet der in Katar angesiedelte Sender Aljazeera und beruft sich auf den Datenanbieter Kpler. Demnach habe ein Fass iranisches Öl seit Kriegsbeginn niemals unter 90 US-Dollar gekostet, an einigen Tagen lag der Preis sogar über der 100-Dollar-Marke. Das heißt: Wenn man mit dem niedrigsten Preis rechnet, hat der Iran im März rund 5 Milliarden eingenommen und im April bis zur Blockade Anfang der Woche täglich 153 Millionen US-Dollar.
Teheran versucht nun Zeit zu gewinnen. Die Rohöl-Lagertanks des Landes seien etwas mehr als zur Hälfte gefüllt, berichtet die "Financial Times" und beruft sich dabei auf den Datenanalyse-Anbieter Kayrros. Bei den derzeitigen Exportmengen bleibe damit Platz für etwa 16 Tage Produktion, bis die Tanks voll seien.
Wahrscheinlich wird der Iran die Produktion schon vorher drosseln und damit nicht warten, bis die Lagerkapazität erreicht ist. Angesichts jahrelanger Sanktionen dürfte er über viel Routine verfügen, um die Fördermengen anzupassen. Das ist von Bedeutung, weil das vollständige Stoppen der Förderung in einem Ölfeld die Lagerstätte erheblich beschädigen kann.
Hinzu kommt, dass in den Tagen vor der US-Blockade Tanker den Iran angesteuert haben und beladen werden. Damit könnte zusätzliche Lagerkapazität gewonnen werden. Um dem Druck der USA etwas entgegenzusetzen, befindet sich ein massiver Vorrat an iranischem Rohöl in Tankern auf See. Der Finanznachrichtenagentur "Bloomberg" zufolge befinden sich in asiatischen Gewässern etwa 38 Millionen Barrel iranischen Öls auf Schiffen - wobei mehr als ein Drittel von ihnen im Gelben Meer vor der chinesischen Küste vor Anker liegt.
Derweil macht US-Präsident Donald Trump neue Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Iran-Kriegs: Die Verhandlungen zwischen Vertretern der USA und des Iran in Pakistan könnten schon in den nächsten zwei Tagen wieder aufgenommen werden, sagte er. Durch die Gegenblockade gewinnt die US-Regierung Handlungsspielraum. Und der Iran versucht, dem wirtschaftlichen Druck so lange wie möglich standzuhalten - womöglich länger, als die US-Regierung hohe Energiepreise und deren Folgen verkraften kann.