Wirtschaft

"Der Osten wird scheinen" Huawei-Boss keilt in Richtung USA

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Firmengründer Ren Zhengfei

(Foto: picture alliance/dpa)

Erstmals nach der Verhaftung seiner Tochter nimmt Huawei-Chef Ren Zhengfei in einem Interview Stellung. Für ihn ist die Festnahme "politisch motiviert". Sorge um die Zukunft des Telekommunikationsriesen hat er trotzdem nicht, denn Huawei sei längst unverzichtbar.

Üblicherweise gilt Huawei-Konzerngründer Ren Zhengfei als mendienscheu. Doch in einem ersten Interview nachdem seine Tochter Meng Wanzhou in Kanada auf Betreiben der USA verhaftet wurde, geht er in die Offensive. Es gebe keine Möglichkeit, dass die USA Huawei zerstören können, sagte er der BBC. Gerade jetzt sei die Technik des chinesischen Telekommunikationsriesen unverzichtbar. "Die Welt kann uns nicht entbehren, weil wir weiter fortgeschritten sind", sagte er dem britischen Sender. Huawei gilt als weltweit führend in der 5G-Technologie.

Auch auf Drängen der USA haben mehrere Länder Huawei als potenzielle Sicherheitsgefahr eingestuft. Erst vergangene Woche hat US-Außenminister Mike Pompeo andere Länder gewarnt. Die Angst: Die Technologie des Unternehmens in 5G-Netzen könnte von der Volksrepublik zum Spionieren benutzt werden.

*Datenschutz

Angesichts der Bedenken um die Cybersicherheit und der Vorwürfe einer großen Nähe zur Regierung in Peking und zu den chinesischen Geheimdiensten gibt sich Ren kämpferisch: "Wenn die Lichter im Westen ausgehen, wird der Osten scheinen", sagte er. Amerika stehe nicht für die Welt, sondern repräsentiere nur einen Teil davon. Und wenn noch mehr Länder auf Huawei-Technik verzichten würden, könnte der Konzern die Geschäfte immer noch zurückfahren. Ren räumte allerdings ein, dass die potenziellen Zölle erhebliche Auswirkungen haben könnten.

Unternehmen sind nach chinesischem Recht dazu verpflichtet, mit dem nationalen Geheimdienst zusamenzuarbeiten. Spionage zuzulassen sei allerdings ein Risiko, das er nicht eingehen würde, sagte Ren. "Unser Unternehmen wird niemals Spionagetätigkeiten durchführen. Falls doch, werde ich das Unternehmen schließen."

Die Festnahme seiner inzwischen auf Kaution freigelassenen Tochter und Huawei-Finanzchefin bezeichnet der Konzern-Boss als "politisch motiviert" und "nicht akzeptabel". Meng war Anfang Dezember auf Ersuchen der USA festgenommen worden. Ihr wird vorgeworfen, gegen die Iran-Sanktionen verstoßen zu haben. Insgesamt sind 13 Anklagen erhoben worden. Darunter auch der Vorwurf des versuchten Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen. Im Falle einer Auslieferung und Verurteilung drohen ihr 30 Jahre Haft. "Bei Problemen nutzen die USA Sanktionen gern als Kampfmethode", sagte Ren. "Wir lehnen das ab." Aber nun sei man eben auf diesem Pfad und müsse die Gerichte das klären lassen.

Quelle: n-tv.de, jki/rts

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