Wirtschaft

Energiepreise steigen deutlichIran-Krieg treibt Inflation auf 2,9 Prozent

29.04.2026, 14:01 Uhr
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Diesel und Benzin werden teurer, das treibt die Inflation an. (Foto: dpa)

Der andauernde Iran-Krieg mit der Sperrung der Straße von Hormus schlägt deutlich auf die Inflation in Deutschland durch. Diese dürfte noch weiter steigen, weil steigende Ölpreise Produktion und Transport verteuern.

Die stark gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs haben die deutsche Inflation im April weiter nach oben getrieben. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 2,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, nachdem die Teuerungsrate im März noch bei 2,7 Prozent gelegen hatte und im Februar bei 1,9 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mit.

Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024. Über drei Prozent lag die Rate zuletzt im Dezember 2023 mit 3,7 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten im April mit einem Anstieg auf 3,0 Prozent gerechnet. Von März auf April zogen die Preise um 0,6 Prozent an.

"Der Iran-Krieg und die damit einhergehenden Energiepreise lassen die Inflation in Deutschland steigen", sagte Ökonom Felix Schmidt von der Berenberg Bank. Diesel verteuerte sich etwa in Nordrhein-Westfalen um 36,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, Benzin um 18,8 Prozent. Für Heizöl mussten 27,3 Prozent mehr bezahlt werden, für Fernwärme 2,0 Prozent mehr. "Bisher scheint sich der Preisdruck kaum über die Energiepreise hinweg ausgeweitet zu haben", sagte Schmidt.

Weil teure Energie Produktions- und Transportkosten von Unternehmen steigen lässt, ist die Sorge groß, dass die Preise für Lebensmittel, Restaurantbesuche und Dienstleistungen weiter anziehen werden. "Im April ist die Inflation nur wegen höherer Energiepreise gestiegen", ordnete Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ein. "Aber Umfragen zeigen, dass die Unternehmen rasch auf die Verteuerung der Energie reagieren und bald auch die Preise für andere Waren und Dienstleistungen deutlich anheben werden."

Energiepreise steigen um 10,1 Prozent

Der Ende Februar begonnene Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. Durch die Straße von Hormus, über die normalerweise ein Fünftel des globalen Ölhandels abgewickelt wird, fließt aufgrund einer Blockade derzeit kein Öl. Das sorgt für eine Verknappung, weshalb die Weltmarktpreise gestiegen sind.

Für etwas Entlastung versucht die Bundesregierung zu sorgen: Die Steuern auf Diesel und Benzin werden vom 1. Mai bis 30. Juni um rund 17 Cent brutto pro Liter gesenkt. Die Mineralölwirtschaft hat angekündigt, dies an die Autofahrer weiterzugeben - manche bezweifeln das. Ökonomen glauben nicht, dass dieser "Tankrabatt" die Spritpreise nachhaltig senken wird. Zudem kommt er nur denjenigen zugute, die ein Fahrzeug mit Verbrennermotor fahren.

Bundesweit zogen die Energiepreise im April um 10,1 Prozent zum Vorjahresmonat an (März: plus 7,2 Prozent). Nahrungsmittel verteuerten sich mit 1,2 (März: plus 0,9) Prozent unterdurchschnittlich. Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen kosteten 2,8 (März: 3,2) Prozent mehr. Nach Einschätzung von Volkswirten dürften dazu Preiserhöhungen bei Flugtickets und Pauschalreisen maßgeblich beigetragen haben. Die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie, auch als Kerninflation bezeichnet, stiegen um 2,3 (März: 2,5) Prozent.

In Umfragen sagen schon jetzt viele Menschen, dass sie kaum die laufenden Kosten für das tägliche Leben aufbringen können und Rücklagen aufgebraucht seien. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL/ntv gaben 58 Prozent der Befragten an, sie hätten sich zuletzt im Alltag eingeschränkt. Besonders häufig sparen demnach Jüngere unter 30 Jahren sowie Menschen mit geringerem Einkommen.

Der leichte Inflationsanstieg in Europas größter Volkswirtschaft dürfte vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag "für eine gewisse Entspannung sorgen", sagte Berenberg-Ökonom Schmidt. Eine Zinserhöhung sei damit nahezu ausgeschlossen. Bei der übernächsten Sitzung des EZB-Rates im Juni werde die Lage neu bewertet. "Viel wird davon abhängen, ob es zu einer weiteren Deeskalation im Iran-Krieg kommt", sagte Schmidt.

Noch vor dem Iran-Krieg rechneten Volkswirte damit, dass die Inflationsrate in Deutschland dieses Jahr knapp über der Zwei-Prozent-Marke landen wird - ähnlich wie 2024 und 2025 mit je 2,2 Prozent. Doch diese Prognosen sind längst Makulatur. Inzwischen erwarten führende Wirtschaftsforschungsinstitute, dass die Teuerungsrate im laufenden Jahr auf durchschnittlich 2,8 Prozent und 2027 auf 2,9 Prozent steigen wird. Das wäre noch weit unter dem Rekord für das wiedervereinigte Deutschland von 6,9 Prozent Inflation während des Ukraine-Krieges 2022.

Quelle: ntv.de, mli/rts/dpa

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