Wirtschaft

Eskalation schreckt Wall StreetIran-Krieg verdirbt US-Anlegern die Kauflaune

23.04.2026, 22:37 Uhr
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Nach den Rekorden vom Vortag schließt der Dow im Minus. (Foto: AP)

Bei den Friedensgesprächen in Pakistan zwischen dem Iran und den USA herrscht Funkstille, aus Israel gibt es Hinweise auf ein mögliches Ende der Waffenruhe. Die Ölpreise steigen wieder und US-Anleger steigen auf die Bremse.

Angesichts stockender Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran ist an der Wall Street nach den Vortagesgewinnen mit teils neuen Rekordständen wieder etwas Vorsicht eingezogen. Offiziell finden keine Verhandlungen in Pakistan zwischen den Kriegsparteien USA und Iran statt, beide Seiten stellen zudem Forderungen als Voraussetzung. Für einen Schreckmoment, der die Indizes aber nur vorübergehend deutlicher nach unten drückte, sorgte die Nachricht, dass Israel laut seinem Verteidigungsminister bereit ist für eine Eskalation der Militäroperationen gegen den Iran. Dazu warte man auf grünes Licht der USA.

Die ohnehin weiter gestiegenen Ölpreise verteuerten sich nochmals. Die Straße von Hormus ist weiter nicht passierbar, dazu kamen Berichte über aufgebrachte Schiffe, sowohl durch den Iran wie auch durch die USA. Außerdem wirkte preistreibend, dass US-Präsident Donald Trump seiner Marine befahl, Boote, die Minen in der Straße von Hormus legen, "zu beschießen und zu vernichten".

Der Dow-Jones-Index büßte 0,4 Prozent auf 49.310 Punkte ein. Der S&P-500-Index kam von seinem Rekordhoch um 0,4 Prozent zurück, der Nasdaq-Composite verlor 0,9 Prozent, wozu sehr schwache Unternehmenssoftwareaktien beitrugen. Nach ersten Angaben gab es an der Nyse 1189 (Mittwoch: 1417) Kursgewinner und 1573 (1327) -verlierer. Unverändert schlossen 59 (74) Titel.

Konjunkturseitig sind die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und das Dienstleistungsgewerbe in den USA jeweils besser ausgefallen als erwartet. Beide liegen nun noch weiter in dem Bereich, der Expansion anzeigt. Die Renditen von US-Staatsanleihen zogen mit den Ölpreisen an. Im Zehnjahresbereich ging es um 3 Basispunkte auf 4,33 Prozent nach oben. Der Dollar war als sicherer Hafen gesucht und auch angesichts der steigenden US-Marktzinsen. Der Euro wurde zuletzt bei 1,1683 Dollar gesehen. Der Goldpreis litt unter den steigenden Zinsen und dem festeren Dollar und verlor 43 auf 4694 Dollar je Feinunze.

Teslas KI-Investitionen schrecken ab

Als erstes Unternehmen der sogenannten Magnificent Seven berichtete Tesla über das vergangene Quartal. Der Elektroautobauer übertraf zwar die Markterwartungen, prognostiziert jedoch für 2026 rund 5 Milliarden höhere Investitionen als zunächst, insgesamt 25 Milliarden Dollar. CEO Elon Musk sagte außerdem, dass die Einführung von Robo-Taxis langsam verlaufen werde. Der Kurs gab um 3,6 Prozent nach.

Microsoft will bis Ende 2029 rund 18 Milliarden Dollar in Cloud- und KI-Infrastruktur in Australien investieren. Der Softwareriese bietet außerdem laut Informanten langjährigen Mitarbeitern in den USA freiwillige Abfindungen an vor dem Hintergrund des Einsatzes Künstlicher Intelligenz zur Beschleunigung von Abläufen. Anspruchsberechtigt sollen 7 Prozent der Belegschaft sein. Die Aktie fiel um 4,0 Prozent. Auch Meta will die Mitarbeiterzahl verringern. Laut einem Memo will man sich im Mai von 10 Prozent der Belegschaft trennen, was rund 8000 Mitarbeitern entspricht. Das Unternehmen strebt eine Verschlankung seiner Betriebsabläufe an. Zudem sollen massive Investitionen in Künstliche Intelligenz finanziert werden. Meta verloren 2,3 Prozent.

Texas Instruments übertraf mit den Quartalszahlen die Erwartungen. Dazu kehrten die Ausgaben nach mehreren Jahren hoher Investitionen auf ein normales Niveau zurück. Zugleich fiel der Ausblick stark aus. Der Kurs des Halbleiterkonzerns schoss um knapp 20 Prozent nach oben. Die Kurse anderer Halbleiterhersteller stiegen im Sog ebenfalls. Arm kamen um 4,1 Prozent voran, AMD um 0,6 und Intel um 2,3 Prozent. Broadcom und Nvidia gaben dagegen nach.

Sofware-Aktien unter Druck

Der IT-Riese IBM steigerte im Berichtsquartal den Gewinn zwar um 19 Prozent, die Aktie von Big Blue sackte aber trotzdem um 8,3 Prozent ab. Im Handel hieß es, angesichts der guten Quartalszahlen sei der nur bestätigte Ausblick eine Enttäuschung. ServiceNow stürzten um 17,7 Prozent ab, nachdem der Entwickler von Unternehmenssoftware Quartalsergebnisse vorgelegt hatte, die nicht überzeugen. Zugleich weckten sie wieder Sorgen vor disruptiven Wirkungen von im Softwaregeschäft. Im Sog von ServiceNow ging es für andere Branchenwerte ebenfalls steil abwärts. Salesforce rutschten um 8,7 und Workday um 9,4 Prozent ab.

Im Rüstungssektor fielen Honeywell um 2,6 Prozent, obwohl das Gewinnwachstum im ersten Quartal besser als erwartet ausgefallen war. Händler machten als Belastungsfaktor Unsicherheit über Haushaltszuweisungen aus und generell bei Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsaktien steigende Energiekosten. Für Lockheed Martin ging es nach verfehlten Erwartungen um 4,6 Prozent abwärts.

American Airlines warnte vor 4 Milliarden Dollar höheren Kerosinkosten und einem möglichen Jahresverlust in der Bilanz. Die Aktie stieg trotzdem um 2,4 Prozent, nachdem sie an den Vortagen deutlicher nachgegeben hatte. Lam Research verloren 2,6 Prozent, obwohl der Hersteller von Chipfertigungsanlagen im dritten Geschäftsquartal die Konsensschätzungen für Gewinn und Umsatz übertroffen hatte. Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits um über 50 Prozent zugelegt.

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Quelle: ntv.de, mau/DJ

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