Wirtschaft

Nur noch zwei Universalbanken Irland plant Radikalkur

Der nationale Stresstest bringt die unangenehme Wahrheit ans Licht: Irlands Banken benötigen weitere 24 Milliarden Euro. Nun will die Regierung in Dublin in Abstimmung mit den europäischen Partnern hart durchgreifen. Das Euro-Schirm-Land will den über Jahre auf aufgeblähten Sektor radikal reformieren. So sollen nur noch zwei große Geldinstitute übrig bleiben.

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Die Allied Irish Bank soll mit der Bausparkasse EBS verschmelzen.

(Foto: AP)

Mit einem neuen Kraftakt will die Republik Irland einen Schlussstrich unter ihre schwere Bankenkrise ziehen. Die bereits mit riesigen Staatshilfen am Leben gehaltene Branche benötigt zusätzliche 24 Milliarden Euro, wie die Ergebnisse eines nationalen Stresstests zeigen.

Das frische Kapital soll den Geldhäusern insbesondere helfen, etwaige Verluste im Zuge einer weiteren Abschwächung der einst so wachstumsstarken irischen Wirtschaft zu verkraften. Damit einher geht eine Radikalkur für den über Jahre aufgeblähten Sektor, dem das Platzen einer Immobilienblase das Genick brach.

Am Ende übrig bleiben sollen nur noch zwei große Universalbanken. Sie sollen aus der Bank of Ireland sowie einer Verschmelzung der angeschlagenen Bausparkasse EBS mit dem zweitgrößten Kreditinstitut Allied Irish Bank hervorgehen, wie Finanzminister Michael Noonan ankündigte. Das Finanzhaus Irish Life & Permanent solle umgehend sein Lebensversicherungsgeschäft verkaufen.

Abstimmung mit EU-Partnern

Die Regierung in Dublin will, dass die Institute nur am Kerngeschäft festhalten und den Rest gnadenlos aussortieren. Insgesamt sollen sie sich bis 2013 von Vermögenswerte über 72,6 Milliarden Euro trennen. Noonan kündigte zugleich wesentliche Umbesetzungen in den Bankvorständen an.

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Sorgen über Sorgen: Notenbankchef Patrick Honohan.

(Foto: AP)

Die Sanierungspläne will Schuldensünder Irland eng mit den europäischen Partnern abstimmen. Das Vorhaben werde der EU-Kommission zur Zustimmung vorgelegt, sagte Noonan. Die weitere Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) sei gewiss, betonte er. Dass die EZB das kränkelnde Euro-Land mittelfristig an zusätzliche Liquiditätströpfe anschließen wird, schloss Irlands Notenbankchef Patrick Honohan nicht aus. Unmittelbar sei dies aber nicht zu erwarten und auch nicht erforderlich.

EZB ignoriert Ratingagenturen

Die EZB ihrerseits will den irischen Geldinstituten mit einer Sonderregelung helfen. Die Notenbank kündigte an, irische Staatsanleihen weiterhin als Sicherheit zu akzeptieren - unabhängig von der Bewertung durch Ratingagenturen. Der Wegfall der Mindestanforderungen gilt demnach für alle bestehenden und neuen handelbaren Anleihen, die von der irischen Regierung begeben wurden oder für die sie garantiert.

Geschäftsbanken können sich bei der EZB Geld leihen, müssen dafür aber Sicherheiten wie Anleihen hinterlegen. Diese müssen normalerweise Mindestanforderungen wie eine bestimmte Bonitätsnote erfüllen. Eine ähnliche Ausnahme wie die jetzt für irische Anleihen gilt bereits für griechische Schuldtitel. Die EZB erklärte, das Euro-System werde irische Banken auch weiterhin mit Geld versorgen.

Fass ohne Boden

Der irische Staat musste die Banken bereits mit Unsummen unterstützen. Die Geldhäuser sind seit der Finanzkrise die Achillesferse der irischen Wirtschaft. Ihre Probleme zwangen Irland als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm, der nach der Griechenland-Krise von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) aufgespannt wurde. Doch trotz der 85 Milliarden Euro schweren Hilfen aus dem Fonds hängen die Banken des Landes immer noch am EZB-Tropf.

EZB-Ratsmitglied Axel Weber warnte vor einer umfassenden Rettung des kriselnden Sektors. Im Kreise der Notenbanken würden die irischen Banken nicht als systemrelevant eingestuft, sagte der scheidende Bundesbankpräsident beim Deutschen Bankentag in Berlin. Es stelle sich grundsätzlich die Frage, ob nicht private Gläubiger an der Rettung einzelner Institute auf der Insel stärker beteiligt werden müssten. "Wir sollten keine Blanko-Garantien für Banken mehr geben", betonte der scheidende Bundesbank-Präsident.

Die deutschen Privatbanken halten das Engagement heimischer Banken in Irland für überschaubar. "Wir gehen davon aus, dass die Horrorzahlen, die für die deutsche Exposure genannt werden, übertrieben sind", sagte der Hauptgeschäftsführer des Dachverbandes BdB, Michael Kemmer.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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