Wirtschaft

Griechenland lässt grüßen Italien macht Märkte nervös

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Einigkeit in Berlusconis Regierungskoalition? Die Märkte sind skeptisch.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Italien hat ein Problem: In den kommenden Monaten muss das schuldengeplagte Land Anleihen-Ausgaben von bis zu 130 Mrd. Euro bewältigen. Die Märkte sind skeptisch, ob das gelingt und schon wird darüber spekuliert, ob Italien mit in den Sog der Euro-Schuldenkrise gezogen wird.

Die Finanzmärkte reagieren derzeit nervös, wenn sie das Wort Italien hören. Die Gefahrenzuschläge für italienische Staatsanleihen waren in den vergangenen Tagen deutlich geklettert. Nun versucht die Regierung in Rom gegenzusteuern und bemüht sich angesichts der Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien um demonstrative Einigkeit.

Von nun an "besteht unsere Aufgabe darin zu zeigen, dass wir geschlossen stehen und die Anstrengungen der Spekulanten blockieren", sagte der Staatssekretär und Berater von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, Paolo Bonaiuti. "In den kommenden Monaten haben wir Anleihen-Ausgaben von 120 Mrd. bis 130 Mrd. Euro zu bewältigen", ergänzte er.

Benötigt werde Zusammenhalt und ein geeinter Wille. Man werde sich anstrengen müssen, um zu zeigen "dass die Märkte übertreiben".

Euro fällt - Risikoaufschläge klettern

Die Finanzmärkte ließ das bisher kalt: Der Euro fiel im Vergleich zum Freitagabend um fast einen Cent und damit unter die Marke von 1,42 Dollar. Auch der Dax lag zum Wochenauftakt im Minus.

Die Lage am Rentenmarktt Italiens trübte sich zudem weiter ein. Die Risikoaufschläge für Staatstitel mit zehnjähriger Laufzeit stiegen auf neue Rekordstände. In Italien kletterte die Rendite um 0,16 Punkte auf 5,421 Prozent. Der Risikoaufschlag zur zehnjährigen Bundesanleihe betrug damit rund 2,63 Punkte und lag so hoch wie noch nie seit der Einführung des Euro.

Am Markt wächst Teilnehmern zufolge die Sorge, dass die europäische Schuldenkrise sich auf das drittgrößte Euro-Land Italien ausweitet.

Einigkeit und Defizitabbau

Ende der abgelaufenen Woche hatte bereits Italiens Finanzminister Giulio Tremonti Alarm geschlagen. Italien drohe eine schwere Krise, falls das hoch verschuldete Land nicht wie geplant in drei Jahren ohne neue Schulden auskomme, sagte er. Wenn das Budget bis 2014 nicht ausgeglichen sei, werde es eine Katastrophe geben, warnte Tremonti. Der Minister hatte seine Pläne für ein Sparpaket bekanntgegeben, das in den kommenden drei Jahren insgesamt 40 Milliarden Euro einsparen soll.

Die von Anlegern geforderten Gefahrenzuschläge für italienische Staatsanleihen waren in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro geklettert. Die Investoren fürchten angesichts der dramatischen Situation in Griechenland, dass die Schuldenkrise auch Italien erfassen könnte. Sie sorgen sich vor allem, dass Streitereien in der Koalitionsregierung tiefgreifende Reformen zur Stimulierung des lahmen Wachstums vereiteln. Das Land schiebt einen Schuldenberg von 120 Prozent der Wirtschaftsleistung vor sich her.

Aus Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf das Mittelmeerland hat EU-Ratspräsident Herman van Rompuy EU-Kreisen zufolge ein Krisentreffen einberufen. Ein Sprecher Rompuys sagte dagegen, es handele sich nicht um ein Krisentreffen, es ginge vielmehr um Koordinierungsfragen. Italien stehe nicht auf der Agenda.

Rettungsschirm bald größer?

Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt einem Bericht zufolge über eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms nach. Möglicherweise müsse er sogar auf 1,5 Billionen Euro verdoppelt werden, berichtete "Die Welt" unter Berufung auf ranghohe Zentralbankkreise. Es müsse aus EZB-Sicht zudem eine grundlegende Reform der EU-Krisenpolitik geben, ansonsten drohe die aktuelle Krise an den EU-Anleihemärkten außer Kontrolle zu geraten: "Das schlechte Krisenmanagement der europäischen Regierungen sorgt dafür, dass die Kosten der Rettung ständig steigen", sagte ein europäischer Zentralbanker, der nicht genannt werden wollte, der Zeitung.

"Der bestehende Schirm in Europa reicht nicht aus, um eine  glaubwürdige Schutzmauer um Italien zu bauen. Dafür war er nie angelegt", zitierte die "Welt" den EZB-Banker weiter. Die Situation werde schon verglichen mit der Lage im Herbst 2008, als die deutsche Bundesregierung eine Billionen-Euro-Garantie für Spareinlagen in Deutschland abgab. Eine EZB-Sprecherin wollte die Informationen nicht kommentieren, hieß es in dem Bericht weiter.

Quelle: ntv.de, bad/rts/AFP/dpa

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