Glänzendes DebütJapans Post elektrisiert Anleger

Beim größten Börsengang in Japan seit Jahrzehnten sind die Aktien der Post mit deutlichen Gewinn gehandelt worden. Mit extra niedrigen Ausgabepreisen wurden vor allem Kleinanleger gelockt. Für viele ist es Neuland.
In Japan haben die Post und ihre beiden Finanztöchter ein glänzendes Börsendebüt hingelegt. Vor allem Privatanleger profitierten, weil drei Viertel der ausgegebenen Aktien an sie gingen. "Es gibt viele Leute, die bei diesem Börsengang das erste Mal in ihrem Leben Aktien gekauft haben", sagte Monex Securities-Chefstratege Takashi Hiroki. Die Aktien wurden nach Einschätzung von Analysten extra günstig angeboten, um die Japaner zum Aktienkauf zu motivieren.
Der Unternehmensriese ist mit mehr als 200 000 Beschäftigten in 24.000 Ämtern einer der größten Arbeitgeber. Der Bankenarm der Post verfügt zudem über höhere Einlagen als jedes andere Finanzinstitut.
Japaner aufs Parkett gelockt
Japans Regierungschef Shinzo Abe erhofft sich davon, dass Privathaushalte dank der Börsengewinne zu mehr Ausgaben und Investitionen angeregt werden und damit die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Der größte Verkauf von Staatsbesitz seit drei Jahrzehnten spülte umgerechnet mehr als zehn Milliarden Euro in die Staatskassen.
Mit einem Plus von 56 Prozent schoss vor allem der Kurs der Versicherungstochter Japan Post Insurance nach oben. Die Papiere der Banktochter gingen 15 Prozent über dem Ausgabepreis aus dem Handel, die Aktien der Dachgesellschaft Japan Post Holdings legten 20 Prozent zu. Damit sorgten die drei Börsendebütanten für Auftrieb am gesamten Markt.
Die Regierung hatte zunächst rund zehn Prozent an den drei Firmen auf den Markt gebracht. Die drei Börsengänge sollen insgesamt 1,4 Billionen Yen einbringen, umgerechnet etwa 10,55 Milliarden Euro. Es ist der drittgrößte IPO in Japan seit der Privatisierung der Nippon Telegraph & Telephone Corp. 1987 und des Telekomanbieters NTT DoCoMo 1998 für 2.1 Billionen Yen. Das Geld soll in den Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben und der Atomkatastrophe in Fukushima vor viereinhalb Jahren fließen.
Post nicht vollkommen zukunftssicher
Der erfolgreiche Börsenstart kann nach Meinung von Analysten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Post vor großen Herausforderungen steht. Die Wachstumsaussichten im Inland sind angesichts der rapiden Überalterung der Bevölkerung nicht sehr rosig. So legten denn auch die Papiere der Holding, die das Post-Geschäft umfasst, weniger deutlich zu als die der Versicherungstochter.
Ohne Internationalisierung werde man nicht in der Lage sein, auf der globalen Ebene zu überleben, sagte der Präsident der Japan Post Holdings, Taizo Nishimuro. Daher will das Unternehmen verstärkt ins Ausland expandieren, um im Frachtgeschäft mitzumischen. So kaufte die Japan Post vor wenigen Monaten die australische Logistikfirma Toll.