Wirtschaft

Hunderte Jobs fallen weg Karstadt Sports schließt 20 Filialen

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Nur zehn Filialen von Karstadt Sports bleiben erhalten.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Zwei Drittel der Niederlassungen der insolventen Galeria-Tochter Karstadt Sports werden schließen - hinzu kommen zahlreiche Filialen der Kaufhauskette. Kommunen und Politiker fürchten, dass das zur Verödung von Innenstädten beitragen wird.

Zusätzlich zur geplanten Schließung von Dutzenden Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof sollen auch 20 der 30 Niederlassungen der Tochter Karstadt Sports dicht machen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Die Verhandlungen hätten bis zum frühen Morgen gedauert, hieß es. Zuvor hatte der "Kölner Stadt-Anzeiger" darüber berichtet.

Demnach sollen unter anderem die Standorte in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Hamburg und München sowie die Hauptverwaltung von Karstadt Sports in Essen geschlossen werden. Insgesamt seien 700 Arbeitsplätze betroffen, heißt es.

Der angeschlagene Warenhauskonzern hatte gestern angekündigt, 62 seiner 172 Häuser zu schließen. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates werden dadurch insgesamt 5317 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Der Konzern hat derzeit noch 28.000 Beschäftigte. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung sogar bis zu 80 Geschäfte dicht machen wollen.

Die Geschäftsführung von Galeria Karstadt Kaufhof hatte die Maßnahmen am Freitag als unvermeidlich bezeichnet. "Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden", sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Letztlich gehe es darum, Galeria Karstadt Kaufhof und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern.

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Vermieter kündigt Gespräche an

Angesichts der angekündigten Schließung von Dutzenden Filialen der Warenhauskette warnen Kommunen und Politik vor einem Aussterben der Innenstädte. "Die betroffenen Kommunen müssen gemeinsam mit dem Handel und den Immobilieneigentümern Zukunftsstrategien erarbeiten", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der "Passauer Neuen Presse". Eine zentrale Rolle komme den Immobilieneigentümern zu. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Landsberg: "Überzogene Mietforderungen sind in Krisenzeiten fehl am Platz."

Der Center-Manager ECE als einer der großen Vermieter kündigte weitere Gespräche an. "Solange noch nichts endgültig entschieden ist, wollen wir versuchen, weiter mit Karstadt Kaufhof zu verhandeln und für die Standorte zu kämpfen", sagte Steffen Eric Friedlein, Geschäftsführer Vermietung der ECE. 12 der 172 Standorte des Konzerns befinden sich - oftmals schon seit Jahrzehnten - in verschiedenen von der ECE betriebenen Shopping-Centern und seien zu einem großen Teil von den Schließungsplänen betroffen.

"Wir haben in den letzten Wochen mit viel Engagement und großem Einsatz zwischen Galeria Karstadt Kaufhof und den Eigentümern unserer Center vermittelt und sehr weitreichende Lösungsangebote erarbeitet, um Standortschließungen in unseren Centern zu vermeiden und die Arbeitsplätze in den Filialen zu erhalten", sagte Friedlein.

Protest in Berlin

Die Grünen forderten derweil, die Bundesregierung müsse "Kauf-vor-Ort"-Gutscheine einführen, um den stationären Einzelhandel sowie örtliche Dienstleistungen und Gastronomie zu unterstützen. "Innenstädte und Ortskerne dürfen nicht aussterben. Die Bundesregierung muss deshalb die Überbrückungshilfen dringend über August hinaus verlängern", sagte die wirtschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge.

Vor einigen Filialen in Berlin versammelten sich am Samstagvormittag Menschen, um gegen die geplante Schließung zu demonstrieren. In der Hauptstadt sollen sechs von elf Warenhäusern geschlossen werden. Davon könnten nach Gewerkschaftsangaben rund 1000 der etwa 2100 Beschäftigten betroffen sein.

Quelle: ntv.de, jga/dpa