Wirtschaft
Deutschlands größte Krankenkasse, die TK, nannte laut "FAZ" einen Gewinn von 561 Millionen Euro.
Deutschlands größte Krankenkasse, die TK, nannte laut "FAZ" einen Gewinn von 561 Millionen Euro.(Foto: picture alliance / Maurizio Gamb)
Donnerstag, 22. Februar 2018

Rücklagen im Gesundheitsfonds: Kassen erwirtschaften Milliarden-Überschuss

Den gesetzlichen Krankenkassen geht es so gut wie lange nicht: TK, Barmer, DAK und Co. erwirtschafteten im vergangenen Jahr ein Plus von 3,1 Milliarden Euro. Den Überschuss sollten sie nutzen, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen, heißt es.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr einen Überschuss von rund drei Milliarden Euro erzielt. Das teilte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Berlin mit. Er bestätigte damit im Grundsatz einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

"Der Krankenversicherungsschutz der 90 Prozent gesetzlich versicherten Bevölkerung steht auf einer soliden finanziellen Basis", erklärte GKV-Sprecher Florian Lanz. "Die anhaltend brummende Konjunktur, relativ hohe Tariflohnsteigerungen und die große Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter haben dafür gesorgt, dass die Finanzsituation der Solidargemeinschaft insgesamt weiterhin gut ist." Die exakten Zahlen würden allerdings erst in etwa zwei Wochen vorliegen.

Lanz warnte zugleich davor, das Einnahmeplus der GKV zu überschätzen. Die Rücklagen der gesetzlichen Kassen entsprächen "tatsächlich nur rund einer Monatsausgabe". Zudem dürften die guten Zahlen nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den vergangenen Jahren "die Ausgaben für Arzthonorare, Medikamente, Hebammen und Kliniken, um nur einige Beispiele zu nennen, sehr dynamisch gestiegen sind." Strukturelle Reformen, beispielsweise im Krankenhausbereich und bei den Arzneimitteln, seien daher unverzichtbar.

Dem "FAZ"-Bericht zufolge würden die Rücklagen und Reserven der 110 gesetzlichen Kassen mit dem neuen Überschuss auf 19 Milliarden Euro steigen. Diesen bezifferte das Blatt unter Berufung auf eigene Berechnungen auf 3,1 Milliarden Euro. Zusammen mit den von Fachleuten auf neun Milliarden Euro kalkulierten Rücklagen im staatlichen Gesundheitsfonds ergebe sich damit eine Gesamtreserve im Gesundheitssystem von 28 Milliarden Euro.

"Für schlechtere Zeiten vorsorgen"

Im Vergleich der Kassenarten melden die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) in einer Umfrage der "FAZ" mit 1,45 Milliarden Euro den höchsten Überschuss, die Ersatzkassen kamen auf 1,2 Milliarden Euro. Die Betriebskrankenkassen weiteten ihr Plus demnach auf 295 Millionen Euro aus, die Knappschaft auf 102 Millionen Euro. Die Innungskassen drehten das Vorjahresminus in einen Überschuss von 174 Millionen Euro.

Deutschlands größte Krankenkasse, die TK, nannte laut "FAZ" einen Gewinn von 561 Millionen Euro. Die Nummer zwei am Markt, die Barmer, kommt demnach auf 213 Millionen Euro, die DAK als drittgrößte Kasse auf 263 Millionen Euro.

"Der Gesetzlichen Krankenversicherung geht es so gut wie lange nicht mehr", sagte der AOK-Bundesvorsitzende Martin Litsch der "FAZ". Grund dafür sei auch die gute Konjunktur, "die die Kassen nutzen sollten, um für schlechtere Zeiten vorzusorgen und an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit arbeiten". Der Ersatzkassenverband erklärte, das gute Finanzergebnis entlasse die Politik auch nicht aus der Pflicht, Fehlsteuerungen im Finanzausgleich der Kassen auszugleichen.

Quelle: n-tv.de