Wirtschaft

Katalonien braucht Finanzhilfe Spaniens Regionen funken SOS

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Proteste in Kataloniens Hauptstadt Barcelona gegen Kürzungen im Bildungswesen.

(Foto: REUTERS)

Ausgerechnet Katalonien: Weil die größte und zugleich reichste autonome Region Spaniens kaum noch Geld am Kapitalmarkt erhält, soll nun Madrid für die Finanzierung geradestehen. Für das ohnehin hoch verschuldete Land rückt der Euro-Rettungsschirm damit immer näher.

Die hoch verschuldeten Regionen Spaniens entwickeln sich neben den klammen Banken des Landes zur Belastungsprobe. Die nächste Hiobsbotschaft für die Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy kommt aus Katalonien. Die autonome Region bat die Zentralregierung um rasche Finanzierungshilfe, was an den Finanzmärkten Ängste vor einer Verschärfung der Schuldenkrise auslöste. Zudem schießt der Finanzbedarf des teilverstaatlichten Sparkassen-Konzerns Bankia weiter in die Höhe und bürdet dem klammen Land neue Schulden auf.

Kataloniens Präsident Artur Mas richtete einen dramatischen Appell an die Regierung. "Uns ist es egal, wie sie es tun, aber wir müssen Zahlungen tätigen am Monatsende", mahnte er. "Unsere Wirtschaft kann sich nicht erholen, wenn wir unsere Rechnungen nicht begleichen können." Der Region gingen die Möglichkeiten zur Schuldenrefinanzierung aus. Katalonien, das ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet, muss in diesem Jahr mehr als 13 Mrd. Euro umschulden. Die 17 hoch verschuldeten Regionen stehen im Zentrum der spanischen Krise.

Euro beinahe auf Zwei-Jahres-Tief

Investoren befürchten, dass die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone infolge der anhaltenden Belastungen unter den Rettungsschirm flüchten muss. Als Reaktion auf den Hilferuf aus Katalonien sackte der Euro unter 1,25 Dollar - so tief lag die Gemeinschaftswährung seit fast zwei Jahren nicht mehr. Auch der Aktienindex Dax rutschte ins Minus. "Dies schürt natürlich die Furcht vor einer Eskalation der Schuldenkrise", sagte ein Börsianer.

Rajoys Regierung wird nicht umhin können, sich mit frischen Mitteln an den Finanzmärkten zu versorgen, um die Sanierung des Probleminstituts und der Regionen zu stemmen. Die Zeit dafür ist denkbar ungünstig. Viele Experten halten es für unmöglich, dass Spanien seine bereits mehrfach nach oben korrigierten Neuverschuldungsziele erreichen wird. Außerdem birgt die Rettung von Sparkassen viel politischen Zündstoff. Denn gleichzeitig streicht Rajoy etwa die Ausgaben für Schulen und Krankenhäuser kräftig zusammen. Um die europäischen Defizit-Vorgaben zu erfüllen, plant der Regierungschef Einsparungen von mehr als 45 Mrd. Euro in diesem Jahr.

Quelle: ntv.de, nne/rts